FCL-Fans feiern Bernegger nach 2:0-Triumph

Hühnerhaut-Atmosphäre herrscht am Mittwochabend nach dem 2:0-Sieg des FC Luzern über den Tabellendritten FC St. Gallen. Die FCL-Fans feiern die Mannschaft und besonders Trainer Carlos Bernegger. Unter dem 44-jährigen Schweiz-Argentinier sind die Innerschweizer weiterhin ungeschlagen, aus fünf Spielen resultierten 11 Punkte, Luzern hat den Ligaerhalt so gut wie gesichert.

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Adrian Winter, Florian Stahel, Carlos Bernegger und der FCL-Leu jubeln nach dem Schlusspfiff mit den Fans. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Adrian Winter, Florian Stahel, Carlos Bernegger und der FCL-Leu jubeln nach dem Schlusspfiff mit den Fans. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Die Luzerner Spieler liessen sich feiern. Der siebte Saisonsieg bedeutete, dass die Abstiegssorgen praktisch der Vergangenheit angehören. Sechs Punkte beträgt nun der Vorsprung auf Lausanne-Sport, das gestern zu Hause Sion mit 1:3 unterlag, auf das letztplatzierte Servette sind es nun schon 13 Zähler Differenz – ein in den letzten fünf Spielen kaum mehr einzuholender Rückstand für die Genfer, selbst wenn sie noch zwei Partien weniger gespielt haben. Die FCL-Fans sorgten in der Swissporarena für bisher kaum erlebte Hühnerhaut-Atmosphäre. Nach einer sehr enttäuschenden Saison wollten sie den Mann feiern, der die Wende zum Guten geschafft hat: Carlos Bernegger. Nach Murat Yakin, Ryszard Komornicki und Übergangscoach Gerardo Seoane ist der 44-jährige Schweiz-Argentinier der vierte FCL-Trainer der Saison. Unter Bernegger ist die Mannschaft innert weniger Wochen zu einer Einheit zusammengewachsen. Seine Bilanz mit Luzern ist traumhaft: Mit dem gestrigen 2:0-Heimsieg gegen St. Gallen kommt er auf drei Siege und zwei Unentschieden – in fünf Partien ist er ungeschlagen geblieben. Die Anhänger forderten mit "Carlos, Carlos"-Sprechchören den Trainer auf, vor die Kurve zu treten. Bernegger machte mit, hüpfte mit seinen Spielern und den FCL-Löwen um die Wette. Er liess sich von den Fans bejubeln wie man es von Jürgen Klopp in Dortmund kennt. Für Zuschauer, welche mit der sportlichen Situation von Luzern nicht vertraut sind, musste es ausgesehen haben, als ob der Klub soeben einen Titel gewonnen oder mindestens die Europa-League-Teilnahme gesichert hätte.

David Zibung: 5 Der Goalie macht seine Sache gut, entscheidende Abwehraktion gegen Mathys (66.) beim Stand von 1:0. (Bild: Neue LZ)
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Tomislav Puljic: 4,5 Längst nicht mehr souverän wie beim Sieg in Basel, aber nach abgesessener Sperre in Thun wieder ein Eckpfeiler in der Abwehr. (Bild: Neue LZ)
Claudio Lustenberger: 4 Der Ex-Captain zeigt wieder grosses läuferisches Engagement. Säbelt an Scarione-Pass vorbei, der Mathys in der 66. Minute die grosse Chance zum Ausgleich ermöglicht. (Bild: Neue LZ)
Florian Stahel: 4,5 Eine konzentrierte Leistung des Innenverteidigers, allerdings ein Fehler, der aus einem Abpraller zum Lattenkopfball von Wüthrich (50.) führt. (Bild: Neue LZ)
Sally Sarr: 4,5 Beim Rechtsverteidiger wechseln gute und weniger gute Szenen ab, zeigt einen kämpferischen Einsatz. (Bild: Neue LZ)
Xavier Hochstrasser: 4,5 Erzielt in der Nachspielzeit vor der Pause das 1:0, erneut mit viel Einsatz. Spielerisch noch mit Luft nach oben. (Bild: Neue LZ)
Michel Renggli: 4 Der neue Captain hat zwei Mal Glück, dass die St. Galler seine Fehler nicht zu Toren ausnützen können. Leidet noch immer an Schmerzen an der Achillessehne. (Bild: Neue LZ)
Dimitar Rangelov: 4 Schuftet für zwei, hat aber mit Mutsch einen Gegenspieler, der ihm kaum Freiraum lässt und wenn sein muss, hart anfasst. Insgesamt glückloser Auftritt des Bulgaren. (Bild: Neue LZ)
Adrian Winter: 4,5 Hat auch schon stärkere Auftritte gehabt beim FC Luzern, doch er nutzt seine Chance und schiesst in der 87. Minute den Treffer zum 2:0-Schlussresultat. (Bild: Neue LZ)
Pajtim Kasami: 4,5 Herrliche Vorarbeit zum 1:0 von Hochstrasser. Der U-21-Internationale hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Aber selbstverständlich hat auch er noch Steigerungspotenzial... (Bild: Neue LZ)
Jahmir Hyka: 3,5 Kann seine Chance als Sturmspitze nicht nutzen. Mit seinen technischen Möglichkeiten müsste der albanische Internationale für mehr Impulse sorgen können. (Bild: Neue LZ)
Daniel Gygax 4,5 Der frühere Schweizer Nationalspieler kommt in der 57. Minute für Hyka und sorgt in der Spitze für mehr Wirbel. Gygax verpasst in der 81. Minute die Vorentscheidung zum 2:0 knapp. (Bild: Neue LZ)
Alain Wiss: 4,5 Der zweifache A-Nationalspieler ersetzt in der 76. Minute Renggli, Wiss engt die Räume von Scarione ein und gibt mit dem tollen Pass auf Winter die Vorlage zu dessen 2:0. Nicht bewertbarer Kurzeinsatz von Stephan Andrist (ab 85. Minute für Rangelov). (Bild: Neue LZ)

David Zibung: 5 Der Goalie macht seine Sache gut, entscheidende Abwehraktion gegen Mathys (66.) beim Stand von 1:0. (Bild: Neue LZ)

Fans liegen Bernegger am Herzen

Bernegger drückte denn auch wenig später bei der Medienkonferenz auf die Euphoriebremse: "Wir haben uns noch nicht vor dem Abstieg gerettet. So lange es mathematisch nicht feststeht, dass wir den Ligaerhalt geschafft haben, muss ich dafür schauen, dass sich die Freude in Grenzen hält, es gibt keinen Anlass zu Euphorie, denn wir müssen weiter hart an unserem Ziel Klassenerhalt arbeiten." Aber natürlich ist dem Coach klar, dass die Fans nach einer bis zu seiner Ankunft in Luzern äusserst tristen Saison jetzt wieder grossen Spass haben. So gab Bernegger, dem die Fans am Herzen liegen, offen zu: "Es ist ein unglaublich gutes Gefühl. Ich habe mich hier von Anfang sehr gut gefühlt. Es herrscht eine grosse Empathie und Unterstützung des Publikums. Die Spieler haben diese Reaktion der Zuschauer verdient, es ist grossartig, wie sie sich auf jedes Spiel vorbereiten."

Er schiesst sie alle ab: Torschütze Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli)
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FCL-Trainer Carlos Bernegger jubelt unmittelbar nach Schlusspfiff. (Bild: Philipp Schmidli)
So feiert ein erfolgreicher FCL-Trainer Carlos Bernegger, zusammen mit Adrian Winter und Florian Stahel. (Bild: Philipp Schmidli)
FCL-Trainer Carlos Bernegger (rechts) bedankt sich bei Adrian Winter für das 2:0. (Bild: Philipp Schmidli)
Adrian Winter bedankt sich nach dem 2:0 bei Carlos Bernegger. (Bild: Philipp Schmidli)
Nach dem Schlusspfiff rennt Trainer Carlos Bernegger zu den Fans. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Jahmir Hyka. (Bild: Philipp Schmidli)
Adrian Winter (rechts) feiert mit Pajtim Kasami das 2:0. (Bild: Philipp Schmidli)
Adrian Winter schiesst das 2:0 für Luzern. (Bild: Keystone)
Adrian Winter (links) und Pajtim Kasami jubeln nach dem 2:0. (Bild: Philipp Schmidli)
Über 13'000 Fans kamen in die Arena. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Sally Sarr. (Bild: Philipp Schmidli)
Jubel bei den FCL-Spielern mit den Fans nach Spielschluss. (Bild: Philipp Schmidli)
Florian Stahel, Carlos Bernegger und der FCL-Leu nach Spielschluss. (Bild: Philipp Schmidli)
Jubel bei Xavier Hochstrasser nach seinem Treffer zum 1:0. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Pajtim Kasami (links) gegen Stéphane Besle. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Pajtim Kasami (unten) gegen Oscar Scarione. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Alain Wiss am Ball, gegen die St. Galler Pa Modou (links) und Oscar Scarione. (Bild: Philipp Schmidli)
Jahmir Hyka (rechts) gegen Pa Modou, beobachtet von Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli)
Ehrenpräsident Walter Stierli. (Bild: Philipp Schmidli)
Alles zu: Florian Stahel (links) und David Zibung (rechts) wehren gegen den St. Galler Sebastien Wüthrich. (Bild: Keystone)
Luzerns Dimitar Rangelov (rechts) gegen St. Gallens Mario Mutsch. (Bild: Philipp Schmidli)
Carlos Bernegger gibt an der Seitenlinie Anweisungen, während Sally Sarr einwirft. (Bild: Philipp Schmidli)
Vorarbeit Kasami, Tor Hochstrasser (rechts): Die beiden Luzerner jubeln nach dem 1:0. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Xavier Hochstrasser zieht ab, gegen St. Gallens Pa Modou. (Bild: Philipp Schmidli)
Tomislav Puljic wird vom Platz gefahren. (Bild: Philipp Schmidli)
Sportchef Alex Frei (links oben) verfolgt das Spiel von der Tribüne aus. (Bild: Philipp Schmidli)
Adrian Winter feiert das 2:0. (Bild: Keystone)
Adrian Winter (links) und Sally «Superstar» Sarr nach dem 2:0. (Bild: Keystone)
Carlos Bernegger lebt an der Seitenlinie voll mit. (Bild: Keystone)
Luzerns Xavier Hochstrasser (rechts) gegen Pa Modou Jagne. (Bild: Keystone)
Luzerns Pajtim Kasami (vorne) gegen St. Gallens Oscar Scarione. (Bild: Keystone)
Adrian Winter wird von Stéphane Besle gebremst. (Bild: Keystone)
Adrian Winter (unten) gegen Stéphane Besle. (Bild: Keystone)
Die Luzerner Lustenberger, Puljic, Kasami und Winter (von links) jubeln nach dem 1:0. (Bild: Keystone)
So jubelt Xavier Hochstrasser nach dem 1:0. (Bild: Keystone)
Luzerns Adrian Winter gegen Stéphane Nater. (Bild: Keystone)
Die Luzerner Xavier Hochstrasser (links) und Claudio Lustenberger gegen Stéphane Nater. (Bild: Keystone)
St. Gallens Oscar Scarione (rechts) bremst Florian Stahel. (Bild: Keystone)

Er schiesst sie alle ab: Torschütze Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli)

Ein Arbeitssieg

Zum Spiel hatte Bernegger eine klare Meinung: "Wir haben uns den Sieg verdient." Und: "Heute hat mir vor allem gefallen, wie wir den Sieg erreicht haben." Mit anderen Worten: Luzern erarbeitete sich diesen Erfolg gegen den Tabellendritten und Aufsteiger FC St. Gallen, dessen Trainer Jeff Saibene nach Spielschluss äusserst nachdenklich und konsterniert wirkte. "Aufgrund unseres enttäuschenden Auftritts in der ersten Halbzeit haben wir heute keinen Punkt verdient", stellte der Luxemburger fest. Tatsächlich waren die Ostschweizer in der ersten Halbzeit kaum präsent. Allerdings waren es sehr taktisch geprägte erste 45 Minuten gewesen und keines der beiden Teams besass gute Torchancen. Wenigstens bis zur Nachspielzeit vor der Pause, als Adrian Winter den Fulham-Leihspieler Pajtim Kasami steil anspielte. Der zuletzt von Bernegger kritisierte U-21-Nationalspieler setzte sich gegen St. Gallens Innenverteidiger Besle durch, passte von der Grundlinie zurück zur Mitte, von wo Xavier Hochstrasser mit seinem zweiten Saisontor das 1:0 für Luzern erzielte.

Winters besonderer Torjubel

St. Gallen drückte nach dem Seitenwechsel vehement auf den Ausgleich. In der 50. Minute köpfelte Wüthrich an die Latte. Eine zweite hervorragende Ausgleichschance bot sich in der 66. Minute Mathys, doch sein Schuss aus wenigen Metern wehrte FCL-Goalie David Zibung gekonnt ab. Gleich zweimal kam Mathys (75.) hintereinander zu Schüssen von der Grundlinie, doch wiederum liess sich Zibung nicht düpieren. Der eingewechselte Daniel Gygax besass Luzerns erste grosse Konterchance, sein Ball aus spitzem Winkel ging in der 81. Minute nur knapp am hinteren Torpfosten vorbei. Drei Minuten später vergab Nushi St. Gallens letzte Möglichkeit, ehe Winter in der 87. Minute auf Pass des eingewechselten Alain Wiss das erlösende 2:0 gelang. Winter jubelte danach wie im Videospiel "Hitman" und formte aus seinen Fingern Revolver. Es heisst, "Hitman" gleiche mit seiner Glatze dem FCL-Trainer Bernegger.

Wie dem auch sei: Am Ende standen von den 13 373 Zuschauern die meisten und sangen das Jubellied "Steht auf, wenn ihr Luzerner seid". So begannen die Feierlichkeiten in der Swissporarena – und sie erreichten ihren Höhepunkt mit dem Halleluja auf Carlos Bernegger. Papst Franciscus I., ebenfalls ein Argentinier, wäre wohl auf seinen Landsmann neidisch geworden, wenn er im Luzerner Stadion gewesen wäre.

Daniel Wyrsch / Neue LZ

Luzern - St. Gallen 2:0 (1:0)

Swissporarena. - 13'373 Zuschauer. - SR Klossner. - Tor: 45. Hochstrasser (Kasami) 1:0. 87. Winter (Wiss) 2:0.

Luzern: Zibung; Sarr, Stahel, Puljic, Lustenberger; Renggli (76. Wiss); Winter, Kasami, Hochstrasser, Rangelov (85. Andrist); Hyka (57. Gygax).

St. Gallen: Lopar; Mutsch, Montandon, Besle, Pa Modou; Wüthrich (78. Martic), Nater, Schönenberger (52. Mathys), Nushi; Scarione; Ishak (46. Cavusevic).

Bemerkungen: Luzern ohne Lezcano (verletzt) und Muntwiler (gesperrt), St. Gallen ohne Etoundi und Janjatovic (beide verletzt). 50. Kopfball von Wüthrich an die Latte. Verwarnungen: 51. Kasami (Unsportlichkeit). 55. Pa Modou (Foul). 61. Cavusevic (Foul). 72. Nater (Unsportlichkeit).