ABSCHIED: Schönberger: «Cheerleader bringen nichts»

Nach 16 Jahren beim FCL wechselt CEO Thomas Schönberger zum FC Zürich. Im Interview blickt er auf eine sportlich wie finanziell turbulente Zeit zurück.

Luca Wolf
Drucken
Teilen
Grosser Augenblick letzten Sonntag in der Swissporarena: FCL-Präsident Mike Hauser (rechts) überreicht Geschäftsführer Thomas Schönberger zum Abschied ein Geschenk. (Bild Philipp Schmidli)

Grosser Augenblick letzten Sonntag in der Swissporarena: FCL-Präsident Mike Hauser (rechts) überreicht Geschäftsführer Thomas Schönberger zum Abschied ein Geschenk. (Bild Philipp Schmidli)

Mit einer ordentlichen Feier wurde gestern Abend FCL-Geschäftsführer Thomas Schönberger (53) von seinem Verein verabschiedet. Schönberger war während 16 Jahren massgeblich an der Schuldensanierung und dem Bau des neuen Stadions beteiligt. Investor Bernhard Alpstaeg lobt den Betriebswirtschafter: «Er wusste alles. Der nachhaltige Erfolg des FCL ist besonders auch ihm zu verdanken.» Auch Ex-FCL-Präsident Walter Stierli sagt: «Thomas war unter anderem beim Bau des Stadions unersetzlich.» Mit der angekündigten Umstrukturierung durch die FCL-Holding aber war die Zeit für Schönberger abgelaufen. Denn künftig wird Ruedi Stäger gleichzeitig als Präsident und CEO amten. Deshalb wechselt Schönberger auf Anfang 2014 als CEO zum FCZ.

Thomas Schönberger, letzten Sonntag wurden Sie in der Swissporarena vor 10 000 Zuschauern verabschiedet. Wie wars?

Thomas Schönberger*: Das war schon ein spezieller Moment. Ich habe doch viel Herzblut in dieses Stadion gesteckt. Nun ein letztes Mal auf diesem Rasen zu stehen und Adieu zu sagen, war bewegend.

Sie scheinen Stadionprojekte und Finanzprobleme zu lieben: Nachdem Sie beim FCL beides auf die Reihe gekriegt haben, gehen Sie zum FCZ. Dort wurde das Budget zuletzt massiv von 20 auf 16 Millionen gekürzt, und ein neues Stadion haben die Stimmberechtigten soeben abgelehnt.

Schönberger: Ich starte erst 2014 beim FCZ. Ich kenne sein Budget noch nicht ...

... wirklich?

Schönberger: Nein, ich hatte ein Bewerbungsgespräch und weiss, dass Sparrunden stattgefunden haben. Auch beim Stadion bin ich noch nicht im Bild. Ich treffe mich nächste Woche mit FCZ-Präsident Ancillo Canepa zu einem Gespräch.

Sie wissen aber alles über den FCL. Am Samstag spielt er gegen Ihren neuen Arbeitgeber. Wem drücken Sie die Daumen, und wie viel von Ihrem Insiderwissen haben Sie schon an den FCZ transferiert?

Schönberger: (schmunzelt) Ich komme ja nicht von der sportlichen Seite her. Wenn ich dem FCZ-Trainer etwa bezüglich Aufstellung Tipps geben würde, wäre das eher zum Vorteil des FCL. Ich werde das Spiel auch nicht live verfolgen. Und Daumen drücke ich beiden Teams ...

Das Stadion kommt optisch prima daher. Aber kann der FCL damit auch wirtschaftlich glänzen?

Schönberger: Die Basis ist vorhanden. Wir haben dieses Jahr so viel Werbung verkauft wie noch nie zuvor. Jedoch gingen die Gästezahlen in der Business-Lounge etwas zurück. Zudem sind die Zuschauerzahlen etwas unter den Erwartungen. Wir überlegen uns ständig, wie wir das Stadion noch besser füllen können.

Wie?

Schönberger: Da entscheidet sich vieles auf dem Rasen. Die Leute wollen ein Spektakel erleben.

Mit Go-go-Girls, wie es Bernhard Alpstaeg vorschwebt?

Schönberger: (lächelt) Nein, sondern mit 22 Männern, die dem Ball nachrennen. Der FCL hatte mal Cheerleaders, aber das brachte sicher nicht mehr Zuschauer ein. Als einziger Club in der obersten Liga setzt St. Gallen auf Cheerleaders. Ob mit Erfolg, weiss ich nicht. Aber ich bin überzeugt, dass die Leute wieder vermehrt kommen, wenn sie einen super Match voller Einsatz und mit toller Stimmung erleben. Für die Stimmung sorgen bei uns ja die fantastischen Fans in der Kurve.

In Zürich hat das Stimmvolk am 26. September den Bau eines neuen Fussballstadions für GC und FCZ abgelehnt. Was lief aus Ihrer Sicht falsch?

Schönberger: Ich kann das nur aus der Entfernung beurteilen. Kritisch war sicher die 8-Millionen-Betriebsdefizitgarantie, welche die Stadt hätte leisten müssen. Das war möglicherweise der Killer. Ob wir die Abstimmung unter ähnlichen Voraussetzungen in Luzern gewonnen hätten, wage ich zu bezweifeln. Hier steuerte die Stadt ja einmalig 15 Millionen Franken plus die 31 Millionen aus dem Baurechtsvertrag bei. An die Betriebskosten bezahlt die Stadt nichts.

Sie gehörten zu den Dienstältesten beim FCL. Das Budget hat sich unter Ihrer Ära von 4 auf 25 Millionen vervielfacht. Weitere Veränderungen?

Schönberger: Alles ist grösser und hektischer geworden. Als ich anfing, arbeiteten etwa vier bis fünf Leute auf der Geschäftsstelle, heute sind es über 20.

Und was ging bezüglich Sicherheit?

Schönberger: Als ich hier anfing, musste der FCL nichts für die Sicherheit zahlen. Heute sind es rund 2 Millionen. Zudem arbeiteten an den Spielen viele Freiwillige mit, eine Wurst und ein Bier genügten ihnen. Jetzt werden alle entlöhnt. Bezüglich Gewalt habe ich nicht den Eindruck, dass diese zugenommen hat. Gerade in letzter Zeit ist sie eher zurückgegangen. Im Stadion selber fühlen sich gemäss einer Studie ja 99 Prozent sicher. Das Pyro-Problem hat bei uns im Stadion zudem glücklicherweise noch nie zu Verletzungen geführt. In den Griff bekommen könnte man das nur, wenn man alle Besucher komplett bis auf den Intimbereich untersuchen würde. Doch dann kämen vermutlich fast keine Zuschauer mehr.

Sie sagen, die Gewalt gehe eher zurück. Die Kosten für die Sicherheit aber sind gestiegen. Ein Heimspiel, an das Gästefans mit Extrazug anreisen, kostet rund 220 000 Franken.

Schönberger: Das hat auch mit der grossen Distanz zwischen Bahnhof und Stadion zu tun. Wenn die Gästefans direkt zum Stadion transportiert werden könnten, wie in Bern, Basel oder St. Gallen, würden diese Kosten geringer ausfallen.

Zum Schluss noch dies: Bernhard Alpstaeg lobt Sie und bedauert Ihren Abgang. Doch eine Kritik hat er trotzdem – raten Sie, welche?

Schönberger: (überlegt)... dass ich gekündigt habe?

Falsch. Dass Sie zeitweise Ihre Haare etwas länger getragen haben ...

Schönberger: (lacht) Ach ja, das hat er mir auch mal gesagt. Aber eher aus Spass. Ich habe ihm erklärt, dass ich wegen der langen Arbeitszeiten nicht so oft zum Haareschneiden komme. Ich arbeitete während des Stadionneubaus ja oft bis zu 80 Stunden pro Woche. Das hat er dann verstanden.

Hinweis

* Betriebswirtschafter Thomas Schönberger (53) ist geschieden und kinderlos, er lebt in einer Partnerschaft im Kanton Zug. Aufgewachsen ist er in Schaffhausen.