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Interview

«Als Stürmer wäre ich nicht Profi geworden» – Abschiedsinterview mit FCL-Verteidiger Lustenberger

Claudio Lustenberger hört nach 13 Jahren beim FC Luzern auf. Gegen Zürich (Mittwoch, 20.00) verabschiedet er sich von den Fans. Ein Gespräch über eine Karriere ohne Titel, seine neue Aufgabe beim FCL und den Lieblingssong seiner Tochter.
Raphael Gutzwiller

Ende Saison ist es für Sie als FCL-Spieler fertig. Wer entschied: Sie oder der Verein?

Claudio Lustenberger: Der Entscheid kam ganz klar von mir. Ich habe dem FCL mitgeteilt, dass ich das Gefühl habe, dass der Moment gekommen ist. In den letzten Monaten hat mein Körper klare Signale gesendet. Ich kann der Belastung einer ganzen Trainingswoche nicht mehr standhalten. Später hat der Verein das Gespräch mit mir gesucht bezüglich der Rolle des Talentmanagers. Das ist für mich ideal, ich kann meine Erfahrungen den jungen Spielern weitergeben.

Wird vom Spieler zum Talentmanager: Claudio Lustenberger. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 6. Dezember 2018))

Wird vom Spieler zum Talentmanager: Claudio Lustenberger. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 6. Dezember 2018))

Um was geht es bei der Arbeit als Talentmanager?

Es geht darum, die grössten Talente, die wir im eigenen Nachwuchs haben, optimal auf die erste Mannschaft vorbereiten zu können. Ich bin sehr motiviert und fühle mich parat dafür. Denn mir ist es wichtig, dass wir in der ersten Mannschaft viele Innerschweizer haben und dass sie bestenfalls später sogar den Weg ins Ausland machen können.

Letzteres haben Sie selber nie geschafft. Dabei haben Sie 2008 einst für die U21-Nationalmannschaft ein legendäres Tor geschossen.

Ui ja, stimmt! Das war in Holland in der EM-Qualifikation. Ich wurde in die Tiefe geschickt, dann machte ich den Haken. Das war der eine Trick, den ich konnte (lacht). Mit rechts traf ich dann ins weite Eck. Sehr viele Leute haben mich danach auf das Tor angesprochen und gefragt: «Wie hast du das gemacht mit deinem rechten Fuss?» Es war cool, dass wir 1:0 siegten und so in die Playoffs kamen.

Wenn man für die U21-Nati gegen Holland ein so wichtiges Tor schiesst, träumt man wohl von mehr als nur von einer FCL-Karriere.

Nein, ich habe nie gedacht: «So jetzt starte ich durch.» Wir hatten damals viele Talente im Team (Anm. der Red.: In der damaligen U21 spielten u.a. Yann Sommer, Blerim Dzemaili, Reto Ziegler, Pirmin Schwegler oder Fabian Lustenberger). Da war ich froh, überhaupt dabei sein zu dürfen. Viel eher war es so, dass ich kritisch zu mir selber war, wohl zu kritisch. Vielleicht hat mir die Lockerheit gefehlt. Aber ich bin heute sehr glücklich mit meiner Karriere.

Warum haben Sie nie den Weg ins Ausland machen können?

Das ist schwierig zu beantworten. Es hätte zwei, drei Mal die Möglichkeit gegeben. Aber der Moment stimmte nie. Einmal lief der Vertrag im Sommer aus, es hätte sich was ergeben können. Dann verletzte ich mich an der Hüfte und war dem FCL einfach dankbar, dass man mir weiterhin das Vertrauen schenkte. Ich habe die Wertschätzung des Vereins stets gespürt – auch wenn die Verantwortlichen immer wieder wechselten.

Also war es nicht so, dass Sie Luzern immer treu bleiben wollten.

Doch, ich habe mich jeweils ganz bewusst für den FC Luzern und meinen Weg in der Innerschweiz entschieden – obwohl es durchaus mal Optionen gegeben hätte. Ich spüre eine grosse Verbundenheit mit der Region, darum war es für mich auch super, dass ich so lange beim FCL bleiben konnte.

Die Karriere von Claudio Lustenberger in Bildern:

Claudio Lustenberger, hier noch beim SC Kriens – seinem Jugendverein. (Bild: Fabienne Arnet, 19. März 2005)Claudio Lustenberger, hier noch beim SC Kriens – seinem Jugendverein. (Bild: Fabienne Arnet, 19. März 2005)
Lustenberger im Spiel gegen den FC Luzern in der Challenge League. (Bild: Michael Buholzer, 5. April 2005)Lustenberger im Spiel gegen den FC Luzern in der Challenge League. (Bild: Michael Buholzer, 5. April 2005)
Im Sommer 2006 wechselte Lustenberger dann zum FCL. (Bild: Fabienne Arnet, 12. Juni 2006)Im Sommer 2006 wechselte Lustenberger dann zum FCL. (Bild: Fabienne Arnet, 12. Juni 2006)
Claudio Lustenberger und Ivan Dal Santo (links) beim 3:1 Sieg gegen YB. (Bild: Beat Blättler, 22. Oktober 2006)Claudio Lustenberger und Ivan Dal Santo (links) beim 3:1 Sieg gegen YB. (Bild: Beat Blättler, 22. Oktober 2006)
Lustenberger beim 2:0-Meisterschaftssieg am 24. Februar 2007 auf der Allmend gegen den FC Zürich. (Bild Philipp Schmidli, 24. Februar 2007)Lustenberger beim 2:0-Meisterschaftssieg am 24. Februar 2007 auf der Allmend gegen den FC Zürich. (Bild Philipp Schmidli, 24. Februar 2007)
Jubelnd in der Mitte: Claudio Lustenberger. (Bild: Philipp Schmidli, 24. Februar 2007)Jubelnd in der Mitte: Claudio Lustenberger. (Bild: Philipp Schmidli, 24. Februar 2007)
Kopfballduell zwischen Claudio Lustenberger (rechts) und Daniel Tarone (links) beim Spiel gegen den FC Schaffhausen. (Bild: Philipp Schmidli, 31. März 2007)Kopfballduell zwischen Claudio Lustenberger (rechts) und Daniel Tarone (links) beim Spiel gegen den FC Schaffhausen. (Bild: Philipp Schmidli, 31. März 2007)
Der enttäuschte Claudio Lustenberger nach der Cupfinal-Niederlage gegen den FC Basel. (Bild: Philipp Schmidli. 28. Mai 2007)Der enttäuschte Claudio Lustenberger nach der Cupfinal-Niederlage gegen den FC Basel. (Bild: Philipp Schmidli. 28. Mai 2007)
Claudio Lustenberger (oben) überläuft Alvaro Dominguez beim 1:1 gegen Sion. (Bild: Philipp Schmidli, 3. September 2007)Claudio Lustenberger (oben) überläuft Alvaro Dominguez beim 1:1 gegen Sion. (Bild: Philipp Schmidli, 3. September 2007)
Claudio Lustenberger (2.v.r.) bejubelt den 1:0-Sieg gegen den FC Basel.(Bild: Philipp Schmidli, 29. März 2008)Claudio Lustenberger (2.v.r.) bejubelt den 1:0-Sieg gegen den FC Basel.
(Bild: Philipp Schmidli, 29. März 2008)
Voller Einsatz: Claudio Lustenberger (rechts) gegen Aaraus Patrick Bengondo. (Bild: Philipp Schmidli, 14. März 2009) Voller Einsatz: Claudio Lustenberger (rechts) gegen Aaraus Patrick Bengondo. (Bild: Philipp Schmidli, 14. März 2009)
Hitzige Szenen: Claudio Lustenberger (links) greift GC's Davide Callà an den Kopf. (Bild: Philipp Schmidli, 17. Mai 2009)Hitzige Szenen: Claudio Lustenberger (links) greift GC's Davide Callà an den Kopf. (Bild: Philipp Schmidli, 17. Mai 2009)
Luzerns Claudio Lustenberger (links) und Elsad Zverotic (rechts) jubeln nach dem Barrage-Spiel gegen Lugano zum letzten Mal im Stadion Allmend. (Bild: Philipp Schmidli, 13. Juni 2009)Luzerns Claudio Lustenberger (links) und Elsad Zverotic (rechts) jubeln nach dem Barrage-Spiel gegen Lugano zum letzten Mal im Stadion Allmend. (Bild: Philipp Schmidli, 13. Juni 2009)
Luzerns Burim Kukeli, Hakan Yakin, Christophe Lambert, Claudio Lustenberger und Alain Wiss (von links) bejubeln das 2:0 im Spiel gegen den AC Bellinzona. (Bild: Philipp Schmidli, 27. September 2007)Luzerns Burim Kukeli, Hakan Yakin, Christophe Lambert, Claudio Lustenberger und Alain Wiss (von links) bejubeln das 2:0 im Spiel gegen den AC Bellinzona. (Bild: Philipp Schmidli, 27. September 2007)
Luzerns Claudio Lustenberger (rechts) gegen St. Gallens Kristian Nushi beim Cup-Viertelfinal. (Bild: Philipp Schmidli, 10. Dezember 2009)Luzerns Claudio Lustenberger (rechts) gegen St. Gallens Kristian Nushi beim Cup-Viertelfinal. (Bild: Philipp Schmidli, 10. Dezember 2009)
Lustenberger geht mit einem gewissen Xherdan Shaqiri (damals bei Basel) in den Zweikampf. (Bild: Philipp Schmidli, 14. März 2010)Lustenberger geht mit einem gewissen Xherdan Shaqiri (damals bei Basel) in den Zweikampf. (Bild: Philipp Schmidli, 14. März 2010)
Scheut sich nicht vor etwas Dreck: Claudio Lustenberger (links) gegen Basels Jacques Zoua Daogari. (Bild: Philipp Schmidli, 14. März 2010Scheut sich nicht vor etwas Dreck: Claudio Lustenberger (links) gegen Basels Jacques Zoua Daogari. (Bild: Philipp Schmidli, 14. März 2010
Lustenberger in der Partie gegen den FC Thun im Gersag Stadion in Emmenbrücke. (Bild: Philipp Schmidli, 29. August 2010)Lustenberger in der Partie gegen den FC Thun im Gersag Stadion in Emmenbrücke. (Bild: Philipp Schmidli, 29. August 2010)
Claudio Lustenberger ist enttäuscht nach dem Spiel gegen den FC Thun. (Bild: Philipp Schmidli, 20. Mai 2012)Claudio Lustenberger ist enttäuscht nach dem Spiel gegen den FC Thun. (Bild: Philipp Schmidli, 20. Mai 2012)
Fragender Blick: Wie sieht die Zukunft für Claudio Lustenberger aus? (Bild: Philipp Schmidli, 20. Mai 2012)Fragender Blick: Wie sieht die Zukunft für Claudio Lustenberger aus? (Bild: Philipp Schmidli, 20. Mai 2012)
Claudio Lustenberger (rechts) umarmt Jahmir Hyka bei der Begegnung gegen den FC Thun. (Bild: Philipp Schmidli, 30. September 2019)Claudio Lustenberger (rechts) umarmt Jahmir Hyka bei der Begegnung gegen den FC Thun. (Bild: Philipp Schmidli, 30. September 2019)
Höhenflug: Lustenberger (oben) gegen Servettes Geoffrey Tréand. (Bild: Philipp Schmidli, 4. November 2012)Höhenflug: Lustenberger (oben) gegen Servettes Geoffrey Tréand. (Bild: Philipp Schmidli, 4. November 2012)
Claudio Lustenberger (links) im Kopfballduell gegen St. Gallens Sébastien Wüthrich. (Bild: Philipp Schmidli, 24. November 2013)Claudio Lustenberger (links) im Kopfballduell gegen St. Gallens Sébastien Wüthrich. (Bild: Philipp Schmidli, 24. November 2013)
Claudio Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 30. August 2014).Claudio Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 30. August 2014).
Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und YB in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 3. Dezember 2014)Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und YB in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 3. Dezember 2014)
Claudio Lustenberger jubelt mit Thierry Doubai, Jakob Jantscher und Marco Schneuwly (von links) über das 3:0 im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau in der Swissporarena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 22. Februar 2015)Claudio Lustenberger jubelt mit Thierry Doubai, Jakob Jantscher und Marco Schneuwly (von links) über das 3:0 im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Aarau in der Swissporarena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 22. Februar 2015)
Beherzte Kussszene: Captain Claudio Lustenberger (links) lässt seine Freude nach seinem Tor zum 3:0 gegen Sion mit Teamkollege Dario Lezcano freien Lauf. (Bild: Pius Amrein, 29. Mai 2019)Beherzte Kussszene: Captain Claudio Lustenberger (links) lässt seine Freude nach seinem Tor zum 3:0 gegen Sion mit Teamkollege Dario Lezcano freien Lauf. (Bild: Pius Amrein, 29. Mai 2019)
Lustenberger bei der Pressekonferenz zu seiner Vertragsverlängerung mit dem FC Luzern vor drei Jahren. (Bild: Roger Gruetter, 12. Februar 2016)Lustenberger bei der Pressekonferenz zu seiner Vertragsverlängerung mit dem FC Luzern vor drei Jahren. (Bild: Roger Gruetter, 12. Februar 2016)
Claudio Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Basel in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 7. August 2016) Claudio Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Basel in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 7. August 2016)
Lustenberger bejubelt das 2:1 im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 20. November 2016)Lustenberger bejubelt das 2:1 im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 20. November 2016)
Claudio Lustenberger in der Swisspor-Arena in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 30. März 2017)Claudio Lustenberger in der Swisspor-Arena in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 30. März 2017)
Luzerns Claudio Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 23. Juli 2017)Luzerns Claudio Lustenberger im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano in der Swisspor-Arena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 23. Juli 2017)
Luzerns Mirko Salvi (links) und Claudio Lustenberger (rechts) trösten Idriz Voca nach der Cup-Halbfinal-Niederlage gegen den FC Thun. (Bild: Philipp Schmidli, 23. April 2019)Luzerns Mirko Salvi (links) und Claudio Lustenberger (rechts) trösten Idriz Voca nach der Cup-Halbfinal-Niederlage gegen den FC Thun. (Bild: Philipp Schmidli, 23. April 2019)
Nach mehr als 400 Spielen beendet FCL-Captain Claudio Lustenberger seine Profikarriere. (Bild: Pius Amrein, 6. Dezember 2018)Nach mehr als 400 Spielen beendet FCL-Captain Claudio Lustenberger seine Profikarriere. (Bild: Pius Amrein, 6. Dezember 2018)
Letztes Heimspiel: Claudio Lustenberger grüsst die Fans. (Bild: Urs Flüeler, 19. Mai 2019)Letztes Heimspiel: Claudio Lustenberger grüsst die Fans. (Bild: Urs Flüeler, 19. Mai 2019)
Einmarsch von Claudio Lustenberger. (Bild: Urs Flüeler, 19. Mai 2019)Einmarsch von Claudio Lustenberger. (Bild: Urs Flüeler, 19. Mai 2019)
Claudio Lustenberger bekommt von Christian Schwegler die Kapitänsbinde. (Bild: Marc Schumacher / Freshfocus, Luzern, 19. Mai 2019)Claudio Lustenberger bekommt von Christian Schwegler die Kapitänsbinde. (Bild: Marc Schumacher / Freshfocus, Luzern, 19. Mai 2019)
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Claudio Lustenberger beendet seine Karriere

Sie sind in der heutigen Zeit ein Ausnahmefall. Vermissen Sie bei den jüngeren Spielern diese Treue?

Nein, es ist einfach eine andere Zeit. Es war vor zehn, zwölf Jahren anders als junger Schweizer Spieler. Als solider Aussenverteidiger war es schwierig, den Sprung ins Ausland machen zu können. Die Chance, dass man heute gesehen wird, ist viel grösser. Das hat sich nach dem U17-Weltmeistertitel 2009 geändert. Trotzdem finde ich, dass die Super League eine gute Liga ist, und man sich hier auf das Ausland vorbereiten kann. Mich freut es zum Beispiel, wie gut es Ex-Mitspieler Remo Freuler bei Bergamo und in der Nationalmannschaft läuft.

In Luzern haben Sie eine Karriere als Linksverteidiger gemacht, in Kriens waren Sie aber einst Stürmer. Hätten Sie eine Profikarriere gemacht, wären Sie Stürmer geblieben?

Nein, ich glaube nicht, dass ich Profi geworden wäre. In der U18 Kriens habe ich Stürmer oder Flügel gespielt, dann kam ich in die erste Mannschaft. Ich war damals noch sehr schmächtig, dafür aber noch ein bisschen schneller als heute (lacht). Anfangs war es nicht einfach für mich in der 1. Mannschaft. Zunächst kam ich nur zu Teileinsätzen. Dann ist Heinz Schumacher als Linksverteidiger zurückgetreten. Und Trainer Stefan Marini hat mich einfach mal hinten links probiert – und ab da spielte ich dort.

Die Position passte also sogleich.

Ja, ich merkte aber schnell, dass ich vor allem sehr fit sein muss für diese Position. Nur so konnte ich mich auch in die Offensive mit Flügelläufen einbringen. Mir fehlte zunächst aber noch die Verteidigerschule. Da brauchte es auch die Trainer, die mich darin schulten: Zunächst Stefan Marini, später Ciri Sforza, Rolf Fringer und Murat Yakin.

Einige Fans lieben Sie für Ihren Kampfgeist, andere bezeichnen Sie als «Skischuh». Wie gingen Sie mit dieser Kritik um?

Das gehört einfach dazu im Profifussball. Einmal wird man in den Himmel gelobt. Dann muss man weiter arbeiten und nicht denken, dass einfach alles von selber kommt. Genauso muss man auch bei kritischen Töne weghören und weiterhin an sich glauben. Es ist nichts als verständlich, dass Fans ein Urteil fällen.

Fehlte es Ihnen also nicht an Wertschätzung für Ihre Leistungen?

Nein, auf keinen Fall. Dass man kritisch beurteilt wird, ist klar. Ich selber ärgere mich bei einem Fehler ja wohl am meisten über mich. Daher ist für mich eine negative Reaktion nachvollziehbar.

Über all die Jahre beim FCL hat sich sehr viel verändert. Die einzige Konstante: Stetige Unruhen.

Klar, gab es immer viele Wechsel. Aber als Spieler muss man damit einfach umgehen können. Für mich war es immer wichtig, dass wir als Mannschaft eine Einheit bleiben konnten. Und ich bin stolz darauf, dass wir nie auseinanderfielen und nie abgestiegen sind. Wir hatten einige Male enormen Druck, konnten diesem aber jeweils standhalten. Es gibt nicht viele Mannschaften, die in dieser Zeit nie abgestiegen sind (Anm. der Red.: Neben Luzern sind nur Basel, Sion und die Young Boys seit 2006 nie aus der Super League abgestiegen).

Dennoch: In Ihrer Karriere fehlen die grossen Erfolge. Sie bleiben ohne einen einzigen Titel, spielten nie in der Europa League.

Klar wurmt mich das. Es ist schade, dass wir den «Chöbel» nie holen konnten. Im Final 2012 waren wir so nah dran, verloren gegen ein topbesetztes Basel erst nach Penaltyschiessen. Das war schon enorm bitter. Und es ist auch sehr schade, dass wir es europäisch nie packen konnten. Gegen Genk waren wir 2012 nah an der Gruppenphase dran, gegen St.Johnstone hätten wir 2014 siegen müssen. Aber, wenn ich zurückschaue überwiegen für mich trotz allem die positiven Emotionen. Zum Beispiel vor einem Jahr als wir noch 3. wurden, obwohl wir wenige Monate davor als Abstiegskandidat gehandelt wurden.

Dieses Video widmete der FCL seinem langjährigen Verteidiger:

Welches Spiel war für Sie das Highlight Ihrer Karriere?

Eindeutig das Barrage-Spiel gegen Lugano (2009, 5:0-Sieg, Anm. der Red.). Ich war damals noch jung, für mich war es auch persönlich sehr wichtig, dass wir den Ligaerhalt schaffen konnten. Ich kann mich gut daran erinnern, wie gross der Druck für uns war. Aber dass wir dann im letzten Spiel auf der alten Allmend so spielten, war unglaublich.

Noch ein Wort zu Ihrem Spitznamen «CL7». Wie sehr freut es Sie, dass Sie mit Cristiano Ronaldo verglichen werden?

Für mich hat das nicht viel mit einer anderen Person zu tun. Es sind meine Initialen und meine Rückennummer 7. Für mich ist es einfach etwas Schönes, dass ich diese Unterstützung von den Fans bekomme. Ich finde es auch witzig, dass meine Tochter inzwischen das Lied schon mitsingen kann. Sie weiss, dass ich damit gemeint bin.

Ist Ihre Tochter glücklich, dass Sie zurücktreten?

Da müssen Sie selber nachfragen (lacht). Aber sie bekommt noch nicht so viel mit. Ich finde es natürlich cool, dass sie das FCL-Trikot trägt und an den Spielen schon dabei sein kann. Und eben, sie kann die Liedchen ein bisschen mitsingen. Sie ist vor allem Fan vom Pasci-Schürpf-Song. Den Rücktrittsentscheid musste ich aber vor allem für mich fällen.

Welche Emotionen werden Sie beim letzten Heimspiel haben?

Es wird sicher ein enorm spezieller Moment. Ganz egal, ob ich zum Einsatz komme oder nicht. Der Abschied von den Fans wird sicher unvergesslich sein. Und vielleicht habe ich dann auch noch einen Einsatz im letzten Match am Samstag in Bern. Das wäre sehr schön. Und dann ist es wirklich vorbei.

Zur Person

Claudio Lustenberger (32) spielte als Linksverteidiger 13 Jahre lang für den FC Luzern. 2006 wechselte er vom Challenge-League-Verein SC Kriens, bei dem der Krienser die Nachwuchsabteilung durchlaufen hatte, zum FCL. Für die Luzerner absolvierte er insgesamt über 400 Partien, davon 352 in der Super League (6 Tore). Mit seiner Frau Barbara und seiner dreijährigen Tochter wohnt Lustenberger heute in Adligenswil.

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