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Darum hat der FC Luzern den derzeit schwächsten Angriff seit dem Jahr 2008

Der FC Luzern ist in den ersten vier Spieltagen unter den Erwartungen geblieben. Grund für eine erste Bilanz.
Daniel Wyrsch
Thomas Häberli (hier mit Mittelfeldspieler Idriz Voca) sucht noch die richtige Offensivtaktik. (Bild: M. Meienberger/Freshfocus (Luzern, 11. August 2019))

Thomas Häberli (hier mit Mittelfeldspieler Idriz Voca) sucht noch die richtige Offensivtaktik. (Bild: M. Meienberger/Freshfocus (Luzern, 11. August 2019))

Man sollte den Teufel nicht schon an die Wand malen. Es sind ja erst vier Runden der neuen Saison gespielt. Trotzdem: Der FC Luzern zeigt in der Offensive Leistungen, die für alle Beteiligten alarmierend sein müssen. Mit dem 0:0 gegen Zürich, dem 0:1 in Genf gegen Aufsteiger Servette und dem 0:2 gegen Thun am Sonntag haben die Luzerner erstmals seit rund elf Jahren drei Super-League-Partien hintereinander ohne Torerfolg beendet. Das letzte Mal hatte der FCL einen derart harmlosen Angriff ohne Treffer von Mitte September bis Ende Oktober 2008: Gleich vier Ligaspiele in Serie trafen die Innerschweizer damals nicht ein einziges Mal ins gegnerische Tor. Unter dem 2012 verstorbenen Roberto Morinini verlor der FCL nacheinander in Basel (0:2), in Vaduz (0:1), gegen Zürich (0:3) und bei Neuchâtel Xamax (0:1).

Für den glücklosen Coach, der zuvor Ciriaco Sforza ersetzt hatte, war danach Schluss. Morinini musste Luzern nach nur sechs Spielen verlassen, er hatte bloss einen Punkt gewonnen. Nachfolger Rolf Fringer schaffte mit dem FCL trotz der von den Vorgängern hinterlassenen Starthypothek von zwei Punkten aus zwölf Partien den Ligaerhalt via einer hochemotionalen Barrage gegen Lugano (0:1, 5:0).

Die Barrage ist seit der vergangenen Saison zurück in der Liga. Noch ist es zu früh, um seriös sagen zu können, wohin die Luzerner Reise führt. Klar ist jedoch, dass sich die Mannschaft von Thomas Häberli auf keinem sicheren Fundament bewegt, sollten die Ladehemmungen in den nächsten Wochen und Monaten nicht behoben werden.

Bei unserer Zwischenbilanz nach vier Spieltagen fokussieren wir uns auf fünf Protagonisten:

Christian Schwegler: der Kritik übende Routinier

Christian Schwegler (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Christian Schwegler (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Der 35-jährige Verteidiger Christian Schwegler ist die letzte erfahrene Identifikationsfigur, die der Mannschaft geblieben ist. Claudio Lustenberger (32) trat Ende letzter Saison zurück und ist nun Talentmanager, David Zibung (35) hat als dritter Goalie aktuell einen Stammplatz auf der Tribüne – und Christian Schneuwly (31) verliess vor zwei Wochen freiwillig den Klub. Er war unzufrieden, weil ihm in Aussicht gestellt worden war, künftig weniger zu spielen. Dazu wurde der auslaufende Vertrag nicht verlängert. Ex-Captain Schneuwly unterzeichnete inzwischen bei Lausanne einen Vertrag bis 2021.

Der «letzte Mohikaner» Schwegler hielt sich am Sonntag nach der Heimpleite gegen Thun und dem Pfeifkonzert der Fans nicht zurück. Im «Teleclub» sagte der gebürtige Ettiswiler mit säuerlichen Miene, wo der Schuh drückt: «Wir sind momentan sehr ungefährlich vor dem Tor.» Schwegler atmete tief durch und erklärte ehrlich, wie er spielen lassen würde: «Aus meiner Sicht ist es ein zu wenig mutiger Auftritt, den wir auch gegen Thun wieder zeigten. Wir müssten versuchen, weiter vorne zu attackieren, damit wir schneller vor dem gegnerischen Tor sind.» Es ist nicht zum ersten Mal, dass Schwegler die Taktik eines Luzerner Trainers in Frage stellt. Kritik am Coach hatte er schon im letzten halben Jahr von Markus Babbel geübt.

Thomas Häberli: der unter Zugzwang stehende Coach

Thomas Häberli (Bild: Philipp Schmidli)

Thomas Häberli (Bild: Philipp Schmidli)

Die taktische Ausrichtung gibt derzeit Thomas Häberli (45) vor. Dessen Handschrift ist nach sieben Pflichtspielen noch nicht erkennbar, der Trainer sucht noch immer nach der passenden offensiven Zusammensetzung. Weil die Mannschaft europäisch bis Donnerstag (Rückspiel bei Espanyol Barcelona nach einem hoffnungslosen 0:3 im Hinspiel) vier Wochen lang im Einsatz gestanden ist, hat Häberli oft rotieren lassen. Gegen Thun war das Team beim 0:1 erstmals auch in der Abwehr schlecht organisiert gewesen. «Wir verhielten uns naiv und unerfahren», stellte Häberli fest. Er selber war vor Luzern nie Cheftrainer bei den Profis gewesen. Rund sechs Monate ist der Nachfolger des entlassenen René Weiler inzwischen beim FCL tätig. Der frühere YB-Goalgetter Häberli muss die derzeit harmloseste Offensive der Liga (2 Treffer) bald von der Torflaute befreien. Weitere Nuller in Sion (25. August) und gegen YB (1. September) sowie erst recht am nächsten Sonntag im Cup bei Calcio Kreuzlingen darf er sich vor der Länderspielpause nicht leisten.

Marius Müller: der starke Rückhalt

Marius Müller (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Marius Müller (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Als Torhüter Marius Müller (26) unserer Zeitung das erste Interview gab, versprach der Deutsche: «Wir werden viel Spass zusammen haben.» Freude hat der ehemalige Goalie von RB Leipzig und Kaiserslautern beim FCL mit seinen durchs Band guten Leistungen bislang gemacht. Müller ist ein sicherer Rückhalt, die Abwehr kann sich auf den Schlussmann verlassen. Nach der dritten Niederlage in der vergangenen Woche war bei Müller der Spassfaktor aber verflogen. Vor den Journalisten erklärte er den Stürmern, wie das Toreschiessen geht. «Haut das Ding mit aller Macht über die Linie.» Und auch das schläfrige Abwehrverhalten seiner Vorderleute gegen Espanyol und Thun nervte den ehrgeizigen Profi.

Remo Meyer: der Sportchef mit der durchzogenen Bilanz

Remo Meyer (Bild: Nadia Schärli)

Remo Meyer (Bild: Nadia Schärli)

Sportchef Remo Meyer (38) gelang mit Marius Müller ein Coup. Ein Jahr nach der mit Mirko Salvi ungenügenden Ersetzung des zum FC Basel abgewanderten Jonas Omlin, hat der FCL wieder einen Goalie, auf den Verlass ist. Die weiteren Neuzugänge Francesco Margiotta und Aziz Binous sowie des erst kürzlich verpflichteten Senegal-U23-Internationalen Ibrahima Ndiaye benötigen aber noch Eingewöhnungszeit.

Meyer hat zudem Christian Schneuwly (31) trotz gültigem Vertrag bis Ende Saison ablösefrei zu Lausanne ziehen lassen. Dabei hat er nicht nur eine Identifikationsfigur, sondern den besten Luzern-Skorer der letzten dreieinhalb Jahre (119 Ligaspiele, 14 Tore, 32 Assists) abgegeben. Ob Meyer damit Schneuwlys Lohnkosten eingespart hat, oder ob er nicht besser auf die Forderung des Leistungsträgers auf eine Vertragsverlängerung bis 2021 eingegangen wäre, wird sich erst später zeigen. Auch Valeriane «Vako» Gvilia wollte Meyer trotz Vertrags bis 2020 nicht aus der Leihe in Polen zurückholen.

Ruben Vargas: der vermisste schnelle Flügel

Ruben Vargas (Bild: Philipp Schmidli)

Ruben Vargas (Bild: Philipp Schmidli)

Kurz nach dem Trainingsstart war klar: Ruben Vargas (21) verlässt die Swisspor-Arena mit dem Ziel Bundesligist FC Augsburg. Mindestens 3 Millionen Franken hat der Verkauf des schnellen Aussenangreifers in die klamme Kasse des FCL gespült. Zwölf Monate nach Jonas Omlins Transfer zum FCB für 2,3 Millionen Franken wird Meyer dem Vernehmen nach mit dem Vargas-Deal erneut für schwarze Zahlen in Luzern sorgen. Dagegen hat Häberli Zweifel, dass Ersatz Ndiaye noch nicht so weit ist, eine ähnliche Bilanz wie Vargas im Vorjahr (31 Ligaspiele, 8 Tore, 8 Assists) zu erreichen. Zusammen mit Schneuwly (4 Tore, 8 Assists) ist dem FCL viel Offensivpower verloren gegangen.

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