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FCL-Grossaktionär Bernhard Alpstaeg: «Ich werde Remo Meyer die Kappe waschen»

Beim FC Luzern regiert nach der Freistellung von Trainer René Weiler wieder einmal das Chaos. Statt Geld für neue Spieler auszugeben, wird die Coach-Entlassung teuer. Sportchef Remo Meyer steht nun in der Kritik – auch von Grossaktionär Bernhard Alpstaeg.
Raphael Gutzwiller und Daniel Wyrsch
Wird das Gespräch mit Remo Meyer suchen: Grossaktionär Bernhard Alpstaeg. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Wird das Gespräch mit Remo Meyer suchen: Grossaktionär Bernhard Alpstaeg. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Als im vergangenen Sommer René Weiler als neuer Cheftrainer beim FC Luzern vorgestellt wurde, galt er als absolute Wunschlösung. Weilers Palmarès klang für den beschaulichen FCL beeindruckend: Zuletzt trainierte er die Traditionsvereine Nürnberg und Anderlecht, wurde in Belgien sogar Meister.

Doch Luzern ist nicht Anderlecht oder Nürnberg. «Wir konnten den Ansprüchen von René Weiler leider nie gerecht werden. Er ist nie in der Innerschweiz angekommen», fasste der Luzerner Sportchef Remo Meyer an der Medienkonferenz am Montag den Grund für Weilers Entlassung zusammen. «Alles war in eine komplett falsche Richtung unterwegs. Deshalb musste ich jetzt handeln. Ich hatte keine Lust, länger zuzuschauen!», sagte Meyer. Der Sportchef war es gewesen, der am Sonntag, am Tag nach der 0:3-Heimpleite gegen Lugano, dem Verwaltungsrat den Antrag auf die Trainerentlassung gestellt hatte. Zur Entfremdung zwischen Meyer und Weiler kam es nach und nach, Meyer sprach von einem «schleichenden Prozess».

Entlassung kostet mehr als eine Million Franken

Die Entlassung von Weiler bedeutet bereits der dritte Trainerwechsel innerhalb von rund vierzehn Monaten beim FC Luzern. Nachdem Anfang 2018 Markus Babbel freigestellt wurde und im darauffolgenden Juni Gerardo Seoane zu YB wechselte, ist der Fall Weiler das grösste Missverständnis in der über 20-monatigen Amtszeit von Sportchef Remo Meyer. Er ist es, der für die missglückte Trainerwahl geradestehen muss. Der Sportchef war im Sommer so begeistert von einer Verpflichtung des renommierten Trainers, dass er ihn mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet hatte. Weiler begründete bei seiner Vorstellung, dass Meyer ihn vom FCL überzeugt habe. Nun ist die Beziehung der beiden vorzeitig in die Brüche gegangen. «Natürlich war es ein Fehler, Weiler anzustellen», gab Meyer zu. Da der Vertrag noch bis zum Sommer 2021 weiterläuft, kostet die Freistellung Luzern mehr als eine Million Franken. Meyer äussert sich dazu so: «Wir haben im Sommer beim Wechsel von Gerardo Seoane zu YB unplanmässige Ablöseerträge erhalten, nun sind es unplanmässige Ausgaben.»

Diese Ausgaben schmerzen den FCL allerdings derzeit besonders. Denn in der Winterpause stand Sportchef Meyer nicht mal Geld für neue Spieler zur Verfügung. «Selbstverständlich planen wir so, dass auch mal etwas Unvorhergesehenes passieren kann und wir darauf reagieren können», beschwichtigte FCL-Präsident Philipp Studhalter. Das fehlende Geld war jedoch ein Mitgrund dafür, dass Weiler und Meyer das Kader unterschiedlich einschätzten. Weiler forderte Verstärkungen, Meyer konnte diese nur bedingt erfüllen. Lediglich Stürmer Blessing Eleke, der im Sommer zum FCL stiess, erfüllte mehrheitlich die Erwartungen.

Seit Beginn seiner Amtszeit kritisierte Weiler immer wieder die Infrastruktur, die Vereinsspitze und vor allem fehlende Qualität. «Das Kader ist genug gut», befand Meyer gestern. Er sprach davon, dass das Team besser sei als noch im Jahr zuvor, als der FCL unter Seoane noch auf den dritten Schlussplatz vorstiess. Zu den Gesprächen vor Weilers Amtsantritt sagte Meyer: «Ich habe ihm gesagt, wie unsere finanzielle Situation aussieht. Da habe ich ihm bestimmt keine Märchen aufgetischt.» Wer Weilers direkte Art kennt, ist jedoch erstaunt darüber, dass er in jenen Gesprächen offenbar bezüglich der finanziellen Situation keine Vorbehalte gegenüber dem FC Luzern äusserte. Denn bereits ab den ersten Interviews kritisierte er die Politik der Vereinsspitze.

Meyer glaubt, dass er weiterhin eine Jobsicherheit besitzt

Die Entlassung Weilers könnte nur der Anfang eines Köpferollens in Luzern sein. Sportchef Meyer steht gehörig unter Druck, auch wenn ihm Präsident Philipp Studhalter gestern den Rücken stärkte. Selber sagte Meyer: «Ich glaube schon, dass ich noch fest im Sattel sitze.» Doch FCL-Grossaktionär Bernhard Alpstaeg lässt aufhorchen. Auf Anfrage dieser Zeitung kündigte er an: «Ich werde mit Remo Meyer reden und ihm die Kappe waschen, mir aber auch erklären lassen, was passiert ist.»

Die beiden Assistenten Manuel Klökler und Thomas Binggeli übernehmen das Team des FCL interimstisch, aber schon am Sonntag beim Auswärtsspiel gegen den FC Zürich soll der neue Chef auf der Bank sitzen, versprach gestern Meyer. Zu den kursierenden Namen wie Thomas Häberli, Raphael Wicky, Bruno Berner, Boris Smiljanic oder Heiko Vogel wollte er sich noch nicht äussern. Freie Kandidaten wären zudem auch Maurizio Jacobacci, Jeff Saibene, Ciriaco Sforza oder Uli Forte. Meyer sagt: «Es haben schon am Sonntag erste Gespräche stattgefunden. Wir werden bald einen neuen Trainer präsentieren.»

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Wie geht es weiter? «Einwurf» spezial – der LZ-Fussball-Talk nach der Entlassung von FCL-Trainer René Weiler

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FCL-Sportchef Remo Meyer: «Ich habe das Gefühl, dass ich relativ fest im Sattel sitze»

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