Babbels Assistent kehrt dem FCL den Rücken

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Der neue Assistenztrainer Roland Vrabec am Montag beim Training mit dem FC Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der neue Assistenztrainer Roland Vrabec am Montag beim Training mit dem FC Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Vrabec dw. Ein weiterer schwerwiegender Abgang beim FC Luzern ist beschlossene Sache: Assistenztrainer Roland Vrabec (41) wird den Vierten der Super League Ende Saison verlassen. Er bestätigt: «Ich habe dem Verein mitgeteilt, dass ich als Co-Trainer ab Sommer nicht mehr zur Verfügung stehe.»

Er habe andere Pläne und Vorstellungen, begründet er seinen Schritt: «Ich möchte wieder Cheftrainer sein, weil ich meine Vorstellungen von Fussball, meine Ideen, meine Philosophie auf den Platz bringen will. Als Co-Trainer musst du doch immer Kompromisse eingehen. Bis Ende Saison ist das für mich in Ordnung.» Dann wird der Deutsch-Kroate eineinhalb Jahre beim FCL tätig gewesen sein. Vrabec tönt erleichtert und voller Vorfreude, wenn er sagt: «Ab nächster Saison möchte ich mich wieder verwirklichen.»

Sein gutes Verhältnis mit Fringer

Ein konkretes Angebot hat Vrabec nicht. Er sei offen für verschiedene Aufgaben, auch im Nachwuchsbereich. Eine Offerte, sofort bei einem deutschen Drittligisten einzusteigen, schlug er aus. Grund: Er will seine Arbeit beim Tabellenvierten in Luzern zu Ende führen.

Wenn Sportchef Rolf Fringer am Donnerstag nicht aus heiterem Himmel entlassen worden wäre, dann wäre eine Weiterbeschäftigung bei den Luzernern zu einer Option geworden. Fringer wollte nicht mehr mit Cheftrainer Markus Babbel weiterarbeiten, hätte sich Vrabec als dessen Nachfolger vorstellen können. Zum Angebot für den gebürtigen Frankfurter ist es nicht mehr gekommen. Natürlich hätte der Job Vrabec gereizt. «Bevor es wirklich zu Gesprächen gekommen wäre, hätte man vorgängig Markus Babbel darüber informieren müssen. Ich hätte kein Interesse gehabt, am Stuhl von Markus zu sägen oder hintenherum ein Spiel zu treiben», stellt er klar.

Babbel hatte ihn vor einem Jahr nach Luzern gelotst. Ob das heute noch der Fall wäre, kann man nur erahnen. Die beiden scheinen sich voneinander distanziert zu haben. Bestätigen will das keiner von beiden.

Auf die Frage, ob er denn andere Ideen in Luzern hätte einbringen wollen, antwortet Vrabec im Bewusstsein der aktuell sehr brisanten Situation: «Ich hatte zu Rolf Fringer ein sehr gutes Verhältnis, wir haben uns immer sehr gut ausgetauscht. Stets auf einem professionellen Niveau. Ich weiss, dass es ihm gefallen hat, wie wir uns im letzten Jahr zum grössten Teil präsentiert haben. Er kennt meine Ideen und Philosophie.»

Mit spürbarem Bedauern meint Vrabec: «Ich finde es schade, dass Fringer nicht mehr da ist, weil ich mit ihm sehr gut ausgekommen bin. Ich habe ihn geschätzt als Mensch, aber auch aufgrund seiner Qualitäten als Sportdirektor und ehemaliger Trainer.»

FCL-Spieler brauchen Inputs

Der frühere St.-Pauli-Trainer brachte sich von Anfang an engagiert ein in der Trainingsarbeit und in Gesprächen mit den Profis. «Es ist mein Naturell, nahe beim Team zu sein, die Spieler zu korrigieren und anzutreiben.» Vrabec stellt fest: «Ich glaube, dass es in einem Klub wie dem FCL gar nicht anders geht. Wir haben nicht 20 Nationalspieler, die du ein bisschen beschäftigen kannst unter der Woche und die dann ihr Ding am Wochenende ruhig runterspielen wie Basel.» Der FCL habe viele talentierte, entwicklungsfähige Spieler, die Inputs brauchen würden. «Logisch können die Jungs das nicht in jedem Spiel umsetzen. Aber zum grössten Teil haben wir das im letzten Jahr auf den Platz gebracht», findet Vrabec.