Babbel hat die Führung übernommen

Beim FC Luzern hat am Montag kurz vor 15.30 Uhr eine neue Ära begonnen: jene des deutschen Trainers Markus Babbel.

Daniel Wyrsch
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Neo-FCL-Trainer Markus Babbel (links im Vordergrund) hat mit seinen Spielern noch viel zu tun. (Bild: Boris Bügrisser / Neue LZ)

Neo-FCL-Trainer Markus Babbel (links im Vordergrund) hat mit seinen Spielern noch viel zu tun. (Bild: Boris Bügrisser / Neue LZ)

Der 42-Jährige ist neben Michael Skibbe (49, GC) und Jochen Dries (67, Sion) der dritte Coach in der Super League aus dem Land des Weltmeisters. Für Babbel und den FCL ist es ein gutes Omen, dass der letzte Deutsche, der bei den Innerschweizern über ein Kurzengagement (Christian Brand, Egon Coordes, Timo Konietzka) hinauskam, der erfolgreichste Trainer der Klubgeschichte ist: Friedel Rausch (74). Mit dem in Kriens wohnhaften Ruhrpott-Urgestein feierte der FCL 1989 den einzigen Meistertitel und 1992 den bislang zweiten Cupsieg.

Das Ziel heisst Ligaerhalt

Babbel kommt wie Rausch aus der Bundesliga. Als Spieler von Bayern München, dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart sowie in England bei Liverpool und den Blackburn Rovers war er erfolgreich, die Karriere krönte er mit dem EM-Titel 1996 mit Deutschland. Doch der Bayer Babbel muss erst noch beweisen, dass er auf die Dauer ein erfolgreicher Trainer ist. Seine ersten drei Engagements in Deutschlands Eliteklasse bei Stuttgart, Hertha Berlin und Hoffenheim waren allesamt von mehr oder minder kurzer Dauer. Das Vertrauen des FC Luzern in den neuen Übungsleiter scheint auch nicht unerschöpflich gross zu sein. Er hat vorerst einen Vertrag bis Ende Saison erhalten – also ein Jahr weniger lang, als der Kontrakt seines freigestellten Vorgängers Carlos Bernegger (45) noch läuft. Wahrscheinlich sind Sportchef Alex Frei (35) und Präsident Ruedi Stäger (57) vorsichtiger geworden, oder die Geldgeber haben fortan ein weniger grosszügiges Vorgehen gefordert. Aber es ist nicht so, dass die FCL-Führung nicht mindestens mittelfristig mit Babbel zusammenarbeiten möchte. Er muss dazu eine zentrale Vorgabe erfüllen: den Klassenerhalt schaffen. Dann verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr.

Markus Babbel (4. von rechts) trifft das Fanion-Team des FC Luzern zum ersten Mal auf dem Platz. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
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Es bleibt den Beteiligen nicht viel Zeit, sich kennenzulernen, denn... (Bild: Keystone)
...am Sonntag wartet bereits das Kellerduell gegen den FC Vaduz. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Und aus genau diesem Keller will Babbel die Mannschaft führen. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Doch welche Elf soll Babbel auf den Platz schicken? (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Markus Babbel (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Schon ein Anfang: Thierry Doubai hört zu. (Bild: KEYSTONE)
Eventuell hilft ein Stossgebet für die  Fussballgötter dem FCL. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Vielleicht aber auch die Premier League und Bundesliga-Erfahrung des 42-Jährigen. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Am Sonntag wird Babbel allerdings die Bälle nicht selber schlagen können. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))
Deshalb erklärt er den Profis noch einmal, wie er sich das vorstellt. (Bild: Keystone)
Markus Babbel, Mitte, und Assistent Gerardo Seoane, links, und Sportdirektor Alex Frei, 2. v. rechts, beim ersten Training mit der Mannschaft. (Bild: Keystone)
Sportchef Alex Frei hofft, das sein neuester Transfer ihn nicht im Regen stehen lässt. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))

Markus Babbel (4. von rechts) trifft das Fanion-Team des FC Luzern zum ersten Mal auf dem Platz. (Bild: Boris Bürgisser (Neue LZ))

Bei Nieselregen fand auf dem tiefen Terrain eines Platzes beim Fliegerschuppen die erste Einheit unter Babbel statt. Die Trainerarbeit erledigten seine Assistenten Gerardo Seoane (35) und Remo Gaugler (46), beide bereits im Klub als U-21-Trainer und Chefscout engagiert. Weil Babbel die Mannschaft und die Liga noch nicht besonders gut kennt, wird er von den beiden unterstützt. Alex Frei war selbstverständlich auch vor Ort. Zusammen mit rund 40 Leuten (Medienschaffende und Fans) schaute er sich das Training an. Babbel stand ruhig in der Mitte des Platzes, beobachtete die von seinen Co-Trainern vorgetragenen Übungen und die verschiedenen Spielformen. Am Schluss des knapp eineinhalbstündigen Trainings fasste Babbel zusammen: «Die Spieler waren überraschend laut, sie arbeiteten intensiv.» Er verfiel also keinesfalls in eine Schockstarre ob des gesehenen Niveaus beim Tabellenletzten der höchsten Schweizer Liga: «Sicher nicht! Aber wir haben noch viel zu tun, müssen hoch konzentriert weiterarbeiten», sagte Babbel.

Vorteil Sprache

Sechs Stunden zuvor, vormittags um 11 Uhr, hatte der FCL seinen neuen Trainer im Mediencenter der Swissporarena der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 übertrug die Medienkonferenz live, 30 Journalisten waren vor Ort. Babbel trat an der Seite von Frei, Präsident Stäger und Kommunikationschef René Baumann auf das Podium. Er hatte dabei ein breites Lachen aufgesetzt, machte einen ruhigen, freundlichen Eindruck. Im Vergleich zu Murat Yakin, Ryszard Komornicki und Carlos Bernegger, die vor ihm in der Swissporarena als Luzern-Trainer wirkten, hat Babbel gewiss einen rhetorischen Vorteil dank der deutschen Sprache. Der Mann weiss sich zu artikulieren. Gewinnend auch seine Begrüssung: «Zuerst einmal Grüezi mitenand!» Natürlich nutzt der waschechte Bayer mit seinem breiten Dialekt die sprachliche und kulturelle Nähe zur Schweiz. Babbel geizte denn auch nicht mit positiven Aussagen über den FCL, die Verantwortlichen und das Umfeld: «Mich freut es wahnsinnig, hier zu sein. Es ist eine grosse Ehre, für einen Verein arbeiten zu dürfen, der Visionen hat, der eine Herausforderung darstellt. Die Gespräche mit Alexander Frei und dem Präsidenten haben in mir eine unglaublich grosse Lust geweckt, es zu machen.» Babbel erklärte, er habe das Gefühl bekommen: «Ich bin der richtige Mann hier.» Er sehe eine Mannschaft, die Potenzial habe, die man weiterentwickeln könne wie den gesamten Klub, welchen man weiterbringen könne. Aufgewachsen in Bayern, habe er den Schweizer Fussball von Kindsbeinen an verfolgt. «Der FC Luzern ist ein Traditionsklub, Luzern gilt als fussballverrückte Stadt, und da gilt es den Hebel anzusetzen, damit wieder eine erfolgreiche Mannschaft auf dem Platz steht, mit der sich die Fans identifizieren können.»

Seine Aufgabe sei es nun, dem am Schluss der Tabelle platzierten Team Selbstvertrauen zu geben. Er betonte erneut: «Die Mannschaft ist gut, hat Qualität, sie hat sich nur noch nicht belohnt. Aus diversen Gründen, weil der eine oder andere Fehler gemacht wurde.»

Gelassener erster Auftritt

Bei der Beantwortung der Journalistenfragen wurde sichtbar, dass sich Babbel aus der Bundesliga gewohnt ist, im Kreuzfeuer der Medien zu stehen. Gelassen nahm er Stellung, liess sich auch durch angriffige Fragen nicht aus der Fassung bringen. Wenn er dieses Gefühl des Vertrauens auf die Spieler übertragen kann, dann könnte es für den FCL sportlich schon am Sonntag (13.45 Uhr) im Heimspiel gegen Vaduz gut ausschauen.

«Freue mich, ein doch etwas lebhaftes Umfeld zu erleben»

Neo-FCL-Trainer Markus Babbel (links im Vordergrund) hat mit seinen Spielern noch viel zu tun. (Bild Boris Bürgisser)

Neo-FCL-Trainer Markus Babbel (links im Vordergrund) hat mit seinen Spielern noch viel zu tun. (Bild Boris Bürgisser)

Bei der Vorstellung des neuen Trainers stand Alex Frei erstmals nicht im Mittelpunkt, seit er vor 18 Monaten als Sportchef beim FC Luzern begonnen hat. Markus Babbel bringt einen grösseren Hauch der Fussballwelt in die Swissporarena. Der sieben Jahre ältere Deutsche hatte nicht gleichzeitig mit Frei in der Bundesliga gespielt. Dafür wurden Freis frühere Nationalteamkollegen Marco Streller und Ludovic Magnin mit Babbel beim VfB Stuttgart 2007 deutscher Meister. Über den Trainer Babbel hat sich Frei erkundigt. «Selbst Leute, die bei ihm einen schweren Stand hatten, sprechen gut von ihm. Das ist ein gutes Zeichen.»

Was die Journalisten Babbel an der gestrigen Medienkonferenz fragten und wie er darauf reagierte.

Markus Babbel, über 22 Monate sind Sie nicht mehr Cheftrainer gewesen. Wie haben Sie die Zeit verbracht?

Markus Babbel: Ich war 20 Jahre toujours in diesem Geschäft als Spieler oder als Trainer. Dadurch brauchte ich Zeit, um auch wieder meine Batterien aufzuladen. Zum anderen nutzte ich diese längere Phase, um mich weiterzuentwickeln, sei es Fussball national und international anzuschauen. Darüber hinaus schaute ich auch über den Tellerrand hinaus: Ich habe viele Business-Trainingseinheiten hinter mich gebracht, habe einen Mann gefunden, der mir andere Perspektiven und Regeln als Führungskraft aufgezeigt hat. Das hat mir sehr gut getan, meinen Horizont erweitert.

Luzern gilt im Schweizer Fussball als unruhiger Ort, stört Sie das?

Babbel: Genau das verstehe ich unter Herausforderung. Ich freue mich, ein doch etwas lebhaftes Umfeld zu erleben, wo man merkt: Da ist Begeisterung, da ist Leidenschaft, da ist oft auch Trauer. Mit diesen Gefühlen umgehen zu können, das ist der grosse Reiz an der Sache.

Kennen Sie die Mannschaft schon?

Babbel: Natürlich habe ich meine Hausaufgaben gemacht. Aber persönlich lerne ich die Mannschaft im Training kennen. Ich habe einige Spiele gesehen, aber mittendrin sein ist etwas anderes.

Was steht im Vordergrund, wenn man eine Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz übernimmt?

Babbel: Viele Gespräche. Mich interessiert die Sicht der Mannschaft, um dann möglichst schnell den Profis zu erklären, was ich von ihnen erwarte. Wir müssen die Zeit bestmöglich nutzen, damit wir am Sonntag diesen erwartet schweren Sieg gegen Vaduz einfahren werden.

Haben Sie mit Sportchef Alex Frei besprochen, ob Sie im Winter das Team «nachbessern» könnten?

Babbel: Ich habe das Team noch nicht kennen gelernt, also weiss ich nicht, was ich nachbessern sollte. Das, was ich bisher gesehen habe, gefällt mir. Das ist Stand heute. Wir sind in sehr intensivem Austausch, und sollte es nötig sein, werden wir mit Sicherheit die richtigen Massnahmen treffen.

Nachwuchsleute können in Luzern seit Jahren nicht wunschgemäss im Fanionteam integriert werden. Ist Ihnen dieser Umstand bewusst?

Babbel: Das gehört zur Vision und ist mit ein Grund, warum ich hierhergekommen bin. Es gilt, diese jungen Spieler so vorzubereiten, dass sie ihre Leistung abrufen können. Es wird bei mir keiner etwas geschenkt bekommen, aber wenn einer gleich stark ist wie ein Älterer, dann hat er alle Chancen zu spielen.

Hand aufs Herz, der FCL dient Ihnen lediglich als Sprungbrett für die Rückkehr in die Bundesliga.

Babbel: Nein, so denke ich nicht. Ich bin mit 100-prozentiger Überzeugung hierhergekommen, weil man hier etwas bewegen kann. Das wäre unfair dem Verein gegenüber. Was in vier Jahren sein wird, kann ich nicht sagen.

dw