2:1 gegen GC: Pascal Schürpf schiesst den FCL zum Last-Second-Sieg

Ein nie aufgebender FC Luzern beweist im Heimspiel gegen GC vor 10 000 Zuschauern Charakter. Das Team von Coach René Weiler belohnt sich in der Schlussphase mit den Toren zum 2:1-Sieg.

Daniel Wyrsch
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Nedim Bejrami, links, von GC im Spiel gegen Pascal Schürpf, rechts, von Luzern. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 2. September 2018)

Nedim Bejrami, links, von GC im Spiel gegen Pascal Schürpf, rechts, von Luzern. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 2. September 2018)

Pascal Schürpf bodigte die Zürcher Grasshoppers. Das trifft für diesen lange Zeit offen gewesenen Match durchaus zu. Im Gedächtnis der meisten Zuschauer haften bleibt die letzte Szene des Spiels in der 94. Minute. Schürpf schoss den Ball aus spitzen Winkel mit dem linken Fuss an GC-Torhüter Heinz Lindner vorbei unter den Netzhimmel – und den FC Luzern und seine Fans in den siebten Himmel! In letzter Sekunde ein glücklicher 2:1-Sieg für die hartnäckig kämpfenden und mutig nach vorne spielenden Innerschweizer im eigenen Stadion. Während Schürpf und dessen Mitspieler gemeinsam mit den Anhängern im Block direkt hinter dem Tor feierten, lagen Lindner und alle anderen «Hoppers» geschlagen auf dem immer mehr ramponierten Rasen der Swisspor-Arena. Schiedsrichter Adrien Jaccottet pfiff die Partie dann ab.

Schürpf mit dem 100-prozentigen Glauben an seine Chance

Pascal Schürpf erklärte später den Journalisten, wie er sein spätes Siegtor erlebt hatte. Einmal mehr zeigte sich, welch hervorragendes Näschen Luzerns Topskorer des Jahres 2018 mit nunmehr 14 Toren und 3 Assists in 17 Ligaspielen besitzt. Schürpf: «Es tönt jetzt vielleicht etwas komisch, aber ich spekulierte, dass mein Mitspieler Blessing Eleke sich den Ball etwas zu weit vorlegen würde. Als dies tatsächlich passierte, nutzte ich meine Chance.» Typisch für den 29-jährigen Basler ist, dass er nicht nur auf seine Gelegenheit gelauert hatte, sondern auch «mit hundertprozentiger Überzeugung daran glaubte, dass meine Möglichkeit noch kommt», wie Schürpf betonte. Und: «Du musst als Stürmer immer daran glauben, sonst ist ein solcher Treffer gar nicht möglich.»

Das Tor zeigt, wie verrückt Fussball sein kann. Schürpf hatte bis zu seinem Exploit am Schluss kein gutes Spiel abgeliefert. Ihm gelang weit weniger als sonst. Doch mit einem Schlag war wieder er der Held. Erst am Samstag hatte er seinen Ende Saison auslaufenden Vertrag beim FCL vorzeitig um ein Jahr bis Sommer 2020 verlängert. «Ich bin sehr froh, in diesem Klub mit diesen tollen Fans spielen zu dürfen.» Er und Luzern – das passt, bisher ist es wie eine Liebesbeziehung. Die noch grössere Liebe pflegt er mit seiner Herzensdame Jennifer Bosshard (25). Seine Verlobte ist Moderatorin der SRF-Promisendung «Glanz & Gloria». Schürpf erklärt: «Jenny hat den Job in Zürich, ich spiele in Luzern, zusammen wohnen wir in Zug. Das passt perfekt.» Der Linksaussen ist glücklich und zufrieden, da fiel es ihm leicht, das bessere Angebot von Challenge-League-Leader Lausanne abzulehnen.

Der Siegesjubel von Blessing Eleke. (Bild: Roger Grütter, 2. September 2018)
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Blessing Eleke am Ball. (Bild: Roger Grütter)
Jean-Pierre Ryhner, mitte rechts, von GC im Spiel gegen Lucas Alves, mitte links. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler)
Pascal Schürpf, links, schiesst das 2:1 auf Pass von Blessing Eleke, rechts, von Luzern gegen Torhüter Heinz Lindner. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler)
Marco Djuricin, rechts, von GC im Spiel gegen Oliver Custodio, links, von Luzern. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler)
Raphael Holzhauser, links, von GC schiesst das 0:1 gegen Torhüter Mirko Salvi, rechts, und Christian Schwegler, mitte, von Luzern. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler)
Die Luzerner Feiern das Tor zum 2:1 neben Torhüter Heinz Lindner. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler)
Der Siegesjubel des FCL. (Bild: Roger Grütter)
Der Siegesjubel des FCL. (Bild: Roger Grütter)

Der Siegesjubel von Blessing Eleke. (Bild: Roger Grütter, 2. September 2018)

Luzern springt erstmals in die obere Tabellenhäfte auf Platz 4

Anteil am dritten Sieg im sechsten Saisonspiel hatten neben Schürpf noch andere. Allen voran Mirko Salvi. Der 25-jährige Goalie machte ausgerechnet gegen seinen Besitzerverein GC das bisher beste Spiel, seit er im Sommer leihweise zum FCL gekommen ist. Kurz vor der Pause verhinderte er mit einem grossartigen Reflex gegen Aimery Pinga das 2:0 der Grasshoppers. Die Luzerner mussten bereits ab der 4. Minute einem 0:1-Rückstand hinterherrennen. Raphael Holzhauser nutzte einen Abwehrfehler aus. Eleke läutete mit dem 1:1 in der 84. Minute den Luzerner Ansturm der Schlussphase ein. Der nie aufgebende FCL bewies Charakter – und sprang in der Tabelle von Platz 7 auf 4. Dieser Vollerfolg gibt Mumm. Speziellen Auftrieb spürt Keeper Salvi durch die eigene Leistung. Und Schürpf freute sich erneut über die Gesänge der Fans, die noch lange «Pasci, Pasci Schürpf» sangen.

Reaktionen: Weiler schätzt Schürpfs Siegeswillen

René Weiler (44) ist nach Siegen oder Niederlagen praktisch immer gleich gestimmt. Mindestens äusserlich ist kein Unterschied festzustellen. Wie schon nach dem 1:0-Erfolg vor einer Woche in St. Gallen zeigte er am Sonntag unmittelbar nach dem in letzter Sekunde errungenen 2:1-Sieg gegen GC keine Emotionen. Das war nach den Niederlagen gegen Xamax, Thun, YB und zweimal in der Europa-League-Qualifikation gegen Olympiakos Piräus nicht anders. Weiler ist vor der 14-tägigen Länderspielpause sicher froh, dass sein Team inzwischen neun Punkte auf dem Konto hat. Doch sein Ziel ist ein mittel- und längerfristiges. «Ich will die Mannschaft weiterbringen und Spieler verbessern.»

Mit dem untröstlich enttäuschten GC-Coach Thorsten Fink litt Weiler gar ein wenig mit. Zuerst bestätigte er Finks deutliche Kritik am schlechten FCL-Rasen, dann sagte er über das spektakuläre Siegtor: «Ich bin froh, dass einer von uns in letzter Sekunde getroffen hat.» Zu Pascal Schürpf, dem Schützen des goldenen Tores, meinte Weiler: «Dass er einen unbändigen Siegeswillen hat, das hat man gesehen. Das ist Überzeugung pur, die er in diesen Torschuss gelegt hat.» Er sei froh, dass Schürpf den Vertrag beim FCL verlängert hat. (dw)

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