FC LUZERN: Alpstaeg entscheidet den FCL-Machtkampf

Sportreporter Daniel Wyrsch mit einer Analyse zu den derzeitigen Machtkämpfen in den Reihen des FC Luzern.

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Der Milliardär: Bernhard Alpstaeg. (Archivbilder Neue LZ)

Der Milliardär: Bernhard Alpstaeg. (Archivbilder Neue LZ)

Die beiden Alphatiere Walter Stierli (66) und Alex Frei (35) im selben Klub, das hat von Anfang an nicht funktioniert. Zwar bezeichnete im Sommer 2011 Basel-Stürmer Frei den damaligen FCL-Präsidenten Stierli als «Ehrenmann», aber schon zu dieser Zeit schielte der Rekordtorschütze des Nationalteams auf dem Job in Luzern für die Zeit nach der Karriere. Stierli, bis April 2012 FCL-Präsident, träumte einst davon, Frei als Goalgetter in die Zentralschweiz zurückzuholen. Doch auf der Suche nach einem Nachfolger für den freigestellten Sportchef Heinz Hermann war Frei für Stierli kein Thema. Stattdessen wollte er im Frühling 2013 Ilja Kaenzig installieren. Er und der vormalige YB-CEO gehörten bis zu ihrem Austritt am letzten Freitag gemeinsam zum Komitee der Swiss Football League (SFL).

Das Rennen in Luzern machte aber Alex Frei, geschickt unterstützt von seinem langjährigen Luzerner Freund und Ex-FCL-Medienchef Stefan Bucher sowie von Stierlis Präsidentennachfolger Mike Hauser. So gelang es Frei, die Investoren zu überzeugen und von einem auf den anderen Tag das FCB-Dress mit dem FCL-Anzug zu tauschen.

Obwohl es für Stierli– den langjährigen Klubchef – bitter war, besonders, weil sein Vertrauensmann Bernhard Alpstaeg auch für Frei stimmte, machte er eine gute Miene zum verlorenen Personalentscheid. Stierli ist bei aller Kritik, nicht loslassen zu können, zugutezuhalten, dass er gegenüber von Frei mit offenen Karten gespielt hat. Der heutige Ehrenpräsident machte den jungen Sportchef darauf aufmerksam, dass dessen Umbruchpläne für die Super-League-Mannschaft seiner Meinung nach «zu radikal» waren. Stierli warnte Frei unter anderem vor der Wichtigkeit des Innenverteidigers Tomislav Puljic für die defensive Stabilität des Teams. Erfolglos. Der Ex-Profi hat sein Ding durchgezogen, keiner im Klub konnte ihm etwas sagen. Selbst die Leute aus dem von ihm selber aufgebauten Kompetenzzentrum blieben ungehört, als sie vor der Fehleranfälligkeit eines François Affolter warnten. Frei kaufte den bei YB fast nur noch auf der Tribüne sitzenden Innenverteidiger.

Der sportliche Misserfolg der laufenden Saison (Tabellenletzter mit 10 Punkten aus 15 Spielen, Aus im Cup und im Europacup) plus die finanziellen Probleme haben Stierli auf den Plan gerufen. Er ist «sehr besorgt», dass der FCL trotz der Topinfrastruktur in der Bedeutungslosigkeit der Challenge League verschwindet. Stierli macht keinen Hehl daraus, dass er stets gerne im Rampenlicht gestanden ist. Doch die Energie für das nervenaufreibende Präsidentenamt würde er nicht mehr aufbringen. «Operativ werde ich nicht mehr tätig sein», betont er immer wieder. Stierli ist nach der Holding-Sitzung vom Mittwoch abgereist. Erst fürs letzte Spiel des Jahres, morgen in einer Woche zu Hause gegen Basel, kehrt er von einer Auslandreise zurück. In den Tagen danach wird im FCL-Machtkampf die Entscheidung fallen. Gewinnt Stierli, könnte der gebürtige Luzerner Kaenzig sein Mann für die Frei-Nachfolge sein. Ruedi Stäger würde Präsident bleiben.

Frei müsste drei weitere Monate lang der Lohn bezahlt werden. Von seinen Vertrauten Benjamin Huggel, Andy Egli, Remo Gaugler und Christian Schmidt müssten wohl alle über die Klinge springen. Selbst Trainer Markus Babbel könnte es bei ungenügenden Resultaten aus den letzten drei Spielen treffen. Die Abgangsentschädigungen würden geschätzte 0,5 Millionen Franken kosten. Dazu kommt die halbe Million für die bereits freigestellten Trainer Carlos Bernegger und Thomas Wyss. Je 300 000 Franken würden neues Staff-Personal und zwei neue Spieler im Abstiegskampf verschlingen. Wenn man das Defizit von ungefähr erwarteten 2,5 Millionen dazuzählt, kommt man auf ein geschätztes Loch von über 4 Millionen. Wer soll das bezahlen? Nur Alpstaeg kommt in Frage, den Löwenanteil zu übernehmen.

Macht es der Milliardär nicht, dann könnte Frei die Verantwortung im Abstiegskampf weiterhin tragen. Stierli müsste sich in diesem Fall zurückziehen. Denn Frei und er, das geht nicht.

Hinweis

Der FC Luzern bestreitet sein nächstes Meisterschaftsspiel am Samstag (17.45 Uhr) in Aarau.