«Es wäre nicht mehr besser geworden»

Die Super-League-Saison hat ihren ersten Trainerwechsel. Der FC Luzern trennte sich per sofort von Murat Yakin und verpflichtete bis zum Saisonende den Polen Ryszard Komornicki. Unter Yakin hat der FCL in sechs Runden nie gewonnen und nur drei Punkte geholt.

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Heinz Hermann: «Es war kein Machtkampf zwishen Murat und mir.» Links im Bild FCL-Präsident Mike Hauser. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)

Heinz Hermann: «Es war kein Machtkampf zwishen Murat und mir.» Links im Bild FCL-Präsident Mike Hauser. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)

Dieser Abstieg ist fast ohne Beispiel: Am Ende der letzten Saison war Murat Yakin (38) ein gefeierter Trainer. Er hatte den FC Luzern auf Rang 2 der Super League und in den Cupfinal geführt. Er war verantwortlich für die zweitbeste Saison der Innerschweizer überhaupt. Nur im Meisterjahr 1988/89 war der FCL erfolgreicher. Doch nach der Sommerpause kam Luzern nicht mehr in die Gänge. Mit einer Ausnahme (beim 2:2 in Basel) zeigte der FCL seit Saisonbeginn schwache bis miserable Leistungen. Tiefpunkt war das 0:2 am Sonntag zuhause gegen GC. Luzern kam im ganzen Spiel nicht zu einem einzigen Torschuss.

Yakin nimmt sich teilweise aus der Verantwortung

Yakin steht als Trainer in der Verantwortung für diesen sportlichen Absturz. Dass die Klubführung um Präsident Mike Hauser und Sportchef Heinz Hermann so schnell die Reissleine zog, hat aber auch damit zu tun, dass Yakin eben nicht die volle Verantwortung hat übernehmen wollen. Nach der Niederlage gegen GC schob er den Schwarzen Peter den Vorgesetzten zu. Yakin beklagte die Qualität der Mannschaft und sagte: «Man kann nicht erwarten, dass ein besserer Tabellenplatz herausschaut.»

Beisse nie die Hand, die dich füttert: Diesen Grundsatz hat Yakin in den letzten Tagen verletzt. Hermann sagte: «Es war kein Machtkampf zwischen Murat und mir. Aber Murat hat ständig Verstärkungen gefordert. Er hatte Ansprüche, welche mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen des Vereins nicht vereinbar waren.» Die Unruhe habe sich auf die Mannschaft übertragen, so Hermann. «Wir mussten handeln, denn es wäre nicht besser geworden.»

Immer mehr Forderungen

Yakin forderte offenbar immer mehr, obwohl die Mannschaft vorab von ihm zusammengestellt worden war - und nicht von Hauser und Hermann, welche erst auf diese Saison in ins Amt traten. So hatte Yakin moniert, dass Spieler wie Nelson Ferreira (zu Thun) und Burim Kukeli (zu Zürich) nicht ersetzt wurden, verschwieg allerdings, dass er selbst wenig tat, um die beiden zu halten. Gerade Kukeli wäre gerne in Luzern geblieben, doch Yakin setzte auf der Position im zentralen Mittelfeld auf Philippe Muntwiler (von St. Gallen), einen Spieler, der in den ersten Runden überfordert war mit der Chefrolle. «Es fehlt uns ein Leader im Mittelfeld», hatte am Sonntag auch Yakin erkannt.

Yakin stand in seiner zweiten Saison beim FC Luzern, zuvor hatte er in Thun erfolgreich gearbeitet und war mit den Berner Oberländern 2010 in die Super League aufgestiegen. In Luzern startete Yakin im Sommer 2011 mit Rückenwind. Der Bezug des neuen Stadions entfachte in der Innerschweiz eine Fussball-Euphorie, noch bevor der Ball rollte. Yakin kam das Verdienst zu, den FCL im Stimmungshoch zu halten. Sein pragmatischer Fussball war erfolgreich und die Mannschaft führte die Tabelle bis zur 13. Runde an. Danach wurde sie vom FC Basel zwar distanziert, blieb aber bis zum Saisonende «best of the rest».

Der neue FCL-Trainer Ryszard Komornicki. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)

Der neue FCL-Trainer Ryszard Komornicki. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)

Komornicki: Fehlstart nicht erlaubt

Nun soll Komornicki die Mannschaft in die oberen Ränge zurückführen. Einen Fehlstart kann sich der 53-jährige Pole nicht erlauben. Schon am Donnerstag empfängt Luzern den KRC Genk (Be) zum Hinspiel in den Europa-League-Playoffs, dann gastiert der FCL am Sonntag beim Tabellenletzten Servette. «Er ist fähig, Ruhe ins Team und ins Umfeld zu bringen», so Hermann, der Komornicki am Sonntagabend kontaktierte. Komornicki hatte schon bei seinem letzten Engagement eine heikle Mission. Er bewahrte den FC Wohlen im letzten Frühling als sogenannter «Feuerwehrmann» vor dem Abstieg in die 1. Liga, erhielt für die nächste Saison aber keinen Vertrag mehr.

In Luzern stand Komornicki schon einmal an der Seitenlinie. In der Saison 2001/2002 misslang ihm der Einstieg aber völlig und er wurde nach fünf Runden, mit nur einem Punkt und nach Debakeln gegen GC (0:6) und YB (0:4) entlassen. «Ich werde nie mehr ein Profi-Team trainieren», hatte Komornicki damals im Frust gesagt. Auf seinen Entscheid kam er ein paar Jahre später zurück. Der FC Luzern ist nach Gornik Zabrze (Pol), Baden, Aarau, Wil, El Gouna (Ägy) und Wohlen bereits der siebte Verein, den Komornicki seit 2006 trainiert.

Bellinzona an Murat Yakin interessiert

Und Yakin? An Angeboten wird es ihm nicht mangeln. Zumindest die AC Bellinzona ist an einer Verpflichtung interessiert. Nachdem die Tessiner am vergangenen Mittwoch Raimondo Ponte entlassen hatten, meldeten Tessiner Medien, Yakin sei der Wunschkandidat. In Bellinzona könnten er wieder mit Bruder Hakan zusammenarbeiten, wie im Herbst 2011 in Luzern. Zunächst hatte Yakin abgewunken, ein Wechsel von Luzern in die Challenge League wäre ein Abstieg gewesen. Am Montag aber hat sich die Ausgangslage auch für ihn verändert.

sda