Alpstaeg über den Aktionärsstreit beim FCL: «Es ging um Geld und Macht»

FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg äussert sich erstmals öffentlich über den Aktionärsstreit.

Jérôme Martinu und Cyril Aregger
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Bernhard Alpstaeg FCL-Mehrheitsaktionär zum Aktionärsstreit: «Buben haben gestritten und ‹getäubelt›.»

Bernhard Alpstaeg FCL-Mehrheitsaktionär zum Aktionärsstreit: «Buben haben gestritten und ‹getäubelt›.»

Philipp Schmidli

Hat das lange Schweigen nun ein Ende? Beim FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg scheint die Erkenntnis gereift, dass er sich erstmals öffentlich erklären muss, seit Ende Oktober das Ausmass des heftigen Streits im FCL-Aktionariat von unserer Zeitung öffentlich gemacht wurde. Das Online-Portal nau.ch, ein offizieller Partner des Klubs, hatte den Mehrheitsaktionär für Mittwoch auf den Zürcher Uetliberg zum Mittagessen eingeladen. Der Swiss-por-Patron nahm die Einladung an und willigte auch für ein Videointerview ein.

Im ersten, am Donnerstagmorgen aufgeschalteten Teil hat er über sportliche Belange geredet und etwa angekündigt, dass er mit dem als Trainer letztlich nicht in Frage gekommenen René Van Eck mal zum Mittagessen abmachen wolle. In der zweiten Folge des Internetvideos von Donnerstagabend äusserste er sich nun über den Aktionärsstreit: «Buben haben gestritten und ‹getäubelt›», so der FCL-Mehrheitsaktionär. «Wir haben um Geld, Macht und Positionen gestritten.» Nun könne man sich wieder unterhalten: «Im Augenblick ist das in Ordnung und es bleibt auch so.»

Weiter stellte Alpstaeg klar, dass der FCL für ihn eine «Herzensangelegenheit» sei. Er bleibe Mehrheitsaktionär und habe keine Absicht, seine Anteile am FCL zu verkaufen. «Stand heute», fügte er jedoch einschränkend hinzu. Was in zwei, drei Jahren sei, wisse niemand. Was hat Alpstaeg bewogen, sich nun endlich öffentlich zum Aktionärsstreit und seinen Plänen für den FCL zu äussern? Sein Sprecher Bruno Affentranger erklärt auf Anfrage: «Ein Internet-Video ist ein relativ neues Medium, die Technik stösst bei Bernhard Alpstaeg auf Interesse. Zudem denken wir, dass Bernhard Alpstaeg seine Ansichten in einem Video am authentischsten transportieren kann. Schriftlich gibt es viel mehr Platz für Missverständnisse.»

Alpstaegs Bitte um Entschuldigung

Mitgespielt haben mag auch dies: Alpstaeg hatte am 18. Januar in seiner Rolle als Hauptaktionär und Stadionmehrheitsbesitzer einen Auftritt am traditionellen FCL-Friendship-Dinner mit allen wichtigen Partnern und Sponsoren in der Business Lounge der Swisspor-Arena. Dort, vor über 200 Gästen, nahm er erstmals quasi offiziell Stellung zu den Geschehnissen im Verwaltungsrat.

Übereinstimmend berichteten voneinander unabhängige Gäste des Dinners, dass eine Hauptbotschaft in Alpstaegs launiger Rede ab Manuskript die Bitte um Entschuldigung gewesen sei. Auf Details, etwa die rapportierten Drohungen und Druckversuche an die Adresse seiner Mitaktionäre, sei er nicht eingegangen. Sinngemäss habe er gesagt: «Ich entschuldige mich für mein Fehlverhalten, auch für dasjenige der Aktionäre.» Es gehe eben um viel Geld und um Machtpositionen, der Streit sei sehr heftig gewesen. Aber es sei nicht die Absicht gewesen, den FCL zu treffen. Der Hauptgeldgeber habe auch darüber gesprochen, so die Quellen, dass der Klub finanziell ein eher weniger erfolgreiches Unternehmen sei, aber eines mit viel Ausstrahlung für die Zentralschweiz. Und: Die Aktionäre und Sponsoren hätten nun aber die richtigen Weichen gestellt – Aussagen, die Bernhard Alpstaeg nun auch im Video-Interview wiederholt hat.

Unmittelbar nach der Rede hatte unsere Zeitung bei Alpstaegs Sprecher nachgefragt, und erneut um ein Gespräch mit dem FCL-Geldgeber gebeten, da sich mit seinen zumindest halböffentlichen Äusserungen die Ausgangslage ja geändert habe. Eine Zusage ist bislang ausgeblieben.

Bis Ende September soll es eine Lösung geben

Inzwischen haben sich die Aktionäre auf einen Waffenstillstand geeinigt. Am runden Tisch wird über die künftigen Besitzverhältnisse verhandelt. Alpstaeg und Sawiris liessen sich bislang in den Gesprächen vertreten. Zeit für das Erarbeiten einer Lösung gibt man sich bis September.

Bernhard Alpstaeg hatte während der heissen Phase des Aktionärsstreits im Oktober und November letzten Jahres trotz wiederholter Anfrage nie öffentlich Auskunft geben wollen zum Kaufangebot für seinen 52-Prozent-Aktienanteil durch die Mitaktionäre Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber. Die Triple-S-Gruppe hatte ihm auch ein Verkaufsangebot des eigenen 34,1-Prozent-Aktienpakets vorgelegt.

Alpstaegs Abgang beim FCL steht schon länger im Raum

Bernhard Alpstaeg wolle den FC Luzern verkaufen, hat heute Freitag eine grosse Zeitung getitelt. Schon seit mehreren Monaten verdichten sich die Anzeichen, dass sich der Mehrheitsaktionär zurückziehen möchte.
Daniel Wyrsch