FC LUZERN: Die «gute Seele» Thiesson geht

Jérôme Thiesson (29) hat gestern seinen Vertrag mit dem FCL vorzeitig aufgelöst. Der Verteidiger dankt Luzern für die fast sechsjährige Zusammenarbeit. Per sofort gehört er dem MLS-Neuling Minnesota United an.

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Jérôme Thiesson am Ball während des Spiels gegen den FC Zürich im Februar 2016. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Februar 2016))

Jérôme Thiesson am Ball während des Spiels gegen den FC Zürich im Februar 2016. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Februar 2016))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Für Jérôme Thiesson beginnt nach fast sechs Jahren beim FC Luzern bald eine neue, spannende Zeit als Profi und Mensch. Erstmals wechselt der 29-jährige Abwehrspieler ins Ausland. Nach Übersee geht er, in die nordamerikanische Major League Soccer (MLS), wo er in der Nacht auf Dienstag beim Liganeuling FC Minnesota United einen Zweijahresvertrag bis Ende 2018 plus Option für eine weitere Saison unterschrieben hat. 

Ehefrau Ivana (31) wird Jérôme Thiesson in zwei Monaten in die 380 000 Einwohner zählende Stadt Minneapolis nachfolgen. Dort trägt Minnesota United die Heimspiele aus. Im Bundesstaat Minnesota, der im Norden der Vereinigten Staaten an der Grenze zu Kanada liegt, erwarten die Thiessons Ende Juli ihr erstes Kind. Zudem wird Jérôme dort am 6. August seinen 30. Geburtstag feiern. «Beruflich wie privat kommt eine sehr aufregende Zeit auf uns zu», freut sich Thiesson.

Bei Minnesota schätzen sie Thiessons Polyvalenz 

Beim neuen Verein Minnesota United sind Cheftrainer Adrian Heath wie Sportdirektor Manny Lagos glücklich, «einen derart erfahrenen Aussenverteidiger, der auf der rechten wie der linken Seite eingesetzt werden kann», gefunden zu haben. Nach 77 Spielen in der höchsten Liga für Bellinzona (1 Tor) hat Thiesson 145 Super-League-Partien für Luzern gespielt und dabei 1 Tor geschossen sowie 13 Assists gegeben. Für den zuverlässigen Abwehrspieler aus Hombrechtikon «war die Wertschätzung der lokalen Medien und von grossen Teilen des Publikums mir gegenüber meist nicht gerade gross», findet Thiesson. «Vor allem in den ersten Jahren in Luzern wurde ich oft als ‹der Zürcher› bezeichnet und so kaum integriert. Mit dem Alter und dem Plus an Erfahrung konnte ich besser damit umgehen.» 

Aus der Beobachterrolle betrachtet hat Thiesson in der laufenden Saison von FCL-Seite her ebenso nicht den Rückhalt bekommen, den er aufgrund seiner Leistungen verdient gehabt hätte. Nach einer in der Vorbereitung erlittenen Innenbandverletzung am Knie musste er während der Vorrunde den Platz als Rechtsverteidiger immer wieder mit Neuzugang Simon Grether (24) vom Challenge-League-Klub Wohlen abtauschen. Auf der linken Abwehrseite ist bis heute Captain Claudio Lustenberger (30) gesetzt, obwohl der gebürtige Krienser in dieser Spielzeit nur selten überzeugen konnte. 

Thiesson beklagt sich nicht über den FCL, mit dem er den bis Ende Saison gültigen Vertrag 
am Mittwoch vorzeitig aufgelöst hat. «Gegenüber mir hat sich der FC Luzern die gesamte Zeit toll verhalten. Mein Dank gehört Trainer Markus Babbel, der mich, bis ich das Arbeitsvisum für die USA erhalte und abreisen kann, hier weiter mit dem Team mittrainieren lässt.» Im Gegensatz zu Sally Sarr und Tomislav Puljic.

Dieses Entgegenkommen Babbels dürfte auch damit zu tun haben, dass Thiesson eine Art «gute Seele» des Teams war. Immer wieder kümmerte sich der sprachgewandte Schweizer, der auch den französischen Pass seines Vaters hat, um das Wohlergehen seiner Mitspieler. Neben Deutsch und Französisch spricht er fliessend italienisch und englisch sowie passabel spanisch und serbokroatisch, da Gattin Ivana aus Montenegro stammt.

Über Rangelovs «Kopfnuss» schmunzelt Thiesson heute 

Der in seinem ersten Jahr beim FCL unglücklich agierende Stürmer Dimitar Rangelov verpasste Thiesson einst im Training einen Kopfstoss, sodass Thiesson zum Zahnarzt musste. Er hat dem Bulgaren längst verziehen. «Ich opferte mich damals für meine Teamkollegen», schmunzelt er.
Wie er selbst spielte Jahmir Hyka (28) die letzten fünfeinhalb Jahre für Luzern. Thiesson schaut jetzt schon gespannt dem MLS-Match gegen San Jose Earthquakes entgegen, bei dem er das direkte Duell mit Linksaussen Hyka aus Albanien kaum erwarten kann. «Jahmir und ich sind beim FCL Freunde geworden.»