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EINE MUTIGE WAHL: Unbekannter Meister wird FCL-CEO

FCL-Präsident Philipp Studhalter hat mit der Wahl des neuen CEO alle überrascht. Mit Marcel Kälin (50) holt der FC Luzern einen Geschäftsführer, den es in dieser Art hier nie gegeben hat.
Daniel Wyrsch
Er will für den FCL die Ärmel nach hinten krempeln: der neue Geschäftsführer Marcel Kälin gestern bei seiner Vorstellung im Mediencenter der Swissporarena. (Bild Roger Grütter)

Er will für den FCL die Ärmel nach hinten krempeln: der neue Geschäftsführer Marcel Kälin gestern bei seiner Vorstellung im Mediencenter der Swissporarena. (Bild Roger Grütter)

Ein Mitarbeiter des FC Luzern verteilte kurz vor der gestrigen Medienkonferenz ein A4-Mannschaftsposter mit einer Bildcollage der Meistermannschaft von 1989. Den anwesenden Journalisten war sofort klar, dass der neue Geschäftsführer ein Mitglied des erfolgreichsten FCL-Teams der 115-jährigen Klubgeschichte ist. Präsident Philipp Studhalter schritt anschliessend zusammen mit Medienchef Max Fischer auf das Podium. Der CEO blieb vorerst draussen vor der Tür zum Medienraum, während Studhalter die bereits grosse Spannung um einen Tick erhöhte.

Ein Quiz vor der Präsentation

Der FCL-Verwaltungspräsident führte ein Kurzquiz mit der Frage durch, wer aus der Meistermannschaft der neue CEO sei. Die Antworten Hanspeter Kaufmann und Martin Müller wurden verneint, Studhalter wies auf den Blondschopf in der obersten Reihe, worauf die Ratlosigkeit der Teilnehmer nur noch grösser wurde. Keiner der anwesenden Journalisten kannte den jungen Stürmer, der damals gerade vom FC Einsiedeln nach Luzern gewechselt hatte (mehr dazu in der Box). Klar ist aber: Marcel Kälin (50), der Blondschopf auf dem Bild, wird 27 Jahre später beim FCL eine ganz andere, deutlich grössere Rolle spielen.

Auf den Tag genau drei Monate nach der Bekanntgabe der Absetzung von Ex-Präsident Ruedi Stäger (59) ist Kälin als neuer Geschäftsführer vorgestellt worden. Kälins Vorgänger hatte den Super-League-Klub als geschäftsführender Präsident in einem 60-Prozent-Pensum geleitet. Kälin tritt die Stelle als vollamtlicher CEO am 1. Oktober an. Seit dem Ende von Stägers Präsidentschaft ist Holding-Präsident Studhalter ebenfalls FCL-Präsident.

Zusatzstudium abgeschlossen

Bei der Vorstellung von Kälin stellte Studhalter fest: «Wir sind glücklich, diesen kompetenten Fachmann für den FCL gewonnen zu haben.» Er begründete die Wahl von Kälin aus total 14 Kandidaten mit dessen Erfahrung im Spitzenfussball und als Unternehmer. Zudem habe Kälin in diesem Sommer ein Zusatzstudium in Sportmanagement an der Universität St. Gallen abgeschlossen. Ebenfalls ins Gewicht gefallen ist, dass Kälin als gebürtiger Einsiedler ein Innerschweizer ist. Er lebt seit 1988 in Luzern. Für Studhalter «wird Kälin der Innenminister, ich selber bin der Aussenminister des FC Luzern». Beide werden neue Sponsoren akquirieren.

Besonders beeindruckt hat Studhalter, dass Kälin bereit war, noch einmal zu studieren. «In einem dynamischen Unternehmen wie dem FCL brauchen wir Führungspersonen wie Marcel.»

Im Sport hängen geblieben

Einen beruflichen Erfolg errang Kälin mit der Verpackungsfirma Proderma AG in Schötz. Er baute das Unternehmen zuerst als CEO und später auch als Verwaltungsrat und Teilhaber von einem Sechs-Mann-Betrieb in eine europaweit erfolgreiche Klein-und-Mittelunternehmung mit 180 Angestellten aus. Bis Ende Monat ist er noch CEO und Inhaber der Firma Business 2000 Management, die im Bereich Sport und Medizin tätig ist. Gestern hatte Kälin wenig Zeit, er musste am Nachmittag Verpflichtungen für diesen Arbeitgeber in Zug wahrnehmen.

Kälin freut sich aber sehr, bald auf der Geschäftsstelle in der Swissporarena zu arbeiten. «Es ist mein Ziel gewesen, im Sport in einer leitenden Position tätig zu sein.» Deshalb habe er auch das Zusatzstudium in Sportmanagement gemacht. Beim Zeitungslesen sei er immer entweder auf den Wirtschaftsseiten oder dann im Sport hängen geblieben. «Mein Herz hängt am FCL, mehr oder weniger per Zufall ist diese Position im Verein frei geworden», sagte er lächelnd.

Dank Sohn zurück zum FCL

Er habe den Luzerner Fussball im Stadion als Zuschauer und auch im Juniorenbereich verfolgt, so Kälin. Der langjährige FCL-Mitarbeiter Daniel Frank verriet zudem, dass der neue CEO sich zusammen mit dem Nidwaldner Hotelier Vassily Tsakmaklis stark für das internationale Nachwuchsturnier Pfingstmasters in Luzern eingesetzt hatte. «Kälin und Tsakmaklis schafften es mit Beziehungen und Engagement, dass der einst kleine Anlass ein stolzes Budget von 150 000 Franken erreicht hat.»

Wie viele andere Eltern von jungen Fussballern ist auch Kälin dank seines Sohnes zum Verein gekommen – oder in seinem Fall: zurück zum FCL gekommen. Nick Kälin ist ein 17-jähriger Abwehrspieler, der aktuell in der Luzerner U 18 spielt.

Unter Vorgänger Stäger wies der FCL jährlich ein Defizit von 2 Millionen Franken aus. Wie gelingt Kälin ein besseres finanzielles Resultat? «Mein Ehrgeiz. Als ich mit meiner Firma Proderma anfing, hatten uns die Banken gesagt, dass wir als Schweizer Produzent mit 60 Prozent Export kein Geld bekommen, doch wir sind schliesslich die Nummer 1 in der Schweiz geworden.» Er sei überzeugt, dass er auch beim FCL erfolgreich sein könne. «Doch braucht es dazu tagtäglich Manpower. Der FCL ist eine gute Marke, die man in der Region noch besser verkaufen kann», sagt Kälin.

Bodenständiger Typ

Trotz der sehr schwierigen Herausforderung, die der FC Luzern darstellt, wenn man eines Tages tatsächlich schwarze Zahlen schreiben will, spricht Kälin von einem «Traumjob». Seine Devise: «Ich bin ein Macher, der die Ärmel nach hinten krempeln und anpacken kann.»

Marcel Kälin ist ein unkomplizierter und bodenständiger Typ, den man in dieser Art beim wichtigsten Innerschweizer Sportverein in einer solch wichtigen Position noch nie gesehen hat. Zumindest seit dem Einzug in die Swissporarena vor fünf Jahren.

Marcel Kälin 1988 als FCL-Profi. (Bild: PD)

Marcel Kälin 1988 als FCL-Profi. (Bild: PD)

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