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FC Luzern: Für den Erfolg fehlt die nötige Ruhe

Sportredaktor Raphael Gutzwiler über die Saison des FC Luzern
Raphael Gutzwiller, Sportreporter
Raphael Gutzwiller

Raphael Gutzwiller

Der FC Luzern beendet die Saison auf dem fünften Rang. Das letzte Meisterschaftsspiel in Lugano (Freitag, 20.30) hat keine Bedeutung mehr. Damit stehen die Luzerner erstmals in der Klubgeschichte zum zweiten Mal in Folge in der Qualifikation zur Europa League. Eigentlich ein grosses Erfolgserlebnis – doch es hängt ein schaler Beigeschmack in der Luft.

Mit einer sehr schwachen Rückrunde vergab der FCL ein noch besseres Abschneiden. Der dritte Rang, der zur direkten Qualifikation der Europa League berechtigt und 3 Millionen Franken wert ist, wäre möglich gewesen. In den letzten sieben Spielen holten die Luzerner aber nur einen Sieg (3:2 in Sion) und ein Unentschieden gegen Absteiger Vaduz (2:2). Davor verloren sie fünfmal in Serie – darunter waren katastrophale Leistungen wie das 0:3 gegen Lausanne. In der Rückrunde holte das Team in 17 Spielen nur 18 Punkte.

Klar: In Luzern sind die Erwartungen oft höher als die Realität. Aber die Tatsache, dass wohl der FC Lugano – Anfang Saison ein Abstiegskandidat – Dritter wird, sagt einiges über die Saison aus. Sion, die nominelle Nummer drei, schwächelte auch, aber nicht genug, um hinter Luzern zu landen. Nun spielt tatsächlich ein «FCL» in der Swisspor-Arena in der Gruppenphase – schade für die Luzerner, dass es wohl nur der Tessiner «FCL» sein wird, der nach Luzern ausweicht. Ob es auch der echte FCL in die Gruppenphase schafft, darf bezweifelt werden. Zumal er bisher jeweils in seiner ersten Qualifikationsrunde ausschied.

Aber nochmals der Blick zurück auf die Saison. So schwach die Rückrunde war, so stark war die Vorrunde der Luzerner. Es war eine Entwicklung zu sehen, gemeinsam mit Sion lieferte man sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den dritten Rang. Dabei hatte der FCL teilweise sogar Pech, verlor unnötig Punkte wie etwa beim starken Spiel gegen den FC Basel, das mit 2:3 verloren ging.

Positiv verbucht werden kann die Entwicklung junger Eigengewächse. Der FCL hat es ohne grosses Tamtam geschafft, im Tor einen Generationenwechsel vorzunehmen. David Zibung (33) machte dem um zehn Jahre jüngeren Jonas Omlin Platz. Omlin wird auch in der neuen Saison die Nummer eins sein. Auch andere junge Spieler wie Stefan Knezevic, Filip Ugrinic und Idriz Voca zeigten, dass sie ein Versprechen für die Zukunft des FCL sein können. Und im zentralen Mittelfeld entwickelte sich Hekuran Kryeziu zum absoluten Leistungsträger und Führungsspieler, Nicolas Haas zum unumstrittenen Stammspieler.

Doch gerade der Name von Nicolas Haas steht sinnbildlich dafür, was schlecht läuft beim FCL. Die Führungsetage rund um den neuen CEO Marcel Kälin stiess Haas in den Lohnverhandlungen vor den Kopf. Er spürte zu wenig Wertschätzung und verlässt seinen Stammklub – ohne bislang einen Vertrag bei einem anderen Verein in der Tasche zu haben.

Auch an der Transferfront glänzte der FCL im vergangenen Jahr nicht. Im Sommer holte der damalige Sportkoordinator Remo Gaugler mit Ricardo Costa einen Topverdiener ins Team, der über die ganze Saison sein Geld nicht wert war. Neben ihm spielte wegen mangelnder Alternativen oft François Affolter, den man eigentlich hätte abgeben wollen. Aber nicht einmal Challenge-League-Mannschaften wollten ihn übernehmen.

Dagegen liess man Leistungsträger einfach so ziehen. Jahmir Hyka und Jérôme Thiesson wechselten in der Winterpause in die USA. Ein Fehler – wie selbst Trainer Markus Babbel inzwischen zugibt. Daneben sorgte die Aussortierung von Abwehrhüne Tomislav Puljic für Diskussionen. Ebenfalls aussortiert wurde Sally Sarr. Dagegen vermeldete der FCL mit Pascal Schürpf nur einen einzigen Winter-Neuzugang. In der Breite ging damit einiges an Qualität verloren.

So unkonstant das Team spielt, so unkonstant ist auch die Vereinsführung. Dort mangelt es an Fussballsachverstand und weitsichtigen Entscheidungen. Die Unruhe abseits des Platzes übertrug sich auch auf das Sportliche. Im Hinblick auf die neue Saison muss man deshalb sogar Angst haben: Mehrere Stammspieler und Nachwuchstalente sind auf dem Absprung. Geld für echte Verstärkungen dürfte aber nicht zur Verfügung stehen.

So droht ein noch grösserer Qualitätsverlust in der Sommerpause. Die FCL-Führung muss das Team trotz Sparzielen so gut wie möglich zusammenhalten, um in der nächsten Saison nicht plötzlich gegen den Abstieg spielen zu müssen. Ziel muss jetzt sein, die nötige Ruhe und Konstanz in den Verein zu bringen, die beim FCL zu einer erfolgreichen Saison fehlten.

Raphael Gutzwiller, Sportreporter

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

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