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FC LUZERN: «Vako» fühlt sich in den Bergen zu Hause

Valeriane Gvilia, oder kurz «Vako», könnte der Königstransfer des FC Luzern werden. Im Winter gekommen, spielt er bereits die gefährlichen Pässe. Neben dem Platz entspricht er nicht den Fussballer-Klischees.
Raphael Gutzwiller
Valeriane «Vako» Gvilia auf der Luzerner Allmend vor dem Pilatus. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 15. März 2018))

Valeriane «Vako» Gvilia auf der Luzerner Allmend vor dem Pilatus. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 15. März 2018))

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Wer Valeriane Gvilia zum Gespräch bittet, erhält einen Gesprächspartner, der aufgestellt ist, Witze macht und viel lacht. «Man muss immer positiv bleiben», sagt der 23-jährige Offensivspieler des FC Luzern, der von allen nur «Vako» genannt wird. «Das Wichtigste ist, dass du ein guter Mensch bist und jeden respektvoll behandelst. Ganz egal, was du beruflich machst. Sei es Fussballer, Journalist oder sonst einen Beruf.» Er entschuldigt sich vor dem Gespräch mehrfach für sein Englisch und für die bestehende Sprachbarriere. «Ich lerne Deutsch und Englisch, aber ich bin halt noch nicht so gut.» Es sei Gvilia verziehen, schliesslich spielt er erst seit Ende Januar beim FCL.

Für das Treffen mit dem Journalisten wünscht sich Gvilia Unterstützung in Form eines Übersetzers. Es lohnt sich: Wenn er in Russisch von seinen Ansichten, seinem Leben und dem Fussball erzählt, geht bei ihm das Herz auf. Er erzählt etwa kämpferisch, «dass man nur als Mannschaft Erfolg haben kann». Deshalb wolle er nicht über seine Stärken auf dem Fussballplatz sprechen. «Auch, wenn ich von meinen Qualitäten weiss. Es zählt nur, was wir gemeinsam als Team erreichen.»

Die Abmachung mit Pascal Schürpf

Als Spielmacher hat Gvilia in den letzten Spielen erheblichen Anteil daran gehabt, dass der FC Luzern 2018 noch kein einziges Spiel verloren hatte. Zuletzt holte er sich in unserer Zeitung zweimal Bestnoten ab. In Sion (1:1) leitete er den Punktgewinn mit einem Traumpass auf Pascal Schürpf ein, beim 1:0-Sieg gegen den FC Basel schoss er das einzige Tor der Partie gleich selber – die Vorlage gab Schürpf. Die beiden verstehen sich auf dem Platz gut, aber auch daneben, wie Gvilia verrät. «Wir haben eine Abmachung: Wenn einer dem anderen eine Torvorlage gibt, lädt der Torschütze den Vorlagengeber zum Abendessen ein. Deshalb musste ich Pascal nach dem Spiel gegen den FCB einladen», so Gvilia. Schürpf sei auch der Einzige im Team, der bereits einige Worte auf Georgisch könne. «Aber ich verstehe mich mit allen Mitspielern sehr gut. So haben ein paar Spieler zusammen das Spiel des FC Basel gegen Manchester City in der Champions League geschaut.»

Champions League – noch im Sommer hatte Valeriane Gvilia davon geträumt, dort zu spielen. Er spielte beim weissrussischen Meister Bate Borissow. In der Qualifikation gegen Slavia Prag wollte sich Bate zum vierten Mal in den letzten zehn Jahren für die Champions League qualifizieren. Dafür reichte es aber nicht, Bate schied aus und musste mit der Europa League vorliebnehmen. Und für Gvilia selber kam es noch schlimmer. Trainer Aleksandr Yermakovich setzte nicht mehr auf ihn.

In der Nationalmannschaft von Georgien behielt Gvilia seinen Stammplatz. Als Georgien gegen die angesehene Nationalmannschaft Österreichs 1:1 unentschieden spielte, schoss Gvilia sein erstes Tor für Georgien und spielte durch. Zurück beim Klub reichte es nicht einmal ins Kader. Gefragt, was vorgefallen sei, sagt Gvilia: «Das weiss ich selber nicht.» Er zuckt mit den Schultern und lacht. Auch in den schlimmen Momenten müsse man positiv bleiben. «Als ich den Trainer gefragt habe, sagte er nur immer, ich solle weiter hart trainieren.» Seine Zeit bei Borissow lasse er nun hinter sich, er freue sich einfach, nun beim FC Luzern zu sein.

Valeriane Gvilia wuchs in Georgien zusammen mit seiner Schwester, die heute mit ihrem Mann in den USA lebt, und vielen Cousins und Cousinen auf. Als Zehnjähriger kam er unter die Fittiche seines ersten Trainers Zauri Bulia. Von da an wollte «Vako» Fussballprofi werden. «Er hat mich fussballerisch gefördert und mir Mut gemacht. Aber ich konnte auch viel Menschliches von ihm lernen, etwa, dass man bescheiden bleiben muss und seine Eltern immer ehren soll. Zauri ist für mich wie eine Vaterfigur.» So kommt es, dass sich «Vako» Gvilia, wenn er in Georgien ist, zuerst mit seinen Eltern trifft. Danach ruft er Bulia an und verabredet sich mit seinem ehemaligen Trainer zum Essen. Seine Familie vermisse er sehr. «Natürlich ist es schwierig, so weit weg von zu Hause zu sein. Ich telefoniere häufig mit meinen Eltern, meiner Schwester und mit all meinen Verwandten. Ich vermisse meine Familie sehr.»

Bereits mit 16 Jahren verliess Gvilia sein Heimatland

Doch «Vako» Gvilia musste bereits früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Als 16-Jähriger verliess er Georgien, um sich seinen Traum vom Fussballprofi zu erfüllen. Er ging in die Ukraine. Ganz alleine. Russisch konnte er nicht, und in der Ukraine kannte er niemanden. «Klar war das ein Risiko. Aber ich wollte mir diesen Traum erfüllen», sagt er heute. In der Ukraine schloss er sich dem Premjer-Liga-Verein Metalurh Saporischschja an. Dort spielte er im Nachwuchs, ehe er als 20-Jähriger bei den Profis debütierte. In derselben Zeit lief er viermal für die ukrainische U21-Nationalmannschaft auf. Die ukrainische Staatsbürgerschaft musste Gvilia annehmen, um im Nachwuchs spielen zu können. Dennoch trägt er heute das georgische Trikot. «Meine Heimat ist Georgien. Seit ich denken kann, war es mein Traum, für diese Nationalmannschaft zu spielen. Die Auftritte für die ukrainische U21 haben mich auch an die georgische Nationalmannschaft näher gebracht.» Sein grösster Traum ist es, mit Georgien an einem grossen Turnier teilzunehmen. «Wir haben in einer schwierigen Gruppe mit Serbien, Wales, Irland und Österreich eine gute WM-Qualifikation gespielt. Gemeinsam wachsen wir und arbeiten daran, irgendwann die Qualifikation zu schaffen.»

Valeriane Gvilia passt nicht ins gängige Bild eines Fussballers. Sein Outfit ist schlicht gehalten. Auffällige Merkmale wie Sonnenbrillen, grosse Kopfhörer oder Markenkleider sucht man vergebens. Auch seine Freizeitbeschäftigungen passen nicht ins Fussballer-Klischee. «Ich bin gerne in der freien Natur und spaziere gerne. Darum möchte ich bald auf den Pilatus», sagt er. Die Schweizer Berge gefallen ihm besonders. «Wir haben in Georgien auch viele Berge. Darum fühle ich mich hier sehr wohl.» Nach seinem Durchbruch in der ukrainischen Liga wechselte er nach Weissrussland zum FK Minsk und von dort im Sommer 2016 weiter zum grossen Bate Borissow.

Jack London und Paulo Coelho geben Tipps fürs Leben

Der Fussballprofi wohnt in einem der Hochhäuser neben der Swisspor-Arena in Luzern. Die Wohnung sei schön, und vor allem sei sie nah beim Stadion. Für Gvilia ein wichtiges Argument. «Denn ich habe keinen Fahrausweis.» Irgendwann hole er das nach. «Aber Autos sind mir nicht so wichtig.» Viel lieber als von Autos erzählt er von Autoren. Er liest gerne und viel. Seine Lieblingsbücher: «Martin Eden» von Jack London, «Der Alchemist» von Paulo Coelho und «Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte» von Robin Sharma. «Aus Büchern hole ich mir viele Tipps fürs Leben.» Nur in einer Freizeitbeschäftigung ist er durch und durch Fussballer: Er spielt gerne Playstation. «Ich gewinne immer.» Er lacht. In der Schweiz habe er aber noch keine Spielkonsole.

Mit dem FCL reitet Gvilia auf der Erfolgswelle. Seit der Winterpause haben sich die Luzerner vom vorletzten auf den fünften Platz verbessert. Etwas, was auch Trainer Gerardo Seoane zu verdanken ist. «Er ist engagiert und macht sich viele Gedanken», sagt Gvilia über Seoane. Oder wie man auf Russisch sagt: «Seine Augen brennen für den Fussball.» In Lugano (Sonntag, 16.00) will Gvilia mit seinen Mitspielern erneut für Erfolgserlebnisse sorgen. «Wir sind eine Einheit und wollen das erneut zeigen.»

Mitarbeit: Gregory Remez

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