DISZIPLINARKOMMISSION: «Becherwurf»: Der FC Luzern siegt definitiv

Der Protest der Grasshoppers gegen die Wertung des Spiels Luzern-GC (2:1) wird von der Disziplinarkommission der Swiss Football League vollumfänglich abgewiesen. Der FC Luzern wird mit 15'000 Franken gebüsst.

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GC-Spieler Enzo Ruiz liegt nach dem Becherwurf am Boden. (Bild EQ)

GC-Spieler Enzo Ruiz liegt nach dem Becherwurf am Boden. (Bild EQ)

Kleine Rückblende: Am 26. Juli empfing der FC Luzern die Grasshoppers zum aller­ers­ten Meisterschaftsspiel im frisch umgebau­ten Stadion-Gersag in Emmenbrücke.

Beim Stande von 1:1 warf ein Zuschauer in der 90. Minute einen Plastikbecher (zu einem Drittel gefüllt mit Bier) dem an der Seitenlinie stehenden GC-Verteidiger Enzo Ruiz an den Kopf.

Ruiz wurde darauf für kurze Zeit gepflegt und darauf von GC-Trainer Ciriaco Sforza in die Kabine ge­schickt. GC spielte danach unter Protest weiter und erhielt in der Nachspiel­zeit (mit einem Mann weniger) den Spiel entscheidenden Gegentreffer zum 1:2 (Penalty von Michel Renggli).

«Spiele sollen auf dem Rasen entschieden werden»
Die Disziplinarkommission (DK) der Swiss Football League (SFL) hat nun entschie­den. Den Entscheid gaben die FCL-Verantwortlichen in einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz am Mittwochnachmittag bekannt.

Gemäss Entscheid der DK wird der Protest der Grasshoppers vollumfänglich abgewiesen (Protestverfahren). Die DK begründet den Entscheid damit, dass Spiele grundsätzlich auf dem Rasen und nicht am grünen Tisch entschieden werden sollen und dem FC Luzern in Sachen Sicherheit kein Verschulden anzulasten ist.

Die Ansetzung eines Wiederholungsspiels sei ein Ermessensentscheid, betont die DK in ihrer Begründung. Wie die UEFA verfolge auch die Swiss Football League eine zurückhaltende Praxis was Spielwiederholungen angeht.

FC Luzern haftet auch ohne eigenes Verschulden
Allerdings wird dem FC Luzern eine Busse von 15'000 Franken (Sicherheitsverfahren) zugesprochen. Dies weil der FCL gegen das Sicherheitsreglement verstossen hat und in diesem Fall auch ohne eigenes Verschulden für das «ungebührliche Verhalten der Zuschauer» haftbar gemacht werden kann.

Der Entscheid im Protestverfahren (Spielwertung) ist endgültig und definitiv. Der Entscheid im Sicherheitsverfahren (FCL-Busse) kann innerhalb von fünf Tagen angefochten werden.

Grasshoppers akzeptieren den Entscheid
Der Grasshopper-Club Zürich zeigt sich auf seiner Homepage erstaunt darüber, dass ein und derselbe Sachverhalt einerseits eine erhebliche Busse nach sich zieht, andererseits aber auf die Spielwertung keinen Einfluss haben soll.

Wie es auf der GC-Seite weiter heisst, werde der Klub das Urteil aber «trotz dieser störenden Diskrepanz» nicht beim Sportschiedsgericht in Lausanne anfechten.

Petardenwurf-Entscheid noch hängig
Im Zuge des Barrage-Rückspiels Luzern - Lugano (5:0) am Ende der letzten Saison hatte sich ein ähnlicher Vorfall ereignet. Damals erlitt ein Linienrichter nach einem Petardenwurf eine Gehörverletzung. Die Partie stand vor dem Abbruch. Der FCL wurde wegen des Vorfalls mit einer Stadionsperre für ein Spiel belegt.

«Der Wurf eines halbvollen Plastikbechers ist natürlich weit weniger verletzungsgefährdend als der eines harten Gegenstandes», differenzierte Odilo Bürgy, der Präsident der SFL-Disziplinarkommission. Nur weil die Luzerner gegen den Entscheid rekurriert hatten, konnte die Begegnung am 26. Juli gegen die Grasshoppers vor Publikum gespielt werden. Das Verfahren, mit dem sich das Rekursgericht der Swiss Football League beschäftigt, ist noch hängig.

Gusti Gretener / Zisch

Reaktionen: Walter Stierli und Mike Hauser (Beitrag Martin Erdmann):