Aggressiv gegen das YB-Bollwerk

Nach drei Niederlagen in Folge steht der FC Luzern unter Zugzwang, muss dringend punkten. Am Samstag (19.00, Bern) bekommen es die Luzerner jedoch mit Leader BSC Young Boys zu tun. Hilfe erhält der FCL vom kleinen Bruder aus Kriens.

Raphael Gutzwiller
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Luzerns Pascal Schürpf (Mitte) gegen Sekou Sanogo und Miralem Sulejmani auf dem Berner Kunstrasen. (Bild: Schneider/ Keystone (28. April 2018))

Luzerns Pascal Schürpf (Mitte) gegen Sekou Sanogo und Miralem Sulejmani auf dem Berner Kunstrasen. (Bild: Schneider/ Keystone (28. April 2018))

Noch ganz fertig ist das Stadion Kleinfeld in Kriens nicht. Neben dem Fussballfeld betätigen sich diverse Bauarbeiter, um dem nigelnagelneuen Stadion den letzte Schliff zu geben. Die Stühle leuchten in grün, den Farben des SC Kriens. Dieser trainiert und spielt normalerweise im Kleinfeld, empfängt am Samstag in der Challenge League um 17.30 Uhr den FC Vaduz.

Am Freitagmorgen ist auf dem Rasen die dominierende Farbe jedoch blau statt grün. Die Profis des FC Luzern durften bereits zum dritten Mal in dieser Woche auf dem neuen Kunstrasen trainieren. Der kleine Bruder aus der Agglomeration gibt dem FCL Gastrecht. Die Luzerner sollen sich ideal auf das Spiel gegen den Schweizer Meister BSC Young Boys vorbereiten. Denn der Kunstrasen auf der Allmend Süd, auf dem der FC Luzern gewöhnlich vor Kunstrasen-Spielen trainiert, genügt den Anforderungen nicht mehr. Oder wie es Verteidiger Marvin Schulz ausdrückt: «Der ist eigentlich nicht mehr zu gebrauchen.»

Weiler: «Wir müssen effizienter sein»

Deshalb hat der FC Luzern bei Kriens angefragt, ob die Profis im Vorfeld der Partie gegen YB auf dessen neuer Unterlage trainieren könnten. «Der Kunstrasen in Kriens kommt demjenigen in Bern deutlich näher. Das ist für unsere Vorbereitung gut», sagt Trainer René Weiler, der danach zum Rundumschlag ausholt. Er sei alles andere als ein Fan von Kunstrasenplätzen, meint er. «Dass das Team mit dem höchsten Budget einen solchen Platz hat, ist ein grosser Vorteil.» Er schlägt deshalb gar vor, dass auch der FC Luzern in der Swisspor-Arena einen Kunstrasen bauen soll. «Das kostet weniger, löst die Trainingsplatz-Probleme und wäre ein Wettbewerbsvorteil.»

Wie dem auch sei: Der FCL hat keinen Kunstrasen im Stadion. Deshalb nahm er die Unterstützung des SCK dankend an. Und der FC Luzern kann im Vorfeld der Partie gegen YB jegliche Unterstützung gebrauchen. Er ist in Bern grosser Aussenseiter. Nicht nur trifft man auf den Ligadominator, sondern man hat auch selber Probleme. Innerhalb einer Woche verlor der FCL gleich dreimal: in Zürich (0:1), in Basel (1:2) und gegen Sion (1:3). In diesen Partien war nicht alles schlecht, vor allem in Zürich und Basel fehlte es hauptsächlich an der Kaltschnäuzigkeit. Kein Wunder, hadert Weiler bei der Journalistenrunde vor dem YB-Spiel noch immer: «Wir müssen die Chancen viel effizienter nutzen.»

Weil die Spiele jeweils knapp waren, will weder Weiler noch sonst jemand beim FC Luzern irgendwas von einer Krise wissen. «Wir dürfen nicht vergessen, gegen wen wir gespielt haben», sagt Innenverteidiger Schulz. «In Zürich und in Basel kann man knapp verlieren, vor allem wenn man zu ineffizient ist. Nun wollen wir alles daran setzen, gegen YB dagegen zu halten und etwas mitzunehmen.» Dass dies nicht einfach werde, ist sich der ehemalige Gladbach-Spieler bewusst. Wie kann man gegen Hoarau und seine Kollegen verteidigen? «Wir müssen konsequent am Mann bleiben, aggressiv in die Zweikämpfe gehen und versuchen, die kleinen Schwächen der Gegenspieler auszunutzen», so Schulz.

Bereits ein Punkt wäre für den FCL eine Überraschung angesichts dessen, wie überzeugend die Berner in der Super League auftreten. Sie gewannen alle neun Meisterschaftspartien trotz Doppelbelastung mit der Champions League. Dort gab es mit den beiden 0:3-Niederlagen gegen Manchester United und zuletzt am Dienstag gegen Juventus Turin erste Rückschläge. Eine Chance für Luzern? «Nicht wirklich», meint Weiler. «YB ist sich nicht gewohnt zu verlieren und schon gar nicht zweimal hintereinander. Ich bin mir sicher, dass die Berner auf die Niederlage gegen Juventus in der Super League reagieren möchten.» Und doch sagt Weiler: «Unmöglich ist im Fussball nichts. Natürlich werden wir alles daran setzen, in Bern zu punkten.»