FCL-Sportchef Meyer verteidigt sich: «Ich war immer ehrlich»

Der Nachfolger von Ex-Trainer Thomas Häberli muss eine Luzerner DNA haben. Dazu gehören Laufstärke, Dynamik, Teamspirit und Mut.

Daniel Wyrsch
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FCL-Sportchef Remo Meyer (rechts) und Präsident Philipp Studhalter stehen den Medien Red und Antwort.

FCL-Sportchef Remo Meyer (rechts) und Präsident Philipp Studhalter stehen den Medien Red und Antwort.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Luzern, 17. Dezember 2019)

FCL-Sportchef Remo Meyer (39) hat am Dienstagvormittag an einer Medienkonferenz die Gründe für die Freistellung von Thomas Häberli genannt. Dem 45-jährigen Trainer aus Ballwil wurden gemäss Meyer folgende Punkte zum Verhängnis:

«Das schwache sportliche Abschneiden in der Vorrunde.»
«Die fehlende Entwicklung und Handschrift des Coaches.»
«Die unterschiedlichen Beurteilungen der Leistungen.»
«Zum Teil hatten wir einige Unruhe in der Mannschaft.»

Die letzten beiden Gründe musste Remo Meyer den Journalisten genauer erklären. Thomas Häberli habe die Leistungen der Mannschaft immer besser gesehen. «Das habe ich mit den anderen Trainern nie so ausgeprägt erlebt. Zwischen seinen und meinen Beurteilungen herrschte ein ziemlich grosser Spielraum.» Der Sportchef besitzt einige Vergleichsmöglichkeiten: Häberli war nach René Weiler, Gerardo Seoane und Markus Babbel bereits der vierte Trainer, der in seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit beim FC Luzern arbeitete.

Zu den von ihm angesprochenen Unruhen im Team führte Meyer aus, dass Häberli mit Stürmer Blessing Eleke nicht zurechtkam. Die Konflikte zwischen dem 23-jährigen Nigerianer und dem Coach sind hinlänglich bekannt. Überraschend ist dagegen der Name des zweiten Spielers, der mit Häberli Probleme hatte: Marvin Schulz. In dessen Fall ging es um die Spielposition. Der 24-jährige Deutsche musste Anfang Saison wenige Spiele am rechten Flügel absolvieren, wo er im Vergleich zu dem im Sommer nach Augsburg transferierten Ruben Vargas sehr langsam agierte. Falls deswegen Unruhe im Team aufkam, dann sicher nicht lange.

Angst vor dem Abstieg führte zur Trainerentlassung

Remo Meyer äusserte schliesslich den ausschlaggebenden Punkt, der zur Trennung von Thomas Häberli führte:

«Dass wir die Einhaltung der Rückrundenziele stark gefährdet sehen.»

Aus diesen Worten kann man die Sorge vor einem allfälligen Abstieg herauslesen. «Nichts mit dem Barrageplatz zu tun haben», war Anfang Saison das wichtigste Saisonziel. Bei Halbzeit nach 18 Runden hat der FCL (8.) nur vier Punkte Vorsprung auf Xamax, das auf eben diesem Rang 9 steht.

Der Zwist im Aktionariat habe dem Ruf des FC Luzern geschadet, er sei zudem nicht leistungsfördernd gewesen, «aber er ist für mich und meine Arbeit kein Alibi gewesen», betonte Meyer. Zur öffentlichen Demontage des Trainers vor mehr als fünf Wochen rechtfertigte sich Meyer: «Das habe ich zu 110 Prozent immer auch intern besprochen. Ich war immer ehrlich.» Für ihn sei das kein Angriff gegen den Trainer gewesen. Würde er das oft zitierte Interview noch einmal in dieser Form geben? «Das ist korrekt», so Meyer.

«Höchst erfreut» über die Leistungssteigerung gegen Basel

Ende Vorrunde stellte er einen Aufwärtstrend fest. «Höchst erfreut» sei er am Sonntag über die Leistung gegen Basel gewesen. Trotzdem entschied sich Meyer nach diesem heroischen 2:1-Heimsieg gegen Häberli. Erst am späten Sonntagabend seien die Würfel gefallen. «Sicher nicht Wochen vorher» – wie ihm unterstellt werde. «Das ist mein Entscheid, ein konsequenter Entscheid, wir wollen mit einem neuen Cheftrainer in die Rückrunde gehen.»

Meyer kann nach dem Scheitern seiner Wunschkandidaten René Weiler und Häberli nun den dritten Trainer ­suchen. Wie ist dessen Profil? «Er muss ein Fachmann, eine Führungspersönlichkeit sein, muss mit Jungen arbeiten wollen. Und für die Luzerner DNA stehen.» Dazu gehörten Laufstärke, Dynamik, Teamspirit und mutiger Fussball.

Studhalter fordert: «Nun muss es funktionieren»

Remo Meyer beurteilte seine persönliche Leistung als Sportchef trotz zwei Trainerentlassungen im laufenden Kalenderjahr mit den Worten: «Ich bin zufrieden, weil ich grundsätzlich immer meinen Weg gegangen bin.» Wie sieht sein Vorgesetzter, Präsident und CEO Philipp Studhalter, die Arbeit des sportlichen Leiters?

«Im Verwaltungsrat beurteilen wir die Leistung sehr positiv. Die Transfereinnahmen sind nur die eine Seite, ich darf behaupten, dass der FCL überhaupt wohl noch selten auf so einem starken sportlichen Fundament gestanden ist wie jetzt. Remo Meyer hat die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und sportlichem Erfolg bislang stets gut hinbekommen.»

Allerdings hatte Studhalter zuvor in seinem ersten Statement an der Medienkonferenz gesagt: «Remo Meyer geniesst sowohl vom Verwaltungsrat als auch von den Aktionären das vollste Vertrauen für den Moment beim FCL.» Achtung: Wenn der Präsident «für den Moment» in diese Aussage einfügte, dann ist das Vertrauen in den Sportchef gewiss nicht von unendlicher Dauer.

Der neue Trainer soll spätestens am 3. Januar vorgestellt werden

Muss der nächste Trainer von Meyer Erfolg haben – oder bildlich gefragt: Muss die nächste Patrone sitzen? Studhalter wollte auf diese Frage auf dem Podium keine konkrete Antwort geben. Später in einem Interview mit einem TV-Sender sagte er: «Schaut man die Tabelle an, sind wir in einer sehr schwierigen Lage. Jetzt muss es funktionieren.» Der neue Trainer muss das Team aus der Abstiegsgefahr führen. Studhalter erklärte, dass Bernhard Heusler der Berater des Verwaltungsrats sei – und nicht ins Tagesgeschäft eingreife. «Wenn wir Fragen haben, steht er uns zur Verfügung. Für die Trainersuche ist Remo Meyer zuständig.»

Die Trainersuche laufe seit Sonntag um 24 Uhr, erklärte der Sportchef. Meyer will den neuen Trainer spätestens Anfang Januar präsentieren. Am 3. Januar startet die Vorbereitung. «Eine Schweizer Lösung wäre sehr positiv. Sicher sollte er mit der Liga vertraut sein», so Meyer. Bruno Berner passt trotz seinem Bekenntnis zum SC Kriens. Berner sagte am Montag, er habe keine Anfrage erhalten. Kandidaten dürften ebenfalls Fabio Celestini, Stéphane Henchoz, Urs Meier und Boris Smiljanic sowie Ex-FCB-Coach Heiko Vogel sein.