BILANZ: Wertvollster FCL-Spieler ist Dimitar Rangelov

Der FC Luzern hat in dieser Saison zwei Gesichter gezeigt. Nur Stürmer Dimitar Rangelov ist sowohl in der Vor- wie in der Rückrunde eine verlässliche Stütze gewesen.

Daniel Wyrsch
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Dimitar Rangelov bejubelt eines seiner 17 Saisontore für den FCL – hier im Cup in Nyon gegen Terre Sainte. (Bild: Philipp Schmidli)

Dimitar Rangelov bejubelt eines seiner 17 Saisontore für den FCL – hier im Cup in Nyon gegen Terre Sainte. (Bild: Philipp Schmidli)

Dimitar Rangelov: Note 5  Das Spiel ist heuer auf ihn zugeschnitten. In 31 Spielen (inklusive Cup) erzielt er 17 Tore, kämpft und passt. Dem FCL ist er zu teuer, er erhält kein neues Angebot.  Spiele: 26 (2176 Minuten). Tore/Assists: 11/5. Rote Karten: 2. Gelbe Karten: 5. (Bild: Philipp Schmidli)
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Adrian Winter: Note 4,5  Kämpferisch und läuferisch bringt der Flügelspieler seine Leistung immer. Die Einstellung ist top. Spielerisch und technisch gibt es aber ein paar Abstriche.  Spiele: 36 (2934 Minuten). Tore/Assists: 5/8. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 2. (Bild: Philipp Schmidli)
Michel Renggli: Note 4,5  Für die Mannschaft ist der Captain auf der Sechserposition oft wertvoll. Zum Saison- und Rückrundenstart ist er jedoch ziemlich behäbig. Karrierenende.  Spiele: 27 (1946 Minuten). Tore/Assists: 1/2. Rote Karten: 1. Gelbe Karten: 2. (Bild: Philipp Schmidli)
Remo Freuler: Note 4,5  Kompliment an den FCL-Neuling. Nach zwei Jahren bei Winterthur in der Challenge League macht er im Luzerner Mittelfeld meist eine gute Figur.  Spiele: 12 (915 Minuten). Tore/Assists: 1/2. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Alain Wiss: Note 4,5  Macht auf dem Platz einen grossen Schritt zur Persönlichkeit. Ist kämpferisch immer bereit, macht zwei Klasse-Kopfballtore. Spielerisch mit Luft nach oben.  Spiele: 26 (1806 Minuten). Tore/Assists: 3/2. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 6. (Bild: Philipp Schmidli)
Jahmir Hyka: Note 4,5  Mit seinem Traumtor zum 1:0-Sieg gegen St. Gallen deutet er an, was in ihm steckt. In mehreren Spielen der Rückrunde agiert er wie eine Teamstütze.  Spiele: 30 (1581 Minuten). Tore/Assists: 2/4. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 0. (Bild: Philipp Schmidli)
Yassin Mikari: Note 4,5  Seine Einsatzzeit ist enttäuschend, denn er war selten verletzt und wurde als Stammspieler geholt. Immer wieder, vor allem am Schluss, blitzt seine Klasse auf.  Spiele: 30 (1776 Minuten). Tore/Assists: 2/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Mahmoud Kahraba: Note 4,5  Mit sieben Toren und einem Assist in 900 Minuten sehr effizient. Kein Teamplayer. Der FCL kann ihn nicht führen, der Vertrag wurde aufgelöst.  Spiele: 16 (900 Minuten). Tore/Assists: 7/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4. (Bild: Philipp Schmidli)
Lorenzo Bucchi: Note 4,5  Der Ersatztorhüter hat in seinen Partien Sicherheit ausgestrahlt. Für eine schlüssige Beurteilung sind 190 Einsatzminuten zu wenig, dazu braucht es 20 Spiele.  Spiele: 3 (190 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Haxhi Nezirj: Note 4  Dem Seetaler gelingen im letzten Saisonmatch gegen Thun eine auffällige Leistung und der einzige Assist. Schade, ist er längst nicht immer so engagiert.  Spiele: 8 (223 Minuten). Tore/Assists: 0/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Dario Lezcano: Note 4  Beim Paraguayer gibt es praktisch keine Grauzone, nur schwarz und weiss. Entweder spielt er schwach oder mit der Klasse eines internationalen Stürmers.  Spiele: 27 (1288 Minuten). Tore/Assists: 5/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Sava Bento: Note 4  Schafft nach zweieinhalb Jahren das Super-League-Comeback. Richtig durchzusetzen vermag er sich nicht, der technisch Begabte bleibt wohl im Team.  Spiele: 6 (205 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 0. (Bild: Philipp Schmidli)
Xavier Hochstrasser: Note 4  Scheint beim Trainer schlechte Karten im Mittelfeld zu haben. Als rechter Aussenverteidiger macht er sich nicht schlecht, zum Schluss ist er verletzt.  Spiele: 14 (1033 Minuten). Tore/Assists: 0/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Fidan Aliti: Note 4  Der Neuling spielt erstaunlich gute erste Partien in der Super League. Bisweilen muss er seine Nervosität ablegen können - wie zum Beispiel in Basel. Spiele: 8 (417 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Sally Sarr: Note 4  Hervorragende und schwache Leistungen wechseln sich immer noch zu oft ab. Hin und wieder gehen ihm das taktische Gespür und das Stellungsspiel ab. Spiele: 23 (1769 Minuten). Tore/Assists: 1/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4.  (Bild: Philipp Schmidli)
Claudio Lustenberger: Note 4  Der dienstälteste Feldspieler zeigt eine gute Vorrunde, die Rückrunde misslingt ihm wie dem Team. Holt er wie gegen Thun alles aus sich heraus, ist er wertvoll. Spiele: 27 (2276 Minuten). Tore/Assists: 1/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 9.  (Bild: Philipp Schmidli)
Tomislav Puljic: Note 4  Für den Abwehrchef ist es eine schwierige Saison, da früh klar ist, dass er gehen muss. Zwei Eigentore sind kein Zufall. Insgesamt hält er sich passabel. Spiele: 34 (2995 Minuten). Tore/Assists: 2/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 7.  (Bild: Philipp Schmidli)
Oliver Bozanic: Note 4  Der Australier schlägt letzten Sommer mit fünf Toren aus vier Spielen ein. Nach einer Verletzung im Spätherbst bleibt er zuletzt hinter den Erwartungen zurück.  Spiele: 28 (1923 Minuten). Tore/Assists: 5/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4.  (Bild: Philipp Schmidli)
David Zibung: Note 4   Seit bald zehn Jahren der Stammgoalie des FCL. Mit der Verunsicherung des Teams ist auch er nicht immer der Rückhalt gewesen, den er hätte sein sollen. Spiele: 35 (3050 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 1. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Jérôme Thiesson: Note 3,5  Es geziemt sich nicht, dem Trainer in die Aufstellung zu reden. Bei «Jeje» machen wir es doch: Er ist als zentraler Aufbauer überfordert, ist dort ein Risikofaktor. Spiele: 24 (1852 Minuten). Tore/Assists: 0/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 6. (Bild: Philipp Schmidli)
Françcois Affolter: Note 3,5  Der Verteidiger hat die letzte Chance in der Super League, sagt auch Alex Frei. Er muss beissen wie zuletzt gegen Thun. Körperlos, wie gegen YB, geht nicht.   Spiele: 10 (728 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Florian Stahel: Note 3,5  Auch er spielt ohne neuen Vertrag. Die Vorrunde ist ungenügend. Er erhält in dieser Saison drei Platzverweise, zeigt im Frühling aber auch gute Spiele.  Spiele: 32 (2801 Minuten). Tore/Assists: 1/2. Rote Karten: 3. Gelbe Karten: 10. (Bild: Philipp Schmidli)
Hekuran Kryeziu: Note 3,5  Zehn Spiele, die meisten als Einwechselspieler, sind zu wenig für das «Juwel» (Murat Yakin). Die 3,5 bedeutet: So kann seine Karriere nicht weitergehen!  Spiele: 10 (347 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4. (Bild: Philipp Schmidli)
Daniel Gygax: Note 3,5  Beim FCL erneut vom Verletzungspech verfolgt. Schafft es nicht mehr richtig in das Team zurück, wechselt in der Rückrunde früh zum FC Aarau. Spiele: 6 (190 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 0. (Bild: Philipp Schmidli)

Dimitar Rangelov: Note 5

Das Spiel ist heuer auf ihn zugeschnitten. In 31 Spielen (inklusive Cup) erzielt er 17 Tore, kämpft und passt. Dem FCL ist er zu teuer, er erhält kein neues Angebot.

Spiele: 26 (2176 Minuten). Tore/Assists: 11/5. Rote Karten: 2. Gelbe Karten: 5.

(Bild: Philipp Schmidli)

Wenn es nach FCL-Trainer Carlos Bernegger (45) gegangen wäre, hätte es keine Frage gegeben. Er hätte Dimitar Rangelov (31) in Luzern behalten. «Er hat sich unter meiner Führung stets wie ein vorbildlicher Profi verhalten», sagt Bernegger über den bulgarischen Nationalspieler. Anders als in der ersten Saison beim FCL, in der er sich einige Aussetzer auf und neben dem Platz geleistet hatte, liess sich Rangelov heuer kaum etwas zu Schulden kommen. Zwar bekam er zu Saisonbeginn wegen Reklamierens eine gelb-rote Karte bei der 2:4-Niederlage in Aarau und Mitte der Vorrunde sogar einen direkten Platzverweis im Heimspiel gegen GC (1:2), nachdem ihm in der 9. Minute Toko überaus aggressiv aufs Bein gestanden war, trat der Heisssporn aus Sofia nach. Doch seither hat sich Rangelov nur noch von seiner positiven Seite gezeigt.

Torschütze und Teamplayer

«Carlos Bernegger hat mich mental wieder starkgemacht», bedankte sich der Stürmer letzte Woche beim Trainer, von dem er viel hält. «Seine Philosophie von Fussball verstehen in Luzern noch nicht alle, aber ich kann versprechen, sie führt zum Erfolg», prophezeite Rangelov. Er hat das Vertrauen seinem Coach zurückbezahlt. In Form von Toren (elf in der Meisterschaft, sechs im Cup), aber auch mit gekonnten, öffnenden Zuspielen auf die Flügelspieler sowie mit Lauf- und Kampfbereitschaft. Die Nummer 9 rackerte nicht selten sogar bis im eigenen Strafraum, um den Ball zurückzuerobern. Der treffsicherste Luzerner verwandelte sich in dieser Saison zum Teamplayer. Wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten? Dass Rangelov Fussball spielen kann, war zwar bald klar, aber die meisten hielten ihn lange für einen Egoisten.

Wie ein Götti für Kahraba

Und dann war da noch diese spezielle Geschichte mit Mahmoud Kahraba. Für den heute 20-jährigen Ägypter war Rangelov wie ein Götti. «Er ist wie ich es war in diesem Alter. Ich dachte damals auch, ich sei der Grösste, und ich kümmerte mich nicht um Teamfragen. Wir verstanden uns gut, schade ist er an den Sportchef Alex Frei geraten. Kahraba hätte hier zum Topstürmer reifen können.»

Stattdessen hat der FCL den Vertrag aufgelöst. Auch Rangelovs Option wurde nicht eingelöst. Ein neues, tieferes Angebot hat er nie erhalten. Er wäre gerne in Luzern geblieben, das zeigten auch seine Tränen am Sonntag beim Abschied vom Team und den Fans.