FCL-Trainer Celestini hat Mühe, das Vorgehen gegen das Corona-Virus zu verstehen

Der FC Luzern wird hart getroffen durch das Corona-Virus: Die Heimspiele gegen Basel und im Cup gegen YB werden verschoben.

Daniel Wyrsch
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Bleibt leer: Die Swisspor-Arena in Luzern.

Bleibt leer: Die Swisspor-Arena in Luzern.

Bild: Dominik Wunderli

FCL-Trainer Fabio Celestini war mit seinen Spielern gestern Freitag am Vormittag gerade mit dem Videostudium beschäftigt. Die Luzerner bereiteten sich auf das Heimspiel von morgen gegen den FC Basel vor. Celestini, die Mannschaft und der Staff wurden von jetzt auf gleich mit der Nachricht konfrontiert, dass die Swiss Football League (SFL) wegen des Corona-Virus alle Spiele vom Wochenende auf ein unbestimmtes Datum verschoben hat. «Wir müssen diesen Entscheid akzeptieren», sagte Celestini mit ernster Miene. Dabei befindet er sich mit dem FCL in einem Lauf: Aus den ersten fünf Partien resultierten 13 Punkte. Die Zwangspause kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Einfach fällt es Celestini sicher nicht, die Anordnung des Bundesrates zu verstehen. «Ich war am Donnerstag mit meiner Familie im Hallenbad neben dem Stadion, mehrere hundert Menschen badeten im selben Wasser. Bahnhöfe, Flughäfen und Shopping-Malls bleiben geöffnet, aber Fussballspiele mit über 1000 Zuschauern dürfen nicht stattfinden. Das ist eine komische Situation, ich verstehe das nicht, aber ich bin nur Trainer des FC Luzern – und ich habe nicht alle Informationen.»

Auch im Cup gegen YB gibt es vorerst kein Geisterspiel

Coach und Profis warten ab, wie es weitergeht. Statt zu spielen, wird Celestini am Wochenende mit dem Team trainieren. Zuerst hofften sie, am Mittwoch den Cup-Viertelfinal zu Hause gegen die Young Boys bestreiten zu können. Gestern Freitagabend informierte der Schweizerische Fussballverband (SFV) als Ausrichter, dass auch die Cup-Viertelfinals vom Mittwoch und Donnerstag verschoben worden sind. Es wären nur Partien ohne Zuschauer möglich gewesen, denn die Anordnung des Bundesrates gilt mindestens bis am 15.März.

Bei Celestini lösen Geisterspiele Vorstellungen aus, die er überhaupt nicht mag. Zweimal musste er in seiner Profikarriere Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren. Je ein Spiel mit Marseille und Getafe. 

«Das waren traurige Anlässe. Zum Fussball gehören Zuschauer, es soll ein Fest für alle sein. Gerade die Heimspiele gegen Basel und YB wären für unsere Fans grossartig gewesen.»

Wahrscheinlich muss sich Celestini jedoch auf eine längere Phase mit Begegnungen ohne Zuschauer einstellen. So schnell wird das Corona-Virus nicht Geschichte sein.

Da Basel und YB die zugkräftigsten Gegner der Liga sind und der FCL gerade Topresultate liefert, kommen die Massnahmen gegen das Corona-Virus für Präsident Philipp Studhalter in einem denkbar ungünstigen Moment. «Wir sind frustriert, tragen aber den Beschluss des Bundesrats mit.» Kurzfristig sei ein Geisterspiel gegen Basel nicht durchführbar gewesen. «Wir sind auch mit den kantonalen Behörden im Austausch. Die machten uns darauf aufmerksam, dass in solchen Fällen das Risiko für Ansammlungen von über 1000 Leuten vor dem Stadion bestehe.» Am Montag trifft sich Studhalter in Bern mit den anderen 19 Präsidenten der Super League und Challenge League. Thema: «Wie geht’s mit der Meisterschaft weiter?»

Dem FCL entgehen wohl hohe Zuschauereinnahmen

«Höhere Gewalt» nannte Studhalter das Virus. 150'000 Franken pro ausgefallenem Match kostet allein der Deckungsbeitrag. Eine Versicherung hat der FCL für solche Fälle nicht. Gegen Basel rechnete der Präsident mit über 11'000 Zuschauern. Das hätten 400'000 Franken Einnahmen gegeben. Im Cup hätte der FCL die Matcheinnahmen mit YB teilen müssen. Bei erwartet 8000 Fans mit günstigeren Billetten wären das 100'000 Franken geworden.

Für Saisonabo-Inhaber und Besitzer bereits gekaufter Tickets «überprüfen wir Entschädigungen», erklärte Studhalter.