Der FC Luzern und Thomas Häberli trennen sich per sofort – erste Kandidaten machen die Runde

Der FC Luzern hat sich per sofort von Trainer Thomas Häberli getrennt. Damit half dem unter Druck geratenen Coach auch der 2:1-Sieg am Sonntag gegen Basel nichts mehr. 

Daniel Wyrsch
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Thomas Häberli wurde per sofort freigestellt.

Thomas Häberli wurde per sofort freigestellt.

Corinne Glanzmann

Kurz vor 12.30 Uhr am Mittag wurde am Montag das Mail in der FCL-Geschäftsstelle verschickt. Der Titel der Medienmitteilung konnte niemanden mehr überraschen: «Der FC Luzern und Thomas Häberli trennen sich per sofort.»

Häberli erfuhr am Montagmorgen von der Freistellung, sein Vertrag läuft noch bis Ende Juni. Er war Luzerns siebter Trainer in achteinhalb Jahren seit der Super-Ligist im Juli 2011 in die Swisspor-Arena einzog. Der Ex-YB-Stürmer übernahm das Amt im Februar vom entlassenen René Weiler und führte den FCL von Rang 7 auf 5. In dieser Saison lief es nicht mehr so gut: Der FCL ist zur Halbzeit mit 18 Punkten aus 18 Spielen auf Platz 8, vier Zähler vor Xamax und dem Barrage-Rang. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Man habe es sich nicht einfach gemacht, wird Sportchef Remo Meyer in der Medienmitteilung zitiert. Aber die Mannschaft habe sich während eines grossen Teils der Vorrunde nicht so präsentiert, wie man sich das vorgestellt habe. «Mit Blick auf die Rückrunde wollen wir einen neuen Impuls und ein Zeichen setzen.» Weitere Auskünfte, auch über mögliche Nachfolger von Thomas Häberli, gab der FCL am Montag mit Verweis auf die heutige Medienkonferenz nicht.

Die Trennung ist nicht überraschend, hatte sie doch eine längere Vorgeschichte. Angefangen hat es mit einem Interview Meyers auf «Zentral Plus»: Am Tag nach der 1:2-Heimniederlage gegen Servette hatte er kritisiert, dass Häberli zu wenig aus dem Potenzial der Mannschaft heraushole. Besonders hart daran war, dass Meyer dem Coach zu Beginn der 14-tägigen Länderspielpause nicht einmal zugesichert hatte, im nächsten Spiel beim FC Zürich an der Seitenlinie zu stehen. Erst nach einer Trainingswoche rang sich der Sportchef dazu durch, in einem Gespräch mit unserer Zeitung zu erklären, dass Häberli zumindest bis zum Match gegen den FCZ weitermachen dürfe. Meyer machte dabei den Eindruck, nicht sicher zu sein, ob er dem Trainer die Verantwortung für alle vier noch ausstehenden Partien bis zur Winterpause geben wolle.

Nach dem Basel-Sieg gab sich Häberli optimistisch

Wie sehr Häberli dieses Spiel mit seiner Person und die öffentliche Blossstellung von Meyer mitnahm, erfuhren vorerst nur die organisierten FCL-Fans. Sie hatten am 14. November in ihrem Lokal Zone 5 einen seit langem geplanten Talk mit dem 45-jährigen Ballwiler abgehalten. Häberli erzählte offen und ehrlich, wie er wenige Tage zuvor von seiner Demontage via Interview erfahren hatte. Per Whatsapp-Mitteilung war ihm der Artikel zugespielt worden. «Als ich den Bericht las, fuhr mir das ein wie einst bei 9/11», verglich Häberli das Meyer-Interview mit dem Anschlag in New York anno 2001. «Ich weiss noch genau, was ich an diesem Tag gemacht habe.»

Gegenüber den Medien war der Seetaler vorsichtiger. Er liess sich nichts anmerken, verrichtete seinen Job wie gewohnt. Am Sonntag nach dem heroischen 2:1-Heimsieg über Basel sprach er optimistisch davon, wie es im Januar weitergehen würde: «Dann haben wir nicht mehr die grossen Verletzungsprobleme.»

Zaubert Meyer einen Vogel aus dem Hut?

Mit der Entlassung von Thomas Häberli beginnt die definitive Suche nach dessen Nachfolger. Ein freier Trainer mit Bezug zum Schweizer Fussball ist Heiko Vogel. Der 44-jährige Deutsche führte den FC Basel 2012 zum Meistertitel und zum Cupsieg (im Final gegen Luzern). Im Oktober desselben Jahres war dann für den Heisssporn Schluss beim FCB, mit dem er nach einem unvergesslichen 2:1-Sieg über Sir Alex Fergusons Manchester United bis in die Achtelfinals der Champions League eingezogen war.

Auch viele Schweizer Trainer sind verfügbar

Vogel arbeitete danach dreieinhalb Jahre als Nachwuchstrainer des FC Bayern München und als Cheftrainer von Sturm Graz. Mit den Grazern wurde er österreichischer Cupsieger. Den KFC Uerdingen (3. Liga) musste er Ende September verlassen. Weitere mögliche Kandidaten als FCL-Coach sind die gegenwärtig freien Schweizer Trainer Stéphane Henchoz, Fabio Celestini, Urs Meier sowie Boris Smiljanic.

Hinweis: Ist die Entscheidung richtig? Jetzt mitdiskutieren: facebook.com/luzernerzeitung

«Einwurf spezial» zur Entlassung von Trainer Thomas Häberli: «Das war von langer Hand geplant»

Das war Trainer Thomas Häberli:

22. Februar 2019: Thomas Häberli den Medien vorgestellt,...
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... nachdem er zum ersten Mal die Mannschaft trainiert hatte.
Packt an: Thomas Häberli.
Thomas Häberlis Einstand als FCL-Trainer: ein 1:1 auswärts beim FC Zürich.
Thomas Häberli tröstet Ruben Vargas nach der 0:1-Niederlage im Cup-Halbfinal gegen Thun.
Thomas Häberli, fotografiert auf der Haupttribüne.
Jubelpose von Thomas Häberli, hier beim 1:1-Ausgleichstreffer durch Francesco Margiotta gegen den FC Lugano.
Thomas Häberli dirigiert die Mannschaft.
Der Abgang: Thomas Häberli bei seinem letzten Spiel als FCL-Trainer gegen Basel.

22. Februar 2019: Thomas Häberli den Medien vorgestellt,... 

Bild: Urs Flüeler / Keystone

Das waren die letzten Trainer des FC Luzern:

Am 1. Juli 2001 eingestellt, am 28. Juli nach einem Punkt aus fünf Meisterschaftsspielen wieder entlassen: Ryszard Komornicki.
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Raimondo Ponte, FCL-Trainer von Juli 2001 bis Juni 2002.
Hans-Peter «Bidu» Zaugg, Cheftrainer von Juli 2002 bis Juni 2003 beim FC Luzern.
Urs «Longo» Schönenberger war von Juli 2003 bis Oktober 2003 FCL-Cheftrainer.
René van Eck war von November 2003 bis Juni 2006 Cheftrainer.
Ciriaco Sforza war 2 Jahre lang (Juli 2006 bis Oktober 2008) Trainer des FC Luzern. Dann wurde er entlassen.
Im August 2008 übernahm der damalige U21-Coach Jean-Daniel Gross als Interimstrainer für kurze Zeit das Ruder.
Roberto Morinini trainierte den FC Luzern nur kurze 2 Monate, nämlich vom 18. August bis zum 26. Oktober 2008. Nach nur sechs Spielen wurde der Tessiner wieder entlassen.
Danach kam Rolf Fringer. Er trainierte den FC Luzern von Oktober 2008 bis Mai 2011. Im Jahre 2015 wurde er dann, bis zu seiner Entlassung ein Jahr später, zum Sportchef des FC Luzern.
Christian Brand trainierte die Mannschaft nach der Entlassung von Rolf Fringer als Interimstrainer von Anfang Mai bis Ende Juni 2011.
Nach Christian Brand übernahm Murat Yakin die Trainerposition. Da unter seiner Obhut die Erfolge der Mannschaft ausblieben, wurde er schon Ende August 2012 wieder freigestellt.
Ryszard Komornicki trainierte den FC Luzern bis Anfang April 2013. Ihm wurde eine 0:4-Niederlage gegen Basel zum Verhängnis.
Dann folgte der erste Auftritt von Gerardo Seoane: Er übernahm im April als Interimstrainer für vier Tage die Mannschaft.
Carlos Bernegger trainierte den FC Luzern von April 2013 bis Oktober 2014. Auch ihm wurde seine schlechte sportliche Bilanz zum Verhängnis und er wurde entlassen. Wieder übernahm Gerardo Seoane als Interimstrainer.
Dann kam Markus Babbel mit einer ungewöhnlich langen Amtszeit: Der Deutsche trainierte die Mannschaft von Oktober 2014 bis Januar 2018.
Mitte Januar 2018 stellte der FC Luzern dann Gerardo Seoane als neuen Cheftrainer vor.
Im Juni 2018 vermeldete der FC Luzern dann die Verpflichtung von René Weiler als neuen Chefcoach. Am Sonntag, 17. Februar 2019 wurde er per sofort freigestellt.
Erster Arbeitstag von Thomas Häberli: 22. Februar 2019.
Trotz 2:1-Sieg gegen den FC Basel: Am 15. Dezember 2019 steht Thomas Häberli zum letzten Mal als Cheftrainer am Rasenfeld.
Ein Tag später teilt der FC Luzern mit: Der FCL und Thomas Häberli trennen sich per sofort.

Am 1. Juli 2001 eingestellt, am 28. Juli nach einem Punkt aus fünf Meisterschaftsspielen wieder entlassen: Ryszard Komornicki.

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