FCL-Trainer Fabio Celestini schätzt sein neues Paradies

Für den FC Luzern beginnt nach sechs Wochen Winterpause der Ernst der Meisterschaft heute Samstag (19.00) auswärts gegen den FC Zürich.

Daniel Wyrsch
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Fabio Celestini zeigt der Mannschaft die Richtung vor.

Fabio Celestini zeigt der Mannschaft die Richtung vor.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Marbella, 10. Januar 2020)

Der neue FCL-Trainer Fabio Celestini ist in seinem Fussballerleben schon weit herumgekommen. Er war bei Troyes und Marseille in Frankreich, Levante und Getafe in Spanien. Besonders auf der iberischen Halbinsel erlebte der 44-Jährige bei seinen Gastspielen atemberaubende Arenen. Das Camp Nou in Barcelona, das Mestalla in Valencia oder das Bernabéu in Madrid – nur um die bekanntesten spanischen Stadien zu nennen.

Er habe sich als «petit suisse» gefühlt beim ersten Auftritt mit Levante gegen Real. Der kleine Schweizer, der zu viel Respekt hatte. Eine 0:5-Niederlage setzte es ab gegen die «Galaktischen» in Madrid. Ronaldo «Il Fenomeno» aus Brasilien mit einem Doppelpack, Luis Figo, David Beckham und Michael Owen schossen 2004 Levante mit dem Schweizer Internationalen im Mittelfeld ab. «Wir haben aus dem Debakel die Lehren gezogen», erzählt Celestini.

In Lausanne das «Mädchen für alles» gespielt

In seiner Trainerkarriere hat der Waadtländer mit italienischen Eltern dann aber weit weniger glamouröse Orte gesehen. Im Gegenteil: An der ersten Station beim viertklassigen Verein Terracina in Italien mussten zehn Spieler in einer Wohnung leben, nicht einmal fürs Essen bekamen die Profis genug Geld. Nach fünf Monaten war der Spuk für den 35-fachen Schweizer Internationalen vorbei, der blanke Präsident war abgehauen. Anschliessend arbeitete Celestini drei Jahre für seinen Stammverein Lausanne-Sport. Den grössten Teil davon noch ohne die Unterstützung von Ineos. Celestini musste sich selbst helfen, war nicht nur Trainer, sondern auch Mädchen für alles. Er verpflichtete Spieler, verrichtete Medienarbeit und war gar Platzwart. Er packe lieber an, als zu jammern, stellt Celestini klar.

An seiner letzten Trainerstation beim FC Lugano war es etwas besser. Celestini sass während den 13 Monaten immerhin nicht mehr mutterseelenallein im einfachen Büro im altehrwürdigen Cornaredo, das wie die Lausanner Pontaise für die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz gebaut worden war.

Fleissige Mitarbeiter unterstützen Trainer und Mannschaft

Vor drei Wochen hat Fabio Celestini sein Büro in der Swisspor-Arena bezogen. Was für eine Steigerung muss es für ihn sein, in einem modernen Stadion arbeiten zu können? Er, dessen zweite Frau mit der kleinen Tochter in Panama lebt, wohnt daneben in einem der Allmend-Hochhäuser. «Ich habe eine tolle Aussicht aufs Stadion», sagt er zufrieden lächelnd. «Unglaublich, wie hier beim FC Luzern alles organisiert ist», lobt er seine Mitarbeiter; die Co-Trainer Genesio Colatrella und Claudio Lustenberger, Konditionstrainer Christian Schmidt, Goalietrainer Lorenzo Bucchi, Teammanager Dante Carecci, Medienchef Markus Krienbühl und Sportchef Remo Meyer, der ihn verpflichtet hat.

Celestini muss sich in Luzern vorkommen wie im neuen Paradies. Ein bisschen wie zu seiner Spielerzeit, als er sich im Mittelfeld von Getafe mit seinem Freund und Weltstar von Real Madrid, Zinédine Zidane, Duelle lieferte. Erstmals hat der Trainer Celestini einen Klub, der ihn tatkräftig unterstützt. Was kann er daraus machen?

Beim Einstand mit Luzern zählt zuerst die Mentalität

Der Nachfolger von Thomas Häberli will heute bei seinem Debüt auswärts gegen den FC Zürich (4.) eine mental starke, solidarische Luzerner Equipe (8.) sehen. Mutig sollen die Spieler auftreten, sagt Fabio Celestini. «Ich bin sehr zufrieden, wie das Team die dreiwöchige Vorbereitung absolviert hat.» Er will, dass der FCL von hinten heraus spielt. Dabei verlange er keine Kunststücke, «meine Leute haben genügend technische Fähigkeiten, um dieses recht einfache Spielsystem zu beherrschen».

Luzern wird nicht im 3-4-3 wie zu Celestinis Lausanne-Zeiten angreifen. «Damals spielte ich mit dem schnellen und jungen Team zu viel Risiko», gibt er zu. «Ich adaptiere das System auf die Spieler, die ich habe.»

Celestini hat noch nie gegen FCZ-Coach Ludovic Magnin verloren. Dabei soll es bleiben.