Ex-FCL-Profi Neumayr muss im Iran Tattoos verstecken

Der frühere Luzern-Spielmacher Markus Neumayr spielt seit August bei Esteghlal Teheran. Einiges ist anders als in Europa. Doch trotz anfänglichen Verletzungspechs schwärmt er vom neuen Verein und 90'000 Fans im Stadion.

Daniel Wyrsch
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Daumen hoch bei Markus Neumayr - obwohl er bei seinem neuen Verein Esteghlal Teheran wegen einer Verletzung noch nicht oft zum Einsatz gekommen ist. (Bild: Amirhossein Kheirkhah/Imago (Teheran, 2. August 2018))

Daumen hoch bei Markus Neumayr - obwohl er bei seinem neuen Verein Esteghlal Teheran wegen einer Verletzung noch nicht oft zum Einsatz gekommen ist. (Bild: Amirhossein Kheirkhah/Imago (Teheran, 2. August 2018))

Markus Neumayr (32) ist und bleibt ein Abenteurer. Schon der Transfer vom FC Luzern zu Kasimpasa Istanbul im Sommer 2017 war abenteuerlich. Der Schritt von der türkischen Grossstadt am Bosporus nach Teheran war noch einmal grösser für den schweizerisch-deutschen Doppelbürger. Er ­könne Leute verstehen, die sich schwertun würden mit einem Umzug in die Hauptstadt des Irans, sagt Neumayr selber. Er habe auch lange gegrübelt und sich mit seiner Frau ausgetauscht. Am Ende stand die Entscheidung: Neumayr wechselte Ende Juli nach Teheran zu Esteghlal. «Ein Abenteuer mehr», meint er dazu schmunzelnd.

Doch anders als nach Istanbul, reiste die Familie diesmal nicht mit. Sie lebt in der Schweiz; in Riehen im Kanton Basel-Stadt haben er und seine Frau kürzlich ein Haus gekauft. Die temporäre Trennung hat nachvollziehbare Gründe: «Unsere Kinder sind sechs- und neunjährig. Sie sollen Wurzeln schlagen und brauchen ein gewohntes Umfeld.»

Trainerlegende «Winnie» Schäfer holt Ex-Luzerner

Mit der Familie eine Fernbeziehung zu führen, fällt auch Markus Neumayr nicht leicht. Trotzdem hat er sich für den Iran und gegen drei Angebote aus der Schweiz entschieden. «Ich wollte noch einmal eine andere Kultur kennen lernen. Klar muss man dafür der Typ sein», sagt Neumayr. Mit 17 war der technisch begabte Mittelfeldspieler einst als Riesentalent zu Manchester United gegangen. Neugierig und offen ist er 15 Jahre später noch immer. Der Hauptgrund für den Transfer zum asiatischen Grossklub mit 40 Millionen Fans ist Trainer Winfried «Winnie» Schäfer (68). «Er hatte sich nach meiner Vertragsauflösung in Istanbul bei mir gemeldet, wollte mich unbedingt», erzählt Neumayr. «Ohne ihn wäre ich jetzt nicht im Iran.»

Aus Katar und Kuwait hatte er ebenfalls ­Angebote. Die Iran-Auftritte an der WM im Sommer gegen Portugal (1:1) und Spanien (0:1) überzeugten ihn, dass er in ein gutes Team kommt. Sechs Esteghlal-Profis zählten zu Irans WM-Team. «Das Niveau der iranischen Liga ist höher als gedacht.» Dazu kommt eine riesige Begeisterung. «Mit 90 000 Zuschauern war unser Stadion in der Champions League gefüllt. Das war die gigantischste Atmosphäre, die ich je ­erlebt habe», sagt Neumayr zur Popularität des Cupsiegers. Die Leute kennen die Esteghlal-Spieler. «Ich kann in Teheran auf der Strasse nicht normal spazieren gehen.» Gerne gebe er etwas ­zurück an die Menschen, die teilweise in ärmlichen Verhältnissen leben. «Es bedeutet ihnen viel, ihre Idole anzutreffen.»

Sportlich läuft es ihm noch nicht wie gewünscht. Er stiess erst nach dem dritten Spieltag zum Team, und nach vier Teileinsätzen in der Liga setzte ihn in der asiatischen Champions League nach einem guten Hinspiel gegen Al Sadd (Katar) eine Entzündung am Fuss schachmatt. Esteghlal schied im Rückspiel ohne ihn aus. Am Freitag im Ligaspiel gegen ­Sepahan soll er zum Einsatz kommen und bald richtig Fuss fassen.

Antraben bei Liga wegen Pine-up-Girl auf Unterarm

Anpassen musste sich Neumayr auch auf spezielle Art und Weise: Er spielt im Iran mit Armstrümpfen. «Vor der ersten Partie wurde mir gesagt, dass ich mein Tattoo auf dem linken Unterarm abdecken sollte, das Pine-up-Girl ­verstosse gegen muslimische ­Regeln.» So trat der Ex-Luzerner mit einem zum Dress passenden blauen Tape auf dem Unterarm an. Am Tag nach dem Match mussten er und ein Mitspieler bei der Ethikkommission der Liga ­antraben. «Sie sagten uns, dass wir künftig mit Armstrümpfen spielen müssen. Für mich gar kein Problem, ich respektiere die Religion und die Landessitten.»