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Aktionärskrimi: FCL-Investoren unterbreiten Bernhard Alpstaeg ein Kaufangebot

Brisant: Die FCL-Aktionäre Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber sollen dem Mehrheitsaktionär ein Angebot gemacht haben.
Jérôme Martinu und Cyril Aregger
FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg. (Bild: Freshfocus)

FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg. (Bild: Freshfocus)

Mindestens so viel zu reden wie der Heimspiel-Sieg gegen Sion, geben beim FCL derzeit die kolportierten Verkaufsabsichten von Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg. Diese sorgen für eine gewisse Unruhe im und rund um den Verein. Dass der Swisspor-Patron und Stadion-Namensgeber Ausstiegsabsichten hegt, kommt nicht aus heiterem Himmel (Artikel vom Samstag). Aber die Debatte oder der bekannte Zwist innerhalb der FCL-Aktionärsgruppe hat in diesen Tagen wohl an Schärfe gewonnen.

Hans Schmid.

Hans Schmid.

Klar ist: Alpstaeg kann nicht einfach so verkaufen. Gemäss Aktionärbindungsvertrag haben die FCL-Eigner ein Vorkaufsrecht proportional zu ihrem Anteil. Alpstaeg müsste also zuerst den übrigen fünf Aktionären ein Angebot unterbreiten. Und erst wenn nach mehreren Verhandlungsrunden keiner auf das Angebot einstiege, kämen Dritte zum Zug.

Dreiergruppe besitzt neu über ein Drittel der Aktien

Marco Sieber. (Martin Meienberger/freshfocus)

Marco Sieber. (Martin Meienberger/freshfocus)

Die aktuelle Entwicklung ist brisant, wie die unserer Zeitung vorliegenden Informationen zeigen: So sollen die Investoren und Verwaltungsräte Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber am 2. Oktober dem Mehrheitsaktionär Alpstaeg ein Kauf-, bzw. Verkaufsangebot unterbreitet haben. Heisst: Entweder verkauft er sein Paket an das Trio. Oder er kauft umgekehrt deren Anteil. Die Preise sollen die gleichen sein wie beim damaligen Aktienkauf. Ein Entscheid stehe noch aus, wie gut informierte Quellen berichten, dieser werde bis im November erwartet. Der Grund für dieses Angebot ist offensichtlich: Man will damit die herrschende Blockade innerhalb des Verwaltungsrates lösen, denn diese ist alles andere als förderlich für den Klub.

Samih Sawiris. (Urs Flüeler / Keystone)

Samih Sawiris. (Urs Flüeler / Keystone)

Bisher ebenfalls nicht bekannt war, dass es bei den Aktienanteilen eine Verschiebung gegeben hat: Sawiris, Schmid und Sieber, Letzterer auch Delegierter des Verwaltungsrates, haben ihren Anteil leicht erhöht. Das Trio hat Aktien von Pneu Bösiger gekauft und besitzt nun über ein Drittel. Die drei Investoren sollen die neu gekauften 1,6 Prozent zu gleichen Teilen besitzen. Aktionär Josef Bieri soll sich dem Vernehmen nach derzeit neutral verhalten. Die Besitzverhältnisse der FCL Holding AG sehen neu wie folgt aus:

Bernhard Alpstaeg: 52 Prozent (Mehrheitsaktionär).

Samih Sawiris, Hans Schmid, Marco Sieber: Neu 34,1 Prozent (bisher 32,5).

Josef Bieri: 10 Prozent (unverändert).

Pneu Bösiger: 3,9 Prozent (bisher 5,5; kein VR-Einsitz, da weniger als 10 Prozent).

Die Drittelmehrheit ist für das Kauf-/Verkaufsangebot an Alpstaeg nicht entscheidend. Für künftige Entscheide, etwa bei Kapitalerhöhungen, Investitionen in Mannschaft oder Infrastruktur oder in die Organisation, ist diese «Sperrminorität» allerdings relevant. Wer auch immer eine Aktienmehrheit besitzt: Er wird mit der Dreiergruppe kooperieren müssen, will er stabile Entscheide herbeiführen. Im Gegenzug muss sich das Trio Sawiris-Schmid-Sieber weiterhin geschlossen geben, wenn es seinen Einfluss wahren will.

Auffällige Widersprüche beim Mehrheitsaktionär

Zur Erklärung: Obwohl Mehrheitsaktionär, hat der 74-jährige Alpstaeg nicht mehr Entscheidungsmacht. Denn jeder Verwaltungsrat hat nur eine Stimme. Alpstaeg hat mit Präsident und CEO Philipp Studhalter als sein Statthalter zwei von insgesamt sechs Stimmen.

Offen bleibt ein grosser Widerspruch: Auf der einen Seite will Alpstaeg seinen 52-Prozent-Anteil loswerden. Dies unabhängig davon, dass er im Mai den Vertrag für die Namensrechte des Stadions um fünf Jahre bis 2026 verlängert hat. Auf der anderen Seite hat der Swisspor-Patron monatelang mit den anderen Investoren um das treuhänderisch hinterlegte Aktienpaket des ehemaligen Präsidenten Walter Stierli gestritten. Resultat: die 25 Prozent von Stierli wurden Alpstaeg überschrieben, der damit zum Mehrheitsaktionär wurde. Unbedingt die Mehrheit an der FCL-Holding besitzen und dann wenig später verkaufen? Wie passt das zueinander? Klar ist, das Alpstaeg anteilsmässig immer den grössten Anteil der Defizite zu stopfen hatte und dass ihm das nicht passte. Klar ist auch, dass es eine zunehmend schärfere Konfliktlinie innerhalb des VR gibt – die nun im Ausstieg der einen oder anderen Seite gipfeln könnte.

Sieber als Delegierter des Verwaltungsrates wollte am Sonntag auf Nachfrage die hier geschilderte Ausgangslage in diesem Aktionärskrimi weder bestätigen noch dementieren. Alpstaeg und die FCL-Vereinsleitung hatten schon am Freitag ihr «No Comment» mitgeteilt.

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