EISHOCKEY: Trainerwechsel ist ein Ritual

Ambri, der Letzte der NLA, hat am Tag nach der Derby-Niederlage gegen Lugano (3:6) seinen Trainer Serge Pelletier gefeuert und durch Hans Kossmann ersetzt. Was bringt der Wechsel an der Bande? Eine Analyse.

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Der neue Übungsleiter Hans Kossmann (Bild) wird in Ambri richtig Feuer machen... (Bild: Keystone)

Der neue Übungsleiter Hans Kossmann (Bild) wird in Ambri richtig Feuer machen... (Bild: Keystone)

Klaus Zaugg

Ambris Trainer Serge Pelletier (49) ist sozusagen auf dem Feld der Ehre gefallen: Er hat den Job nach der Derby-Niederlage (3:6) in Lugano verloren. Wir können es mit leisem Zynismus so sagen: Lange war Ambri an seiner Seele krank, jetzt entlässt es wieder Trainer, Gott sei Dank.

Trainer dürfen kommen und gehen, Ambri aber bleibt bestehen: Die Entlassung des wichtigsten sportlichen Angestellten gehört in Ambri zur Kultur, zum Brauchtum. Viel mehr als bei jedem anderen Hockeyunternehmen. Natürlich hat in den letzten zehn Jahren auch der Kantonsrivale Lugano seinen Chef fleissig gewechselt, im Durchschnitt etwas mehr als einmal pro Saison. Aber das ist die Folge von Missmanagement und nichts weiter als profaner Personalwechsel. Wie soeben mit der Amtsenthebung von Patrick Fischer.

In Ambri aber ist der Trainerwechsel ein Ritual, das vollzogen wird, wenn das Volk nicht mehr zufrieden ist. Sozusagen eine Opferung des vermeintlich Bösen, um die Hockeygötter wieder gnädig zu stimmen. Serge Pelletier, der freundliche, intelligente Kanadier, war eigentlich schon viel zu lange in Amt. Er war im Laufe der Saison 2012/13 für den gestrengen gescheiterten NHL-General Kevin Constantine gekommen. Die bib­lische Amtszeit von beinahe drei Jahren hat er sich mit der überraschenden Playoff-Qualifikation im Frühjahr 2014 verdient.

Im emotionalen Ausnahmezustand

Ambri ist ein Hockeyunternehmen, das sein Überleben der Leidenschaft der Spieler, der Funktionäre und den politischen Beziehungen seiner Macher verdankt. Ein bisschen so etwas wie eine alpin-lateinische Antwort auf die SCL Tigers. Ambri ist, wie Langnau, darauf angewiesen, dass sein Personal immer ein wenig im emotionalen Ausnahmezustand sportliche Heldentaten vollbringt. Der Coach muss nicht nur ein guter Kommunikator in der Kabine und im Tal sein und die Spieler, die Chronistinnen und Chronisten und die Geldgeber auf seine Seite bringen. Das Anfachen von Emotionen muss er auch beherrschen.

Pelletier ist kein Krisenmanager

In Ambri wird bei der Selbstdarstellung gerne auf die Comic-Reihe «Asterix» verwiesen. So wie sich das winzige gallische Dorf gegen die allmächtigen Römer behauptet, so lässt sich Ambri im helvetischen Hockey-Imperium nicht unterkriegen und kuscht schon gar nicht vor Lugano. Als Fremder hier König (Trainer) zu sein, ist daher eher noch schwieriger, als das Dorf der Gallier zu regieren. Deshalb haben es in Ambri die Trainer und Sportchefs noch nie leicht gehabt. Polemik um das sportliche Führungspersonal gehört zur Unternehmenskultur wie das Glockengeläut zur Herde. Die Polemik um Serge Pelletier hatte schon während der letzten Saison begonnen. Die Frage war nicht ob, sondern wann er in diesem Herbst entlassen wird.

Woran ist Pelletier gescheitert? Ganz einfach an zu wenig Substanz im Kader. Vom Typ her ist er kein Krisenmanager und Emotionenmacher. Pelletier neigt eher dazu, milde und verständnisvoll zu agieren und sich in die innere Emigration zurückzuziehen. Weil er fürs raue Hockey-Tagesgeschäft fast ein wenig zu intelligent und zu freundlich ist.

Grosse Unterhaltung mit Kossmann

Nun kommt der grosse Zampano Hans Kossmann. Im schon fast erkalteten Herd der grossen Hockey-Gefühle wird nun wieder richtig Feuer gemacht. Der Unterhaltungswert, den Ambri liefern wird, wird ein grandioser sein. Verteidiger Alain Birbaum und der Stürmer Adrien Lauper haben Fribourg verlassen und sind nach Ambri emigriert, weil sie den gestrengen Hans Kossmann nicht mehr ausgehalten haben. Auch die Punkteproduktion von Thibaut Monnet, der als Topskorer der ZSC Lions 2013 nach Fribourg gekommen war, hatte sich unter Hans Kossmann schliesslich um die Hälfte reduziert.

Kossmann wird die taktische Ordnung, die unter dem sanften Führungsstil von Serge Pelletier etwas verloren gegangen war und es nicht einmal mehr möglich machte, eine 3:0-Führung in trockene Tücher zu bringen (wie zuletzt in Bern), wieder herstellen und dafür sorgen, dass Ambri noch eine Weile im Rennen um die Playoffs bleiben und letztlich den Verbleib in der NLA sichern wird. Sein Vertrag läuft bis im Frühjahr 2017. Kossmann hat durchaus Chancen, bis dahin im Amt zu bleiben. Aber wenn Ambri aufmüpfig, rebellisch, also authentisch bleibt, wird es für ihn spätestens zum Vertragsende auch wieder Zeit, zu gehen.

--- das war nicht eine Stärke des gefeuerten Serge Pelletier. (Bild: Keystone)

--- das war nicht eine Stärke des gefeuerten Serge Pelletier. (Bild: Keystone)