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Bei FCL-Spieler Marvin Schulz liegt die Bibel auf dem Nachttisch

Marvin Schulz vom FC Luzern ist ein gläubiger Katholik. Zu Heiligabend äussert er sich erstmals öffentlich zu seiner Religion und erzählt, welches Ereignis seinen Glauben verstärkt hat. Ganz alles möchte Schulz aber dann doch nicht verraten.
Raphael Gutzwiller
Marvin Schulz zündet in der Pauluskirche eine Kerze an. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2018))

Marvin Schulz zündet in der Pauluskirche eine Kerze an. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2018))

Wie meistens, wenn Marvin Schulz die Pauluskirche besucht, sind nur wenig Menschen da. Dann zündet er eine Kerze an, setzt sich hin, hält inne und betet. «Die Kirche ist ein Rückzugsort. Der Glaube gibt mir Kraft.» Schulz geht nicht dann in die Kirche, wenn ein Gottesdienst ansteht, sondern dann, wenn er den Wunsch danach verspürt. Meist ist das unter der Woche, etwa an einem freien Tag oder nach einem Training.

Schulz ist Fussballer von Beruf, trägt Markenkleider, die blonden Haare sind nach hinten gegelt, das Parfüm riecht gut. Er wirkt nicht wie der gängige Kirchengänger. Doch wenn er spricht, dann trifft man auf einen ruhigen, introvertierten Mann, der sich Gedanken zum Leben macht. «Die meisten kennen halt nur den Marvin Schulz, der Fussball spielt, zu Hause bin ich aber ein anderer Mensch.»

Dann beschäftigt er sich lieber auch mit anderen Themen, etwa mit der Religion. Marvin Schulz ist ein bekennender Katholik. Auf Instagram postet er seine Bilder jeweils mit den Hashtags «God­isLove» und «GodsPlan», auch seine vielen Tattoos haben zu einem Grossteil mit Religion zu tun. So sind auf seinem Rücken unter anderem zwei Bibelzitate verewigt. «Es sind Zitate, die zu meinem Leben passen», sagt Schulz. «Sie haben mir in einer schlechten Zeit sehr geholfen. So trage ich sie immer bei mir.» ­ Was genau auf seinem Körper steht, will er lieber nicht in der Zeitung lesen. «Das soll mein kleines Geheimnis bleiben.»

Physiotherapeut liest aus Bibel vor

Marvin Schulz, Jahrgang 1995, ist in Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Schon von klein auf hat Schulz die Religion begleitet, doch erst als Fussballprofi wurde sein Glaube stärker. Dies hat mit einer schwierigen Zeit zu tun, die Schulz durchleben musste. Nach seinen ersten Einsätzen für Borussia Mönchengladbach verletzte sich der einstige deutsche U-Nationalspieler schwer. Er musste sich mit Adduktorenproblemen herumschlagen, an Mannschaftstraining war lange nicht zu denken. «Es war damals eine sehr schwierige Zeit für mich. Ich habe mich vom Physiotherapeuten Andreas Blum auch zu Hause behandeln lassen. So habe ich den Weg zur Religion nochmals deutlicher gefunden. Er war schon mehr im Glauben drin und hat mich da auch eingeführt», erzählt Schulz. Blum habe manchmal passende Verse aus der Bibel vorgelesen, oft haben die beiden einfach geredet. «Wir haben tiefgründige Gespräche geführt. Andreas war mehr als nur ein Physiotherapeut, er war wie ein Freund, dem ich alles anvertrauen konnte.» Dank des Glaubens habe er es aus der schwierigen Phase zurück auf den Fussballplatz gebracht.

«Der Glaube gibt mir Halt in schwierigen Zeiten. So habe ich die Phase auch überwinden können.»

Im Sommer 2017 wechselte er von Borussia Mönchengladbach nach Luzern.

Für Marvin Schulz ist es im Interview mit unserer Zeitung das erste Mal überhaupt, dass er öffentlich über seinen tiefen Glauben spricht. «Wahrscheinlich ist es auch das letzte Mal», meint er. Denn eigentlich ist Schulz einer, der nicht zu viel von sich preisgeben will. «Privatsphäre ist wichtig. Wenn man nur noch in der Öffentlichkeit steht, wird der Druck auch etwas gross.»

Marvin Schulz ist aber bei weitem nicht der einzige gläubige Fussballer. Im Gegenteil: Unter Fussballern scheint die Religion Trend zu sein. Dortmunds Roman Bürki und Bayerns Jérôme Boateng haben die Jungfrau Maria auf den Unterarm tätowiert. Bei ihren jeweiligen Champions-League-Triumphen zeigten auch der Österreicher David Alaba (2013 mit Bayern München) und der Brasilianer Neymar (2015 mit Barcelona) ihren Glauben. Alaba bejubelte den Triumph mit einem T-Shirt mit der Botschaft «Meine Kraft liegt in Jesus», Neymar mit einem Stirnband mit der Aufschrift «100% Jesus». Auch die Trainer Jürgen Klopp (Liverpool) und Heiko Herrlich (Ex-Bayer Leverkusen) stehen öffentlich zu ihrem Glauben. Letzterer hat bei Streitigkeiten innerhalb des Teams sogar schon aus der Bibel vorgelesen. Als ein Spieler einen Co-Trainer beschimpft hatte, hatte Herrlich diesen nicht rausgeworfen, sondern vor dem Team die Stelle aus dem Johannes-Evangelium vorgelesen, in der Jesus sagte: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.»

Eine solche Massnahme würde sich Marvin Schulz von seinen Trainern durchaus vorstellen. «Ich denke, aus der Bibel kann man viel lernen», sagt Schulz. «Aber so was muss natürlich auch zum Trainer passen. Einige mögen die Religion nicht, das akzeptiere ich.» Selber liest Schulz regelmässig in der Bibel, die bei ihm stets auf dem Nachttisch liegt. «Ich lese die Bibel aber nicht von A bis Z durch, sondern suche mir diejenigen Verse, die für mich in der Situation gut zutreffen», sagt er.

«Ich lebe den Glauben so, wie ich es für passend erachte»

Fussballer haben teilweise den Status von Popstars, sie werden von den Fans angehimmelt wie Götter. Insbesondere in der deutschen Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach erlebte dies Marvin Schulz hautnah. «Dort wirst du wirklich oft angesprochen, es ist eine ganz andere ­Dimension als hier in Luzern.» Ob sich genau deshalb viele Fussballer selber ­jemanden wünschen, zu dem sie hochschauen können, will Schulz pauschal nicht beantworten. «Ich weiss nicht, warum viele Fussballer gläubig sind. Aber ich denke, im Fussball ist es ähnlich wie sonst in der Gesellschaft. Es gibt sowohl sehr gläubige Spieler als auch solche, die mit Religion wenig anfangen können.» Auf die Frage, ob Religion im Zeitalter von Social Media und Tattoos bei Fussballern auch mit Lifestyle zu tun habe, sagt Marvin Schulz: «Bei mir auf jeden Fall nicht.» Jedoch sagt er zu seiner Ausführung des Glaubens im Alltag auch: «Ich lebe nicht streng katholisch, sondern ich lebe den Glauben so, wie ich es für passend erachte. Und ich glaube auch, dass der liebe Gott das so für mich geplant hat.»

Wer sich vorstellt, dass Marvin Schulz in der Kabine seinen Mitspielern aus der Bibel vorliest, der irrt. In der Mannschaft sei die Religion selten Thema. Beim FCL habe er noch mit keinem Mitspieler darüber diskutiert. Auch nicht mit Blessing Eleke, dem sehr gläubigen nigerianischen Stürmer beim FC Luzern. «Im Team sprechen wir mehr über Fussball als über solche Dinge», meint Schulz. Seine Bibelzitate auf dem Rücken hätten die Mitspieler zwar beachtet. Grössere Gespräche gab es deswegen aber nicht. «Und Konflikte zwischen verschiedenen Religionen habe ich noch gar nie erlebt», sagt Schulz. «Auf dem Platz sind alle gleich. Da spielt die Religion überhaupt keine Rolle.»

«Weihnachten bedeutet Familie»

Und doch ist Schulz’ Fussballerleben eng mit der Religion verbunden. Vor einer Partie betet er meist kurz, danach länger. Wie er genau bete, will Schulz nicht verraten. Um Sieg oder Niederlage gehe es nicht. Während des Fussballspiels selber sei Gott präsent, auch wenn das mit der Nächstenliebe nicht ganz vereinbar ist. So muss Schulz als defensiver Mittelfeldspieler auch Fouls begehen. «Gott ist immer da. Aber daran denke ich während des Spiels nicht. Ich fokussiere mich dann voll auf den Fussball», sagt Schulz. Nach einem Tor halte er hingegen auch kurz mal inne und danke Gott.

Nach dem fünften Rang in der Vorrunde sind für den FCL-Profi seit einer Woche Winterferien angesagt. Der heutige Heilige Abend und die Weihnachtstage verbringt er bei seiner Familie in Deutschland, danach geht es an die Wärme. Das anstehende Fest ist für Marvin Schulz wichtig: «Weihnachten bedeutet die Geburt von Jesus Christus, das bedeutet mir viel», sagt er. «Es ist eine schöne Zeit, in der es darum geht, die Zeit mit der Familie und den Liebsten zu geniessen.» Eine Zeit, bei der Marvin Schulz sicher auch einfach mal innehält und eine Kerze anzündet.

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