FCL-Herkulesaufgabe und eine ungewisse Zukunft für Trainer Babbel

Sportreporter Daniel Wyrsch zur Reorganisation beim FC Luzern

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Beim FCL eine Art Supervisor-Trainer: der Deutsche Markus Babbel. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Beim FCL eine Art Supervisor-Trainer: der Deutsche Markus Babbel. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Der neue FCL-Überpräsident Philipp Studhalter ist sich bewusst, dass er als Nachfolger des zum Rücktritt gezwungenen Ruedi Stäger eine Herkulesaufgabe übernommen hat. Zusammen mit dem gesuchten neuen Geschäftsführer muss er den FC Luzern schlank und rank machen.

Ein fitter Super-League-Klub aus der Innerschweiz ist das Ziel der Investoren, die in den letzten drei Jahren je nach Quelle zwischen 2 und 4 Millionen Franken jährlich in den FCL pumpten, um das Defizit zu decken. Das bedeutet mit anderen Worten: Der populärste Sportverein der Region soll endlich selbsttragend werden.

Diese Zielsetzung ist nicht neu. Doch ein Blick auf die anderen Schweizer Profiklubs im Fussball und im Eishockey zeigt, dass nur der FC Basel (dank Transfer-, Champions-League- und Europa-League-Einnahmen) und der SC Bern (dank Gewinnen aus dem Gastrobereich) ohne jährliche Finanzspritzen von Investoren und Mäzenen auskommen.

Der neue FCL-CEO hat nur eine Überlebenschance in seinem Job, wenn er verkaufsstark ist. Er muss vor allem Sponsorengelder akquirieren und wenn möglich neue Investoren und Mäzene für den personalintensiven Apparat inklusive Nachwuchsakademie finden. Ob der Moment für einen Wechsel an der Vereinsspitze günstig ist, sei dahingestellt. Ruedi Stäger, der als Präsident sicher nicht alles richtig gemacht hat, aber im sehr anspruchsvollen Amt täglich dazulernte, hat nicht als Einziger folgende Meinung: «Jetzt als Drittplatzierter und mit der Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation wäre für mich die beste Gelegenheit gewesen, Sponsoren zu akquirieren.»

Wie es unter Stäger mit dem FCL weitergegangen wäre, ist hypothetisch. Das Gleiche kann über Rolf Fringer oder Alex Frei gesagt werden. Mit Sportchef Fringer wäre Luzern vielleicht Cupsieger geworden, mit Sportchef Frei hätte sich der FCL im Frühjahr 2015 vielleicht aus der Abstiegsgefahr befreit und wäre nun mit etlichen jungen Talenten bestückt – alles lediglich Hypothesen.

Was die Investoren unbedingt überdenken müssen, ist ihr viel zu hoher Personalverschleiss seit Mitte 2012: Sportkoordinator Remo Gaugler ist nach Heinz Hermann, Alex Frei und Rolf Fringer der vierte sportliche Leiter; Markus Babbel ist nach Murat Yakin, Ryszard Komornicki und Carlos Bernegger der vierte Cheftrainer; Patrick Rahmen sogar bereits der fünfte Assistenztrainer in der gleichen Zeitspanne. Und Philipp Studhalter ist nach Walter Stierli, Mike Hauser und Ruedi Stäger der vierte FCL-Präsident. In der Summe hat kein Super-League-Klub derart viele Wechsel auf Führungspositionen vorzuweisen.

Wenn nicht alles täuscht, könnte die nächste Personalmutation bald bevorstehen: Babbel hat mit Stäger seinen Fürsprecher verloren. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, und die genauen Beobachter haben es längst festgestellt: Der FCL könnte im Staff erheblich sparen, wenn der Trainingsleiter zugleich der Cheftrainer wäre. Patrick Rahmen würde wahrscheinlich alles mitbringen, um die Mannschaft erfolgreich zu führen.

Die Frage ist jetzt, ob sich Luzern einen Supervisor-Trainer a la Babbel leisten will. Das heisst nicht, dass der vormalige Bundesliga-Coach mit seiner Aura und Erfahrung als Ex-Weltklasseverteidiger und der zumeist besonnenen Art im Umgang mit den Spielern und den Medien nicht auch Fähigkeiten hat sowie Vorteile in der Führung des Teams mitbringt. Man darf gespannt sein, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Ex-Bayern-Profi entwickelt, oder ob Babbel möglicherweise selbst einen anderen Weg (zurück in die Bundesliga oder 2. Bundesliga) geht. Der Deutsche hat beim FCL einen Zweijahresvertrag bis Sommer 2018 mit Ausstiegsklausel.