1:2 nach Verlängerung: Der FCL scheitert im Cup-Viertelfinal dramatisch an Meister YB

Der FC Luzern spielte stark, führte 1:0, war Meister YB lange ebenbürtig. Dennoch ist der Traum vom Cupsieg geplatzt. Der FCL verliert 1:2 nach Verlängerung.

Jonas von Flüe
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Matchbericht

Der Traum vom ersten Cupsieg seit 1992 ist geplatzt. Der FC Luzern verliert den Cup-Viertelfinal gegen die Berner Young Boys 1:2 nach Verlängerung. Während die Berner am Sonntag im Halbfinal auf Sion treffen, geht für die FCL-Spieler eine verrückte Saison zu Ende: Ein Trainerwechsel, ein Machtkampf im Verwaltungsrat, der lange Coronaunterbruch, viele Spiele innert wenigen Tagen, etliche Verletzungen und ein stetes Auf und Ab der Leistungen prägten das vergangene Jahr.

Gegen YB jedoch zeigte sich der FCL noch einmal von seiner besten Seite. Trotz neun verletzten Spielern waren die Luzerner dem Meister lange ebenbürtig und hätten einen Sieg durchaus verdient gehabt. Sie erarbeiteten sich immer wieder gute Chancen, lieferten sich spannende Duelle – wie etwa Ryder Matos mit Saidy Janko – und liessen die starke YB-Offensive immer wieder auflaufen. Liga-Topskorer Jean-Pierre Nsame war über weite Strecken unsichtbar, wurde von Marvin Schulz beinahe abgemeldet.

Erst in der Verlängerung sah man, welche Mannschaft auch in der Breite mehr Qualität besitzt. Während die Berner sechs Mal wechselten, erfahrene und qualitativ hochstehende Spieler wie Ulisses Garcia, Marvin Spielmann oder Vincent Sierro brachten, kamen bei Luzern mit David Mistrafovic und Lino Lang junge oder mit Blessing Eleke formschwache Spieler in die Partie.

Die Entscheidung fiel in der 116. Minute, als das Penaltyschiessen immer näher rückte. Der eingewechselte Gianluca Gaudino nahm den Ball ausserhalb des Strafraums Volley und traf ihn perfekt. Der Schuss landete wunderbar in der weiten Ecke. Der zuvor mehrmals mirakulös agierende Marius Müller im FCL-Tor war chancenlos. Luzern kam noch zu einer Grosschance durch Lino Lang und Blessing Eleke. Doch beide kamen nicht an David von Ballmoos vorbei.

YB-Jubel nach dem 2:1.

YB-Jubel nach dem 2:1.

Bild: Martin Meienberger / Freshfocus

Guter Start in die Partie

Der FC Luzern startete gut ins Spiel und kam in der ersten halben Stunde zu guten Torchancen durch Matos, Schürpf und Margiotta. Zwei Mal rettete YB-Goalie Von Ballmoos stark, einmal köpfte Schürpf neben das Tor. Der Meister konnte sich oft nur mit Fouls retten. Saidy Janko und Michel Aebischer wurden früh verwarnt, Janko schrammte in der Folge mehrmals knapp einer zweiten Gelben Karte vorbei. Es war dann eine Einzelaktion von Francesco Margiotta, die den FCL in Führung brachte. Aus rund 25 Metern traf er herrlich ins linke, obere Ecke. Von Ballmoos war chancenlos. Der FCL führte also nach 33 Minuten verdient, war danach aber unachtsam. Nur zwei Minuten später glich Liga-Topskorer Jean-Pierre Nsame nach einem Corner aus. Er stieg im Strafraum als Einziger in die Höhe und traf mit dem Kopf zum 1:1. Die FCL-Verteidigung machte dabei gar keine gute Figur. YB wurde in der Folge stärker, doch Luzern konnte das 1:1 in die Pause retten.

Weil dann Gaudino aber den entscheidenden Treffer schoss, blieb am Schluss der Frust über die vergebenen Chancen. Die Spieler haben nun rund zehn Tage Ferien, bevor die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt. Geplanter Saisonstart ist am 11. September.

Die Tore

  • 33. Minute: 1:0 Margiotta. Der Italiener stört im Mittelfeld entscheidend und geht in die Offensive. Via Ryder Matos gelangt der Ball wieder zu Margiotta. Dieser drückt aus rund 25 Metern ab und trifft herrlich ins linke, obere Eck. Von Ballmoos im YB-Tor ist chancenlos.
  • 35. Minute: 1:1 Nsame. Das ging schnell. YB erhält einen Corner, den Sulejmani in die Mitte bringt. Liga-Topskorer Nsame steigt als Einziger in die Höhe und trifft mit dem Kopf zum 1:1. Sämtliche FCL-Spieler um ihn herum, allen voran Simon Grether, schauen nur zu.
  • 116. Minute: 1:2 Gaudino. Da ist Marius Müller für einmal machtlos. Der eingewechselte Gianluca Gaudino nimmt den Ball ausserhalb des Strafraums Volley und trifft ihn perfekt. Der Schuss landet wunderbar in der weiten Ecke.

Die weiteren Torchancen

  • 4. Minute: Chance Matos. Nach einer Kopfballvorlage von Pascal Schürpf scheitert Ryder Matos aus wenigen Metern an YB-Goalie Von Ballmoos. Das hätte die frühe Führung für den FC Luzern sein müssen.
  • 12. Minute: Chance Schürpf. Nach einem von Francesco Margiotta getretenen Freistoss kommt Pascal Schürpf mit dem Kopf an den Ball. Doch sein Abschluss landet neben dem Tor.
  • 19. Minute: Chance Janko. Marco Bürki lenkt einen Schuss von Saidy Janko knapp neben das Tor.
  • 20. Minute. Chance Ngamaleu. Stefan Knezevic unterläuft eine Flanke von Miralem Sulejmani. Nicolas Ngamaleu kommt an den Ball, umkurvt FCL-Goalie Müller und schiebt zum vermeintlichen YB-Führungstor ein. Doch Ngamaleu stand knapp im Abseits. Glück für den FCL!
  • 29. Minute: Chance Margiotta. Was für eine schöne Aktion von Francesco Margiotta: Nach einem Corner vernascht er Aebischer und schiesst in die hohe, weite Ecke. Doch Von Ballmoos hält stark.
  • 46. Minute: Chance Aebischer. Ngamaleu läuft über rechts auf die Grundlinie, legt in die Mitte auf Aebischer, der aus rund 20 Metern aber über das Tor schiesst.
  • 52. Minute: Chance Knezevic. Eine schöne Freistossvariante hätte fast zum 2:1 geführt: Margiotta legt rüber zu Kakabadze, der den Ball hoch in den Strafraum bringt. Auf dem zweiten Pfosten steht Verteidiger Knezevic, der aus kurzer Distanz an YB-Goalie von Ballmoos scheitert. 
  • 57. Minute: Chance Ngamaleu. Fast wäre YB eine Kopie des ersten Treffers gelungen. Corner-Flanke auf den Kopf von Nsame, der den Ball aber nicht richtig trifft. Auf der Linie rettet FCL-Goalie Müller mirakulös vor YB-Angreifer Ngamaleu. 
  • 90. Minute: Chance Nsame. Saidy Janko tankt sich über rechts durch, flankt auf Nsame, doch dessen Kopfball geht über das Tor. Das wäre die späte Entscheidung zugunsten von YB gewesen.
  • 100. Minute: Chance Margiotta. Der eingewechselte Lino Lang passt im Strafraum zu Francesco Margiotta, der von links aus spitzem Winkel abzieht. Doch sein flacher Schuss geht am Tor vorbei.
  • 105. Minute: Chance Gaudino. Der eingewechselte Gianluca Gaudino bringt sich im Strafraum in Abschlussposition, doch FCL-Goalie Müller pariert seinen Schuss.
  • 112. Minute: Chance Aebischer. Was für eine Glanzparade von Marius Müller! Wohl alle im Stadion sahen den Schuss von Michel Aebischer bereits im Tor, doch Müller beweist einmal mehr seine Klasse und pariert den Flachschuss.
  • 120. Minute: Chance Lang. Stark, wie sich Lino Lang über rechts eine Chance kreiert. Von Ballmoos lässt den Schuss abklatschen, doch Eleke kann die Chance ebenfalls nicht verwerten.

Stimmen

YB-Goalie David von Ballmoos wusste, wer an diesem Abend der beste Mann auf dem Platz war. Nach dem dramatisch gewonnenen Spiel lief er über das ganze Feld, um sein Gegenüber im FCL-Tor aufzuheitern. Marius Müller hielt fast alles, was auf sein Tor kam. Bei den beiden Gegentreffern war er machtlos. Enttäuscht sass er nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen und liess sich von Von Ballmoos zur Leistung gratulieren. Ein paar Minuten später war seine Stimmung schon wieder besser: «Immerhin haben wir jetzt ein paar Tage Ferien», antwortete er auf die Frage nach den positiven Aspekten dieser Niederlage. Seine Spielanalyse: «Wir haben eine starke erste Hälfte gezeigt. Gegen Ende des Spiels konzentrierten wir uns dann aufs Verteidigen. Und dann bekommst du so ein Gegentor. Das ist bitter. Aber der Schuss war wirklich Klasse.»

YB-Goalie David von Ballmoos muntert Marius Müller auf.

YB-Goalie David von Ballmoos muntert Marius Müller auf.

Bild: Claudio De Capitani / Fresfocus

Auch Idriz Voca konnte nach dem Spiel wieder lachen: «Ich schaue heute Abend noch spontan, wohin ich jetzt in die Ferien gehe, was machbar ist.» Trotz der Enttäuschung ist da auch eine Erleichterung, dass die kräftezehrende Saison zu Ende ist. «Es zwickt überall.» Voca analysierte die Partie ähnlich wie Müller, betonte, dass die Young Boys über ein viel breiteres Kader verfügen. «Die Grösse des Kaders kam ihnen gegen Ende der Saison entgegen. Sie sind nicht umsonst drei Mal in Folge Meister geworden.» YB wechselte sechs Mal, Luzern nur drei Mal. «Der Trainer entscheidet, wen er ein- und auswechselt. Er musste abwägen, ob junge Spieler in der Schlussphase noch Akzente setzen können», sagte er zu Celestins Wechseltaktik. Am Ende habe sich der FCL ins Penaltyschiessen retten wollen, «dort wäre alles drin gewesen».

Lino Lang und Idriz Voca sind enttäuscht.

Lino Lang und Idriz Voca sind enttäuscht.

Bild: Martin Meienberger / Freshfocus

Pascal Schürpf betonte nach dem Spiel all die Blessuren seiner Mitspieler: «Wenn ich mich auf dem Platz umgeschaut habe, sah ich Idriz Voca, der kaum mehr laufen konnte, Ryder Matos und Stefan Knezevic, die ausgewechselt werden mussten. Wir waren alle am Limit und haben unser Bestes geben und es YB nicht einfach gemacht. Dann trifft Gianluco Gaudino den Ball perfekt und hämmert ihn volley ins Tor. Wir hätten es verdient, ins Penaltyschiessen zu kommen. Wenn man gegen YB zu so vielen Torchancen kommt, muss man sie einfach nutzen. Sonst verliert man halt. Am Schluss fehlten die Kraft und die letzte Konzentration. Dann sind wir auch mal einen Schritt zu spät gekommen, was YB perfekt ausgenützt hat.»

Ein enttäuschter Pascal Schürpf mit Trainer Fabio Celestini.

Ein enttäuschter Pascal Schürpf mit Trainer Fabio Celestini.

Bild: Martin Meienberger / Freshfocus

Noten

Marius Müller, Torhüter, Note: 5,5Starke Fussabwehr auf Camaras Kopfball (56.) Dazu ein Big Save gegen Aebischers Schuss (112.).
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Silvan Sidler, Rechter Verteidiger: Note 4 Er leitet die erste Chances des Spiels ein; den Abschluss von Matos (4.). Steigt bei Nsames Kopfball zum 1:1 aber nicht hoch.
Marvin Schulz, Innenverteidiger: Note 5Ein sicherer Wert in der Abwehr, hat meist ein gutes Timing und kann klären – auch gegen Nsame.
Stefan Knezevic, Innenverteidiger: Note 5 Schleicht sich vors Tor und hat einen gefährlichen Abschluss (52.). Scheidet in der 82. Minute mit einer Knieverletzung aus.
Marco Bürki, Linker Verteidiger: Note 4Lenkt einen Schuss von Janko (19.) ab. Sonst fällt er kaum auf, wechselt nach dem Aus von Knezevic in die zentrale Abwehr.
Otar Kakabadse, Rechtes Mittelfeld: Note 4 Offensiv hat er seine positiven Szenen, kann sich aber zu selten richtig durchsetzen oder flanken.
Simon Grether, Zentrales Mittelfeld: Note 4 Leistet einen enormen kämpferischen und läuferischen Aufwand, auch offensiv wagt er viel.
Idriz Voca, Zentrales Mittelfeld: Note 5 Ein cleverer Organisator im Zentrum. Der Chef zwischen Abwehr und Angriff.
Ryder Matos, Linkes Mittelfeld: Note 5Assist zum 1:0 und Topchance (4.). Sein Gegenspieler Janko erlebt schweren Match, der Berner hätte früh Gelb-Rot verdient.
Francesco Margiotta, Rechter Stürmer: Note 5Fällt mit guten Pässen und Schüssen auf, mit seinem besten trifft er zum 1:0 (33.).
Pascal Schürpf, Linker Stürmer, Note 5,5Ein Riesenauftritt der Nummer 11: Er ist fast immer anspielbar, gibt öffnende und letzte Pässe, dazu sind seine Schüsse gefährlich.
Blessing Eleke, Stürmer: Note 3Kommt für Kakabadse und spielt vorne für Schürpf. Aber dem Nigerianer gelingt fast nichts.
David Mistrafovic, Linker Verteidiger: Note 4,5Als Einwechselspieler reiht er sich nahtlos ein. Solide Leistung.
Lino Lang, Ofensivspieler: Note 5Bringt sich wieder mutig ein, ermöglicht Eleke fast das 2:2 (120.).

Marius Müller, Torhüter, Note: 5,5
Starke Fussabwehr auf Camaras Kopfball (56.) Dazu ein Big Save gegen Aebischers Schuss (112.).

Telegramm

Luzern - Young Boys 1:2 (1:1, 1:1) n.V.
1000 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 33. Margiotta (Matos) 1:0. 34. Nsame (Sulejmani) 1:1. 116. Gaudino (Nsame) 1:2.
Luzern: Müller; Sidler, Schulz, Knezevic (82. Mistrafovic), Bürki; Kakabadse (76. Eleke), Grether, Voca, Matos (89. Lang); Margiotta, Schürpf.
Young Boys: Von Ballmoos; Janko (91. Garcia), Camara, Lustenberger (46. Zesiger), Lefort; Fassnacht (87. Gaudino), Martins (66. Sierro), Aebischer, Sulejmani (66. Spielmann); Moumi Ngamaleu (82. Mambimbi), Nsame.
Bemerkungen: Luzern ohne Lucas, Ndenge, Ndiaye, Schwegler, Males, Emini, Burch, Binous und Marleku (alle verletzt). Young Boys ohne Elia, Hoarau, Lauper und Petignat (alle verletzt). Verwarnungen: 9. Janko (Foul). 12. Aebischer (Foul).

Bilder

Die Saison ist zu Ende, die FCL-Spieler verabschieden sich von den Fans(Martin Meienberger/freshfocus)
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FCL-Trainer Fabio Celestini (rechts) tröstet einen enttäuschten Pascal Schürpf.
YB-Torhüter David von Ballmoos tröstet einen enttäuschten FCL-Torhüter Marius Müller nach dem Spiel.
Lino Lang (links) und Idriz Voca hadern nach dem Spiel.
FCL-Spieler Stefan Knezevic am Boden, zusammen mit Torhüter Marius Müller.
«Handshake» nach dem Spiel zwischen FCL-Trainer Fabio Celestini (links) und YB-Trainer Gerardo Seoane.
FCL-Torhüter Marius Müller rettet spektakulär gegen YBs Mohamed Ali.
Luzerns Francesco Margiotta trifft in der 33. Minute sehenswert zum 1:0.
Hammer-Tor! Francesco Margiotta bekommt in halblinker Position die Kugel und knallt sie aus 25 Metern links oben in den Winkel.
Ryder Matos gratuliert Francesco Margiotta (rechts) zu seinem Treffer.
Luzerns Otar Kakabadze (rechts) gegen YBs Jordan Lefort.
Otar Kakabadze (links) scheitert an David von Ballmoos.
Luzerns Marco Bürki (Mitte) versucht YBs Nicolas Moumi Ngamaleu am Schuss zu hindern.
Luzerns Marvin Schulz (hinten) im Duell mit YBs Nicolas Moumi Ngamaleu.
YBs Jean-Pierre Nsame (links im Duell mit Luzerns Silvan Sidler.
Luzerns Silvan Sidler (Mitte) versucht YBs Jean-Pierre Nsame zu stoppen.
Laufduell zwischen Luzerns Silvan Sidler (links) und YBs Christian Fassnacht.
FCL-Trainer Fabio Celestini.

Die Saison ist zu Ende, die FCL-Spieler verabschieden sich von den Fans
(Martin Meienberger/freshfocus)

Bild: Martin Meienberger / Freshfocus (Luzern, 6. August 2020)

Der Liveticker zum Nachlesen

Die anderen Resultate

  • Lausanne-Sport - Basel 2:3 n.V.
  • Winterthur - Bavois 4:0.
  • Rapperswil-Jona - Sion 1:2.

Halbfinals

  • Sonntag, 9. August, 16 Uhr: Young Boys - Sion.
  • Dienstag, 25. August: Basel - Winterthur.

Final

  • Sonntag, 30. August, in Bern.

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