Abascal hätte teuer aus dem Vertrag gekauft werden müssen – jetzt greift Celestini nach dem FCL-Trainerjob

Weil Guillermo Abascal bei Ascoli noch einen Vertrag bis Sommer 2022 hat, ist plötzlich Fabio Celestini in die Pole-Position für die freie Trainerstelle beim FC Luzern aufgestiegen.

Daniel Wyrsch
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Coach Fabio Celestini am 22. Mai 2019 in Neuenburg im Einsatz für den damaligen Arbeitgeber FC Lugano.

Coach Fabio Celestini am 22. Mai 2019 in Neuenburg im Einsatz für den damaligen Arbeitgeber FC Lugano. 

Urs Lindt/Freshfocus

Seit sich der FC Luzern vor zwei Wochen von Thomas Häberli getrennt hat, jagen sich die Spekulationen um Namen für die freie Trainerstelle. Klarheit herrscht nur im Fall des bei einem grossen Teil der Fans beliebten Aufstiegstrainers von 2006: René van Eck (53) hat am 24. Dezember eine Absage von FCL-Sportchef Remo Meyer erhalten. 

Von offizieller Seite ist noch immer unbestätigt, dass Kriens-Coach Bruno Berner aus dem Rennen ist. Es heisst, der 42-jährige Zürcher bleibe auch in der Rückrunde SRF-Fussball-Experte. Als Trainer eines Super-League-Klubs könnte Berner diesen Nebenjob selbstverständlich nicht mehr ausüben. Würde bedeuten: Berner bleibt beim SCK. Kriens-Präsident Werner Baumgartner äussert sich dazu nicht, weist auf den FCL, der momentan die Kommunikation im Fall Berner habe.

Hauptfavorit auf die Nachfolge des freigestellten Thomas Häberli ist der ehemalige Lugano-Trainer Guillermo Abascal gewesen. Der 30-jährige Spanier ist in Ascoli Nachwuchschef und U19-Trainer (11 Siege in 14 Partien). Beim Serie-B-Klub hat er einen Dreijahresvertrag bis 2022. Offenbar müsste der FCL zu tief in die Kasse greifen, um den talentierten Coach aus dem Kontrakt zu kaufen. 

Celestini mit Lausanne 2016 Aufsteiger – und 2018 Absteiger

Sportchef Remo Meyer und Chefscout Pasquale de Simone haben aber nicht nur drei Trainer auf der Shortlist, sondern deren vier. Der vierte Übungsleiter heisst Fabio Celestini. Erst am 27. Oktober ist der 44-Jährige noch in der Super League aktiv gewesen an der Seitenlinie für Lugano bei der 1:3-Heimniederlage gegen St. Gallen. Einen Tag später wurde der Italo-Schweizer freigestellt bei den Südschweizern, mit denen er sich in der Vorsaison noch als Dritter für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert hatte.

Bereits bei Lausanne-Sport musste der frühere Schweizer Nationalspieler am 20. April 2018 gehen, nachdem die Waadtländer unaufhaltsam in Richtung Challenge League unterwegs waren. Celestini stieg mit Lausanne 2016 auf, aber zwei Jahre später auch ab, obwohl er rein faktisch kurz zuvor entlassen worden war. 

Beobachter beim Luzerner Gastspiel gegen den FCZ

Thomas Häberli war bekanntlich von Sportchef Meyer nach drei aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Xamax, Lugano und Servette in einem Interview angezählt worden. Einen Match und die Länderspielpause später beobachtete Fabio Celestini den FCL am 23. November im Auswärtsspiel im Letzigrund gegen den FC Zürich. Die Partie verlor Luzern 0:3.  

Nun steht Celestini in finalen Gesprächen mit Luzern. Wie zuvor Abascal. Sprachlich sind beide ähnlich. Sie sprechen Italienisch und Spanisch. Celestini auch noch Französisch. Abascal auch noch Portugiesisch und Englisch. Aber beide sprechen kaum Deutsch. Dem Vernehmen nach müsste Celestini mit deutschsprachigen Assistenten zusammenarbeiten, er darf keinen eigenen Co-Trainer mitnehmen. Celestini möchte aber einen eigenen Assistenten mitnehmen. 

Auch bei Celestini geht es zudem ums Geld. Bei Lugano, wo er im Oktober 2018 für Abascal übernommen hatte, steht er noch bis Ende Juni 2021 auf der Lohnliste.

Celestini mit tieferem Punkteschnitt als Abascal und Häberli

Übrigens hat Celestini in der Super League in 105 Spielen einen Schnitt von 1,07 Punkten pro Partie. Abascal in 17 Partien 1,24. Zum Vergleich: Häberli kam mit dem FCL in 33 Spielen der höchsten Liga auf 1,18 Punkte pro Match. Achtung: Für das achtplatzierte Luzern geht es in der Rückrunde um den Klassenerhalt.

Der Trainingsstart des FCL ist am kommenden Freitag, um 14 Uhr beginnt die Rückrundenvorbereitung auf dem Kunstrasen des Krienser Kleinfelds. Wenn alles klappt, kann Meyer den neuen Trainer gleichentags am Vormittag den Medien präsentieren. Doch wer weiss schon, ob die Verhandlungen mit Celestini wirklich zum Ziel führen. Ohne Cheftrainer müsste notfalls wohl Assistenztrainer Manuel Klökler das erste Training leiten.

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