FCL-Erfolg mit Wermutstropfen

Beim FC Luzern läuft es weiterhin wie am Schnürchen. Die Innerschweizer siegen auch im dritten Spiel unter dem neuen Trainer Fabio Celestini und bezwingen Neuchâtel Xamax in dessen Stadion mit 1:0. Xamax scheitert immer wieder an Luzern-Torhüter Marius Müller.

Daniel Wyrsch aus Neuchâtel
Drucken
Teilen
Idriz Voca jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Gut 20 Minuten später muss er verletzt das Feld verlassen.

Idriz Voca jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Gut 20 Minuten später muss er verletzt das Feld verlassen.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Neuchâtel, 9.Februar 2020)

Für Fabio Celestini war es eine erfolgreiche Rückkehr in die Westschweiz, wo der Italo-Romand aufgewachsen ist. In seinem dritten Spiel mit dem FC Luzern feierte der frühere Schweizer Internationale seinen dritten Sieg. Das sind die reinen Fakten. Aber Celestini ist nicht ein Trainer, der Partien seiner Mannschaft schön redet. Der 44-jährige Trainer stellte fest: «Wir konnten den Ball nicht kontrollieren, haben deswegen gegen Xamax auf dessen Kunstrasen Probleme bekommen.»

Celestinis Einschätzung war gar ein wenig untertrieben. Seine Mannschaft hatte gegen den Tabellenvorletzten zeitweise enorme Schwierigkeiten. Zuerst in der Phase nach dem frühen Führungstor von Idriz Voca (13.). Die Xamaxiens drückten angeführt von Spielmacher Geoffroy Serey Dié und Topskorer Raphaël Nuzzolo auf den sofortigen 1:1-Ausgleich. Doch zuerst schoss Nuzzolo eine erstklassige Chance übers Tor (16.), kurze Zeit später traf dessen Sturmpartner Gaëtan Karlen den Aussenpfosten (19.). Und Nuzzolo köpfelte in der 20. Minute nur wenige Zentimeter am zweiten Pfosten vorbei.

Celestini: «Fussball ist Arbeit, das hat mit Glück nichts zu tun»

Die zweite grosse Druckphase hatten die Innerschweizer in den Schlussminuten zu überstehen. Wie schon so oft in dieser Saison mussten sie sich bei ihrem deutschen Hexer Marius Müller bedanken, dass sie eine Serie von hervorragenden Xamax-Abschlüssen schadlos überstanden. Zuerst machte der FCL-Goalie einen harten Schuss von Serey Dié (88.) unschädlich, dann lenkte er besonders mirakulös einen Freistoss von Nuzzolo aus 16 Metern um den Pfosten (90.) – und auch der eingewechselte Samir Ramizi konnte den fantastischen Schlussmann mit einem perfiden Schuss nicht bezwingen (91.).

Marius Müller bewies gegen Xamax erneut seinen Wert.

Marius Müller bewies gegen Xamax erneut seinen Wert.

Martin Meienberger/freshfocus

Deshalb hielt Fabio Celestini nach gegentorlos überstandenen 94 Minuten und dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Fedayi San stolz fest: «Fussball ist Arbeit, das hat mit Glück nichts zu tun.» Seine Schützlinge zeigten viel Engagement, es war ein sogenannter Arbeitssieg. Zu einem Teil auch ein «gestohlener» Sieg, denn die Neuenburger hätten aus neutraler Warte betrachtet zumindest einen Punkt verdient gehabt. Doch Celestini hatte eine gute Erklärung für den Spielausgang: «Xamax fehlt derzeit das Selbstvertrauen, wir aber befinden uns in einer guten Phase.» Das kann man so sagen: Schon bevor Celestini übernommen hat, gewann der FCL das letzte Vorrundenspiel noch unter Ex-Coach Thomas Häberli gegen Basel. Damit hat Luzern nunmehr vier Siege aneinandergereiht, davor waren es übrigens sechs Niederlagen in Serie. Und auch auf dem ungeliebten Plastik von Xamax gab es zuvor zwei Niederlagen. Jetzt hat der FCL endlich beweisen, dass er in der Maladière doch noch siegen kann.

Ein grosser Wermutstropfen bleibt allerdings: Siegtorschütze Idriz Voca verletzte sich nach einem Zweikampf mit Karlen (25.). Er biss zwar noch einmal auf die Zähne, aber in der 35. Minute musste Voca ausgewechselt werden. Er wird wohl am Montag genauer untersucht, es besteht der Verdacht auf eine Sprunggelenkverletzung. Das dürfte eine mehrwöchige Pause für den formstarken Mittelfeldmann bedeuten.

Müller feiert sechstes Spiel ohne Gegentor

Als Marius Müller im Sommer von RB Leipzig zum FC Luzern wechselte, sagte er bei seiner Vorstellung: «Ich möchte möglichst viele Spiele zu null beenden.» Im ersten Moment tönte das in den Ohren von FCL-Beobachtern leicht arrogant. Dabei wirkte der 26-jährige Deutsche in seinem Auftreten von Anfang an nicht nur selbstbewusst, sondern auch sympathisch. Auf dem Platz bewies Marius Müller fortan, dass er der erhoffte starke Rückhalt ist.

Wenn man glaubte, dass sich Müller nicht mehr steigern könne, legte der 1,92 Meter grosse Schlussmann noch einen drauf. Das war auch gestern in Neuenburg wieder der Fall. Nach unglaublichen Reflexen im letzten Hinrundenmatch gegen Basel (2:1) – vor allem seine unfassbare Parade gegen Cabral in der Nachspielzeit – machte er zum Rückrundenstart bei den Siegen gegen Zürich (3:2) und YB (2:0) souverän weiter. Als überragend ist nun seine Leistung beim 1:0-Vollerfolg gegen Neuchâtel Xamax zu werten. Übrigens sein sechtes Ligaspiel, das er ohne Gegentor beendet hat. Das halbe Dutzend ist voll.

Das verbesserte Verhalten unter Celestini bei den Standards

Doch Marius Müller weiss, dass er und seine Vorderleute gegen Xamax auch das nötige Glück beanspruchten. «Ich weiss gar nicht, wie ich den Freistoss von Nuzzolo pariert habe. Das war ein verrückter Flatterball», stellte der Luzern-Goalie ehrlich fest. «Wir haben einen Lauf, da bleibt man auch in solch extrem engen Spielen von Gegentoren verschont.» Schon gegen YB und teils gegen den FCZ hatten die Luzerner neben ihrem starken Torhüter auch das Glück des Tüchtigen.

Müller lächelte wie ein Glückspilz, das Veilchen am linken Auge passte dazu. «Das hat mir Anfang letzter Woche Pascal Schürpf mit dem Knie verpasst», erzählte er schmunzelnd.

Doch zu glauben, der FCL hätte in Neuenburg nur mit Glück gewonnen, wäre falsch. Der einstudierte Corner zum 1:0-Siegtor von Idriz Voca und das klar verbesserte Abwehrverhalten bei gegnerischen Standards sprechen für Trainer Fabio Celestini. Der meinte aber auch: «Es gibt noch sehr viel zu tun.» (dw)

Xamax – Luzern 0:1 (0:1)

5270 Zuschauer. – SR San.

Tor: 13. Voca (Margiotta) 0:1.

Neuchâtel Xamax: Walthert; Neitzke, Djuric, Xhemajli; Serey Dié; Gomes (80. Haile Selassie), Tafer (69. Ramizi), Araz, Seydoux; Karlen (62. Seferi), Nuzzolo.

FC Luzern: Müller; Grether, Lucas, Knezevic, Sidler; Ndiaye, Voca (35. Mistrafovic), Ndenge, Matos (68. Schürpf); Males, Margiotta (61. Schwegler).

Bemerkungen: Neuchâtel Xamax ohne Kamber (gesperrt), Doudin, Dugourd und Alic (alle verletzt). Luzern ohne Kakabadse, Schulz und Binous (alle verletzt). Voca verletzt ausgeschieden. 19. Pfostenschuss Karlen. Verwarnungen: 32. Xhemajli (Foul), 37. Matos (Ballwegschlagen), 63. Djuric (Foul), 66. Neitzke (Foul), 69. Grether (Foul), 74. Ramizi (Foul), 80. Ndiaye (Foul), 95. Schürpf (Foul).