«Eine absolute Führungspersönlichkeit»: FCL-Trainer Celestini will in Luzern mutigen und offensiven Fussball

Der neue Coach des FC Luzern Fabio Celestini erklärt bei der Vorstellung seinen Spielstil – und Sportchef Remo Meyer die Wahl des Trainers.

Daniel Wyrsch
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Sportchef Remo Meyer (links) präsentiert an der Medienkonferenz in der Swisspor-Arena den neuen Cheftrainer Fabio Celestini.

Sportchef Remo Meyer (links) präsentiert an der Medienkonferenz in der Swisspor-Arena den neuen Cheftrainer Fabio Celestini.

Eveline Beerkircher (Luzern, 3. Januar 2020)

Fabio Celestini ist zurück. Nur zwei Monate und fünf Tage war er weg aus der Super League. Am 28. Oktober beim FC Lugano auf dem Barrageplatz (9.) entlassen, steht er seit Donnerstag wieder als Cheftrainer unter Vertrag. Der FC Luzern hat ihn geholt, bei den Innerschweizern macht Celestini einen Rang gut, denn sie stehen zur Saisonhälfte auf Platz 8. Nur vier Punkte beträgt der Vorsprung auf Xamax (9.), die Neuenburger belegen derzeit den Barrageplatz. «Ich hatte schwierige Aufgaben in Lugano und in Lausanne, bin mir bewusst, dass meine Arbeit in Luzern auch nicht einfach sein wird», sagte der frühere Schweizer Nationalspieler mit grosser Erfahrung als Profi im Ausland bei Marseille, Troyes, Getafe und Levante.

FCL-Sportchef Remo Meyer erklärte die Verpflichtung des 44-Jährigen: «Am Schluss der intensiven Gespräche mit den Kandidaten war es eine klare Entscheidung zu Gunsten von Fabio.» Dieser sei «eine absolute Führungspersönlichkeit» und ein «absoluter Fachmann». Besonders in Lausanne habe er mit vielen jungen Spielern gearbeitet. «Das ist auch für uns wichtig.» Zudem verbinde ihn mit Celestini die Philosophie eines mutigen und direkten Offensivstils. «Das Team soll vertikalen Fussball spielen», erklärte Celestini.

Ein längerer Vertrag als für Häberli beim Jobantritt

Beim FCL hat Celestini einen Kontrakt über 1,5 Jahre bis zum 30. Juni 2021 unterschrieben – genauso lange wie er in Lugano vertraglich noch auf der Lohnliste gestanden wäre. Gemäss Meyer war dies nicht der Grund, weshalb sein neuer Coach die gleiche Vertragsdauer bekommen hat. Angesprochen auf den nach der Vorrunde entlassenen Thomas Häberli, der im Februar 2019 verpflichtet und vorerst nur bis Ende Saison bleiben durfte, meinte Meyer: «Mit Thomas Häberli war das eine andere Situation. Er kam mitten in der Rückrunde und hatte nicht wie jetzt Fabio Celestini beim Jobantritt eine Vorbereitung mit dem Team vor sich.»

Diese Präparation sei allerdings recht kurz, stellte Celestini bei seiner Präsentation fest. Tatsächlich verbleiben nur 21 Tage Vorbereitung bis zum Start der Rückrunde. Heute in drei Wochen tritt der FCL auswärts beim viertplatzierten FC Zürich an, eine Woche später folgt das Heimspiel gegen Meister YB – und dann geht’s bereits in ein Direktduell gegen den Abstieg auswärts auf dem Maladière-Kunstrasen in Neuenburg gegen Xamax.

Zwischen dem Ende der Präsentation und dem ersten Training auf dem Fussballplatz lagen nur etwas mehr als zwei Stunden. Um 14.30 Uhr begann die erste Übungseinheit auf dem Kunstrasen im Krienser Kleinfeld. Über 50 Zuschauer fanden sich auf der Tribüne ein. Ungewohnt für die Ohren waren die Anweisungen von Celestini in französischer Sprache. Shkelqim Demhasaj und auch andere Spieler stutzten hin und wieder. Aber Fussball ist eine Universalsprache – und der neue Coach ist ein begnadeter Fussballer, der die Übungen perfekt vorzeigen kann.

Bereits an der Medienkonferenz war die Sprache Thema. Der Italo-Romand Celestini sagte, dass er neben Französisch, Italienisch, Spanisch und Englisch nun auch Deutsch lerne. Er besucht einen Intensivkurs. «Ich freue mich, in Luzern eine fünfte Sprache lernen zu können.» Dabei handelte es sich nicht nur um ein Lippenbekenntnis, nein, Celestini versteht gut Hochdeutsch und sprach doch schon recht ansprechend die hiesige Amtssprache. «Es ist mir eine Ehre für den FC Luzern zu arbeiten» war neben der Begrüssung «Grüezi mitenand» die prägende Aussage. Sonst beantwortete er die Journalistenfragen auf Französisch. Trotz seiner beeindruckenden Vita als Fussballer gab der mit Weltstar Zinédine Zidane befreundete Celestini allen Fragestellern freundlich Auskunft. Er wirkte authentisch und zugänglich. Für die Gespräche mit dem FCL habe er die Ferien in Panama abgebrochen. «Die Verhandlungen waren sehr professionell.»

Meyers «Luzerner DNA» sorgte für falsche Hoffnungen bei Fans

Weil Remo Meyer bei der Freistellung von Celestinis Vorgänger Häberli erwähnte, dass der neue Coach eine «Luzerner DNA» haben müsse, wurden er und Celestini natürlich damit konfrontiert. Für Sportchef Meyer, der kommunikativ einmal mehr nicht überzeugen konnte, handelt es sich dabei offenbar um die Tugenden Laufstärke, Dynamik, Teamgeist und Mut – und nicht um die Herkunft oder frühere Klubzugehörigkeit. Ein grosser Teil der Fans erhoffte sich deshalb eine Rückkehr von René van Eck, den Aufstiegstrainer von 2006. Diese Hoffnungen waren zusätzlich genährt worden, weil der 53-jährige Holländer von Meyer aus Amsterdam eingeflogen und in Zürich am Flughafen abgeholt wurde. Doch van Eck erhielt eine unbegründete Absage. Meyer sagte dazu nur: «Wir haben mit sämtlichen Kandidaten die Konditionen abgesprochen. Die Inhalte der Gespräche bleiben vertraulich. René und ich haben eineinhalb Jahre zusammen Fussball gespielt, ich schätze ihn sehr.»