FC LUZERN: Die Angst vor dem Versagen

Schwerer Gang für den FC Luzern heute nach Bern zu den Young Boys. Noch immer sieglos, steht das Team von Carlos Bernegger unter Druck. Behält der FCL (ab 13.45) die Nerven?

Daniel Wyrsch
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FCL-Trainer Carlos Bernegger kann die verpassten Torchancen seiner Mannschaft nicht mehr mit ansehen. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

FCL-Trainer Carlos Bernegger kann die verpassten Torchancen seiner Mannschaft nicht mehr mit ansehen. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Carlos Bernegger (45) hält Blätter mit statistischen Werten aus der letzten Runde vor zwei Wochen im Heimspiel gegen Aarau in den Händen. Seine Luzerner Mannschaft ist punkto Ballbesitz, Angriffe, Schüsse, gewonnene Zweikämpfe und Balleroberungen die Nummer eins aller zehn Teams der Super League gewesen – doch am Schluss lautete das Resultat zum fünften Mal in dieser Meisterschaft nur 1:1.

Die fehlende Abgebrühtheit

Fünf Punkte aus sieben Spielen sowie das sofortige Aus in der Qualifikation zur Europa League gegen St. Johnstone (je ein 1:1, dann nach Penaltyschiessen) bedeuten viel Frust für den FCL. Bernegger tönt verzweifelt, wenn er über die Spielstatistik der Swiss Football League (SFL) sagt: «Es ist das einzige Instrument, das mir bleibt.» Mit anderen Worten: Dem FCL-Trainer ist es verleidet, auf die spielerische Überlegenheit seiner Mannschaft sowie auf die vielen vergebenen Chancen in den meisten Partien dieser Saison hinzuweisen. Nach einer derart ertragsarmen Serie, findet er, seien seine einzigen Argumente die Zahlen. Für die Beobachter sind sie eine Bestätigung der wohl eigenen Wahrnehmung: Die Luzerner hatten Gelegenheiten, um mindestens im oberen Mittelfeld der Tabelle zu stehen, statt wie jetzt am Ende – wenn ihnen nicht zu oft die Abgebrühtheit vor dem Tor gefehlt hätte.

Unvermögen, wie bei Jakob Jantschers kuriosem Luftschlag am hinteren Pfosten gegen Aarau, kam dazu. Aber auch Pech: Als Jantscher und Adrian Winter im gleichen Match ihre Schüsse von Latte und Pfosten abklatschen sahen.

Noch mehr Aufwand betreiben

Im Sport sprechen Beteiligte davon, wie sich Glück und Pech während einer Saison die Waage halten. Betrachtet man den grossen Aufwand, den der FCL bislang betrieben hat und den enttäuschenden Lohn, der dafür auf dem Punktekonto steht, gibt es dafür nur eine logische Konsequenz: Früher oder später schlägt das Pendel auf die andere Seite aus. Doch weder Bernegger noch Assistent Thomas Wyss (48) verlassen sich darauf. Unisono betonen sie: «Das heisst überhaupt nicht, dass der Knoten bald platzt.» Bernegger warnt: «Es wäre ein fatales Denken, wenn wir glauben würden, es komme automatisch alles gut. Nein, wir müssen noch mehr tun.»

Was haben die Luzerner während der 14-tägigen Pause unternommen, um öfter zu treffen? Bernegger erklärt, sie hätten den Abschluss geübt und damit die Automatismen verbessert. Der Trainer verriet zuletzt, dass die Angst vor dem Versagen grösser geworden ist, dass bei einzelnen Angreifern offensichtlich ein «Kopfproblem» besteht. Hat der FCL mentale Hilfe in Anspruch genommen? Bernegger: «Nein, das ist meiner Ansicht nach nicht nötig.»

Am Sonntag auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse in Bern wird sich zeigen, ob die noch immer sieglosen Luzerner gegen die viertplatzierten, spielstarken Young Boys dem nervlichen Druck standhalten können. Für den FCL wird es eine Woche der Wahrheit: Auf YB folgt am nächsten Samstag der Cupmatch in Schaffhausen und am Dienstag darauf auswärts das Ligaspiel in Thun. «Ich freue mich auf diese Partien», sagt Bernegger. Die enorme Anspannung im Gesicht passt so gar nicht zu seiner Aussage.

Teileinsätze für Rabello und Hoarau

Auf Überraschungen in der Mannschaftsaufstellung dürfte der FCL-Coach verzichten. «Für etwas Verrücktes gibt es in unserem Kader nicht viele Möglichkeiten», beantwortet Bernegger eine entsprechende Frage. Bedeutet: Ersatzgoalie Lorenzo Bucchi (30) sowie die südamerikanischen Neulinge Andrés Lamas (30) und Bryan Rabello (20) nehmen zu Beginn auf der Ersatzbank Platz. «Rabello dürfte mit einem Teileinsatz zum Einstand bei uns kommen», meint Bernegger. Gleiches sagt YB-Trainer Uli Forte (40) über den französischen YB-Neuling Guillaume Hoarau (30, Ex-PSG).

Selbst wenn Bernegger partout nicht darauf vertraut, dass der Ball nächstens für Luzern rollt, sei ihm ein Berner Mundartlied empfohlen: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim», singt «Züri West»-Leader und Young-Boys-Fan Kuno Lauener (53). Ein wenig positives Denken schadet nie.