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FCL-Gegner Xamax pokert hoch mit Stéphane Henchoz

Das Tabellenschlusslicht Xamax hat sich am Dienstag von Trainer Michel Decastel getrennt. Im ersten Spiel unter dem neuen Coach Stéphane Henchoz empfangen die Neuenburger am Sonntag (16 Uhr) den FC Luzern. Ein Situationsbericht.
Daniel Wyrsch
Der neue Xamax-Trainer Stéphane Henchoz präsentiert sich den Fotografen in der Maladière. (Bild: Valentin Flauraud/Keystone (Neuenburg, 8. Februar 2019))

Der neue Xamax-Trainer Stéphane Henchoz präsentiert sich den Fotografen in der Maladière. (Bild: Valentin Flauraud/Keystone (Neuenburg, 8. Februar 2019))

Der Entscheid von Xamax-Präsident Christian Binggeli ist in Neuenburg umstritten. Selbst Führungsspieler haben sich überrascht gezeigt, dass Aufstiegstrainer Michel Decastel (63) den Verein am Dienstag verlassen musste. «Das ist ein schwieriger Moment, wir haben sehr gute Augenblicke zusammen erlebt», sagte Verteidiger Mike Gomes (30) zu den Journalisten des Neuenburgers «Arcinfo».

In der Mannschaft habe niemand an den Fähigkeiten von Coach Decastel gezweifelt, versicherte Gomes. Bei der 0:2-Niederlage vom vergangenen Samstag in Bern gegen den klaren Super-League-Leader Young Boys hatte es zudem keine Anzeichen gegeben, dass sich die Xamaxiens dem drohenden Abstiegsschicksal ergeben würden. «Wir fühlen uns schon ein wenig verantwortlich für Decastels Entlassung», sagte Gomes mit Blick auf die Tabelle, wo Xamax mit 13 Punkten aus 19 Spielen vier Zähler hinter dem vorletzten GC auf dem direkten Abstiegsplatz steht.

Profis spielen um ein Kapitel in ihrer Laufbahn

Trotzdem erklärte Gomes: «Der Entscheid des Trainerwechsels hat der Präsident gefällt.» Über den neuen Coach Stéphane Henchoz (44), der bei Xamax vom Assistenten zum Cheftrainer aufgestiegen ist, sagte Gomes: «Als Verteidiger habe ich bereits von seiner immensen Erfahrung profitiert.» Henchoz bestritt 72 Länderspiele für die Schweiz, in seiner Karriere spielte er jeweils lange für so prestigeträchtige Vereine wie den FC Liverpool und Hamburger SV.

Gomes zur neuen Situation: «Die Zähler werden zurückgesetzt. Es liegt an uns, positiv zu reagieren. Wir spielen in den nächsten 17 Spielen um ein Kapitel in unserer Karriere.»

Henchoz will defensiv kompakter agieren

Am Freitagmittag stand Stéphane Henchoz erstmals in seiner neuen Rolle als Xamax-Cheftrainer den Medien Red und Antwort. Die erste Hauptaussage des gebürtigen Freiburgers machen alle Verantwortlichen, die frisch eine abstiegsgefährdete Mannschaft übernommen haben: «Ich bin überzeugt, dass Xamax das Potenzial besitzt, sich zu retten.» Angesprochen auf seine erste Station der Trainerlaufbahn beim Erstligisten FC Bulle, die in der Saison 2009/10 nur 14 Pflichtspiele (4 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen) dauerte, anwortete Henchoz: Xamax gebe ihm die Möglichkeit, es besser zu machen.

Der ehemalige Verteidiger will mit den Neuenburgern künftig weniger spektakulär nach vorne spielen wie noch unter Decastel: «Prioriät wird haben, dass wir weniger Gegentore bekommen.» 44 Treffer kassierte Xamax in den ersten 19 Spielen, das sind die klar meisten aller Super-League-Teams. Um auf den Weg zum Ligaerhalt zu kommen, «müssen wir defensiv solider und kompakter agieren», erklärte Henchoz seine Spielanlage.

Torhüter und Captain Laurent Walthert (34) machte zuvor in Interviews nicht den Anschein, dass die Absetzung von Decastel ein Befreiungsschlag für die Spieler ist: «Das ist kein schöner Tag, ich kenne keine 36 000 Situationen wie diese, bevorzuge die Atmosphäre des Aufstiegs im Juni.» Überrascht von der Entlassung Decastels sei er, «weil das sonst nicht die Art des Vereins und jene von Binggeli ist». Gleichzeitig hätten sie gewusst, dass es einfacher sei, den Coach zu wechseln, statt 20 Spieler auszutauschen.

Präsident Binggeli hat grosse Verdienste um Xamax

Präsident Christian Binggeli (65) hat Xamax Anfang 2012 übernommen. Der Mitinhaber eines Dentaltechnikunternehmens rettete den Meister von 1987 und 1988 nach dem Konkurs unter dem tschetschenischen Hochstapler Bulat Tschagajew zusammen mit Freunden des Vereins. Schliesslich führte er Xamax von der 2. Liga inter zurück in die Beletage des Schweizer Fussballs. «Ich wollte der Equipe einen Stromstoss versetzen», begründete er den plötzlichen Coachingwechsel. Er lässt einen Einblick in seine Gedankenwelt zu: «Ich hatte das Gefühl, dass ich einen Poker ausprobieren musste.»

Kritik an Binggelis, weil sie sich als Sportchefs sehen

Obwohl Binggeli von einem neuen Zyklus bei Xamax spricht, tönt die Begründung des Präsidenten nicht besonders fundiert. Ihm und Sohn Gregory Binggeli (42) wird vorgeworfen, dass sie sich gerne als Sportchefs aufspielen würden, dass sie und Decastel aber mit Charles Pickel und Geoffroy Serey nur zwei Spieler geholt haben, die höheren Ansprüchen genügen. Neben Mittelfeld-Aggressivmann Serey Die (34) hat Xamax mit Stürmer Afimico Pululu (19) noch einen zweiten Profi vom FC Basel ausgeliehen.

FCL-Trainer René Weiler ist gewarnt, er erwartet ein enges, umkämpftes Spiel: «Wir verloren gegen Xamax in der Vorrunde zu Hause 0:2 und auswärts gewannen wir 2:1, das Gesamtskore lautete 3:2 für Xamax. Das zeigt, wie schwierig die Partie vom Sonntag wahrscheinlich wird.» Zudem erwartet Weiler personelle Veränderungen bei Xamax, weil Henchoz wohl auf neue Spieler setzt.

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