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ANALYSE: FCL in der Krise: Neuer Impuls an der Linie ist notwendig

Sportreporter Daniel Wyrsch zur sportlichen Krise beim FC Luzern.
Daniel Wyrsch
FCL-Trainer Markus Babbel: Erreicht er mit seinen Worten die Spieler noch? (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Lausanne, 19. November 2017))

FCL-Trainer Markus Babbel: Erreicht er mit seinen Worten die Spieler noch? (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Lausanne, 19. November 2017))

Eines meiner letzten Gespräche mit Friedel Rausch ist mir im Gedächtnis haften geblieben. Dem FCL ging es wieder einmal schlecht, er stand im Herbst 2014 im Tabellenkeller. Ich rief Friedel an, wollte seine Meinung wissen. Er sagte mir: «Es braucht einen Chef, so wie Romano Simioni einer war und später Walter Stierli.» Heute findet in Horw die Trauerfeier für Rausch, den erfolgreichsten Coach der FCL-Klubgeschichte, statt.

Rauschs Aussagen sind heute so aktuell wie damals. Beim FC Luzern gibt es über drei Jahre später immer noch keinen neuen starken Mann. Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg ist kein Fussballfan, für Samih Sawiris sind Theater, Kunst und Sport einerlei – nicht mehr als Unterhaltung. Präsident Philipp Studhalter bemüht sich, sein Herz gehört aber dem Rudersport. Der Sportdelegierte des Verwaltungsrats, Marco Sieber, spricht bei Transfers in der Kommission ohne Vorgeschichte im Fussball mit. Dessen Verwaltungsratskollege Josef Bieri setzt sich ebenfalls redlich ein, gehört aber zur gleichen Kategorie wie Sieber.

Was Sportkoordinator Remo Meyer zu sagen hat, ist nicht belegt. Keine Frage, der Ex-Bundesliga-Profi kennt sich im Fussball aus, seine Einschätzungen sind messerscharf. Unklar ist, wie gross seine Wasserverdrängung, sein Durchsetzungsvermögen ist. Einen schweren Stand hat CEO Marcel Kälin. Die Zahlen können nur alarmierend sein, wenn man sich das Publikumsinteresse anschaut. Selbst gegen die Champions-League-Bezwinger von Manchester United kamen am Samstag bloss knapp über 10'000 Zuschauer ins Stadion. So wenig Leute hat ein Heimspiel gegen den FC Basel in der Swisspor-Arena noch nie angezogen.

Um die Atmosphäre beim FCL ist es derzeit schlecht bestellt. Zur Besserung trägt das Aushängeschild, die Super-League-Mannschaft, wenig bei. Nur ansatzweise machte sie gegen den FCB einen guten Job. 20 Minuten vor Schluss waren die Spieler nicht in der Lage, ein 1:1-Unentschieden gegen offensichtlich unausgeruhte Basler zu verteidigen. FCL-Trainer Markus Babbel ist seit jeher überzeugt, dass sein Team nicht die Anlage besitze, um hinten reinzustehen. Er sagte nach der schliesslich 1:4 verlorenen Partie: «Die Spieler hatten das Gespür nicht, einen Tick mehr Ruhe in unser Spiel zu bringen, um Basel wehtun zu können.» Letztlich muss aber der Coach dieses taktische Gespür vermitteln können.

Taktische Umstellungen hat der Chef an der Seitenlinie vorzunehmen. Dazu könnte auch gehören, aus einer kompakten Defensive heraus zu kontern. Doch schnelles Umschaltspiel gehört nicht zu diesem FCL, der erst im Sommer verjüngt worden ist. Dabei haben Babbel und Co-Trainer Patrick Rahmen bei den Transfers ein gewichtiges Wort mitzureden. Von zehn Zuzügen ist bisher aber nur Stürmer Shkelqim Demhasaj ein Treffer.

Die vielen Wechsel hätten Babbel auch vor Abnützungserscheinungen in der Zusammenarbeit mit dem Team schützen sollen. Doch Spieler vertrauen einem Trainer nur, wenn er sie einzeln besser macht und die Mannschaft erfolgreich führt. Beides ist unter Babbel im Jahr 2017 nicht mehr gegeben. Richtig zum Ausdruck kommt die Malaise erst seit dieser Saison, weil der FCL im Frühling noch von der Vorrunde 2016/17 profitiert hatte.

Kein Profi sagt öffentlich, dass das Gebälk morsch ist. Die Besitzer müssen spätestens in der Winterpause handeln, einen dringend notwendigen neuen Impuls im Training und Coaching setzen. Der erklärte Ausbildungsverein könnte sich endlich einen Ausbildner holen. Nicht zuletzt eigene Talente wie Knezevic, Schmid, Sidler und Ugrinic dürften von dieser Art Fussball-Lehrer profitieren. Damit die Identifikation nicht bloss ein Papier­tiger der Vision 2021 bleibt. Läuft’s perfekt, ist der Neue ein neuer Chef, vielleicht sogar ein neuer Rausch ...


Daniel Wyrsch

Sportreporter

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

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