Darum tut sich Meister YB mit dem FC Luzern schwer

Wenn Luzern und YB in dieser Saison gegeneinander spielen, ist es meist eng. Der FCL ist das einzige Schweizer Team, das die Berner bezwingen konnte – und das gleich doppelt. Experten sagen: Luzern hat verstanden, wie man gegen YB spielen muss.

Raphael Gutzwiller
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Szene aus dem Cup-Spiel FCL – YB: FCL-Goalie Zibung klärt gegen Sow. (Bild: Claudio de Capitani/Freshfocus (Luzern, 6. März 2019))

Szene aus dem Cup-Spiel FCL – YB: FCL-Goalie Zibung klärt gegen Sow. (Bild: Claudio de Capitani/Freshfocus (Luzern, 6. März 2019))

Noch immer sind sie beinahe makellos an der Spitze der Super League: die Young Boys. Ob die Berner erneut Schweizer Meister werden, steht nicht mehr zur Diskussion, unklar ist lediglich noch der Zeitpunkt. Trotz Basels Siegesserie zuletzt könnte dies bereits am 14. April im Spiel gegen Zürich der Fall sein.

Dazu müssten die Berner jedoch heute gegen den FC Luzern gewinnen – das ist für YB gar nicht so leicht. In dieser Saison kristallisierte sich der FCL nämlich nicht gerade als Lieblingsgegner der Berner heraus. Bis heute ist Luzern das einzige Schweizer Team, das den Meister bezwingen konnte. Gleich zweimal gelang dies: unter René Weiler im Ligaspiel in Bern (3:2) und unter Thomas Häberli im Cup-Viertelfinal in Luzern (4:0). Selbst beim einzigen Spiel in dieser Saison, das YB gegen Luzern gewinnen konnte, ärgerten die Innerschweizer die Berner zumindest ein bisschen. Im dritten Saisonspiel kassierte YB gegen den FCL den ersten Gegentreffer der Saison, gewann jedoch mit 3:2.

«Luzern hat sich offenbar jeweils gut auf YB eingestellt»

, analysiert Ivan Benito, Fussballexperte und Ex-YB-Goalie. «Man darf gegen die Berner nicht zu tief verteidigen, sondern muss hoch stehen und den Gegner früh unter Druck setzen. Denn wenn man sie spielen lässt, sind sie ungemein gefährlich, da die Young Boys immer eine hohe Präsenz im gegnerischen Strafraum haben.» Zudem verfüge Luzern mit schnellen Spielern, allen voran Talent Ruben Vargas, über Spieler, die in Umschaltmomenten für Gefahr sorgen können. Benito sagt: «Es ist auch ein Vorteil, dass die Luzerner Spieler wissen, wie die Spielidee des gegnerischen Trainers ist.» Gerardo Seoane wechselte im letzten Sommer vom FC Luzern zu den Young Boys.

Und tatsächlich haben die Luzerner ihren Ex-Trainer ausgerechnet mit dessen eigenen Mitteln geschlagen. Seoane hat beim FC Luzern auf hohes Pressing und schnelle Umschaltmomente gesetzt. Ähnlich trat Luzern beim Sieg unter Trainer René Weiler auf, genauso besiegte man YB mit dem neuen Chef Thomas Häberli und einer Galavorstellung im Cup-Viertelfinal mit 4:0. «Luzern ist aber trotzdem kein Angstgegner von YB», meint Fabian Ruch, Fussballjournalist bei der Berner Zeitung. «Eine wirklich schwache Leistung hat YB nur im Cupspiel gezeigt. Dort zeigten die Luzerner deutlich grösseren Willen und waren überlegen. Aber das verlorene Meisterschaftsspiel hätte YB gerade so gut gewinnen können.»

Spezielles Duell wegen Seoane und Meisterparty

Dennoch sei das Duell gegen Luzern für YB speziell. Zum einen deshalb, weil es das Aufeinandertreffen von Seoane mit seinem Ex-Verein sei, zum anderen aber auch, weil man mit Luzern noch immer die grosse Meisterparty am 28. April 2018 verbindet. «Jener Abend blieb natürlich auch bei den Spielern in Erinnerung», sagt Ruch. Damals demons­trierte Gerardo Seoane, wie man gegen YB auftreten muss. In einem unglaublichen Spiel siegte YB schliesslich auch mit reichlich Dusel mit 2:1 und sicherte sich den Meistertitel. Nun kommt es heute (20.00) zum erneuten Aufeinandertreffen. «Für YB wird es auch diesmal nicht leicht gegen Luzern», ist sich Benito sicher. «Aber ich denke, dass sich YB für das 0:4 im Cup revanchieren will.»

Beruhigend für die Berner: Beim fünften und letzten Aufeinandertreffen der Saison werden sie ziemlich sicher etwas zu feiern haben. Nach der Partie gegen den FC Luzern wird ihnen am 25. Mai der Meisterpokal überreicht.

Folgt FCL-Trainer Thomas Häberli plötzlich auch dem Lockruf aus Bern?

YB-Trainer Gerardo Seoane könnte neuer Cheftrainer von Gladbach werden. Dann stünde wohl plötzlich FC-Luzern-Trainer und YB-Legende Thomas Häberli in Bern hoch im Kurs. Angst vor einem Abgang hat FCL-Sportchef Remo Meyer derweil nicht – obwohl Häberlis Vertrag im Sommer ausläuft.
Raphael Gutzwiller