FCL lässt in der zweiten Halbzeit nach, die 1:2-Niederlage beim Meister YB geht in Ordnung

Im Geisterspiel vom Wankdorf fehlt spürbar die Stimmung. Im praktisch leeren Stadion geht der FC Luzern nach einer 1:0-Halbzeitführung während der zweiten Halbzeit unter. YB wendet das Spiel und siegt verdient mit 2:1.

Daniel Wyrsch aus Bern
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Die entscheidende Szene

In der zweiten Halbzeit leisten die Luzerner zu wenig Widerstand. Das zeigt sich beim 2:1-Siegtreffer der Young Boys deutlich: Varol Tasar fühlt sich für Nicolas Moumi Ngamaleu nicht zuständig, so kann der Flügel ungehindert vors Tor flanken, wo Jean-Pierre Nsame einköpfelt.

Jean-Pierre Nsame springt hoch und erzielt gegen die Luzerner Stefan Knezevic (Nr. 4) und Marius Müller im Tor den 2:1-Siegtreffer für YB.

Jean-Pierre Nsame springt hoch und erzielt gegen die Luzerner Stefan Knezevic (Nr. 4) und Marius Müller im Tor den 2:1-Siegtreffer für YB.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Bern, 25. Oktober 2020)

Matchbericht

Der FC Luzern spielt in diesem Ligamatch beim Meister praktisch wieder in seiner alten Rolle wie in der Zeit vor Fabio Celestini: Die Mannschaft steht kompakt in der Defensive und versucht im Umschaltspiel zu reüssieren. YB ist denn auch klar tonangebend, drei Tage nach der Heimniederlage gegen die AS Roma (1:2) in der Europa League wirken die Berner in den ersten 45 Minuten aber nicht frisch.

Die erste Chance der Partie hat gleichwohl das Team von Gerardo Seoane: Jean-Pierre Nsame köpfelt in der 5. Minute einen Cornerball aufs Luzerner Tor, wo Marius Müller den Ball reflexstark über die Latte lenkt.

Einer der eher seltenen FCL-Gegenstösse läuft über Lucas Alves, der Innenverteidiger flankt, in der Mitte trifft Filip Ugrinic den Ball nicht richtig, hinter ihm kommt mit Stefan Knezevic der zweite Innenverteidiger an den Ball. Jordan Lefort tritt den Luzerner im Strafraum in die Wade, Schiedsrichter Sandro Schäfer entscheidet sofort auf Penalty. Marvin Schulz tritt den Foulelfmeter souverän, YB-Goalie David von Ballmoos fliegt in die falsche Ecke, der Ball wäre sowieso zu platziert gewesen. Der FCL führt in der 19. Minute 1:0.

Die Mannschaft von Fabio Celestini spielt einen sehr realistischen Fussball. Eine Schwäche zeigen die Innerschweizer gleichwohl: Der Spanier Alex Carbonell verliert in der 32. Minute bereits zum zweiten Mal einen Ball beim Versuch, aus der eigenen Zone herauszuspielen. YB-Mittelfeldmann Michel Aebischer schnappt sich die Kugel, wird sofort von Neuzugang Carbonell gefoult. Der Ex-Barça-Junior bekommt von Ref Schärer die gelbe Karte, vier Tage nachdem der Schweizer im Camp Nou noch den FC Barcelona mit Messi gegen Ferenvaros Budapest in der Champions League gepfiffen hatte.

Luzerns Filip Ugrinic (47.) und YBs Meschack Elia (48.) sehen ihre Abschlussversuche knapp am Torpfosten vorbeifliegen. In der Folge drückt der Meister heftig auf den Ausgleich. In der 58. Minute schlägt Meschack Elia mit einer perfekten Direktabnahme zu: Er nutzt die Kopfballvorlage von Jean-Pierre Nsame zum 1:1.

YB lässt in der Folge nicht nach, will den Heimmatch vor der Geisterspiel-Kulisse mit total lediglich 200 Personen im fast leeren Wankdorf (Kapazität 31'000 Plätze) gewinnen. Einen grossen Schritt dafür gelingt Seoanes Team in der 69. Minute: Varol Tasar lässt Nicolas Moumi Ngamaleu laufen und flanken, Jean-Pierre Nsame ist in der Mitte mit dem Kopf zur Stelle, der Klub aus der Bundeshauptstadt führt zu Recht 2:1

Der Widerstand der Luzerner ist in der zweiten Halbzeit zu mangelhaft. So kann man in der Super League nichts gewinnen, sicher nicht gegen die robusteren Berner. Die haben sich die Europa-League-Müdigkeit offenbar in der ersten Halbzeit aus den Knochen geschüttelt.

Der eingewechselte Christian Fasnacht vergibt in der 80. Minute die Siegsicherung, der Zürcher im gelb-schwarzen Dress scheitert an Marius Müller. Der FCL-Keeper verhindert eine höhere Niederlage.

Nach fünf Spielen hat der immer noch sieglose FC Luzern erst zwei Punkte, steht auf dem zweitletzten Tabellenrang, während YB neu die Leaderposition eingenommen hat.

Die Stimmen zum Spiel

FCL-Flügelspieler Varol Tasar: «Wir wollten die Null verteidigen, nachdem wir zur Halbzeit 1:0 geführt hatten. In der zweiten Halbzeit unterliefen uns allerdings zu viele Fehler. Wir zeigten etwas zu viel Respekt, gegen den Meister bekommt man dann die Gegentore. Es waren gleich zwei Stück. Wenn nicht Marius Müller bei uns im Tor gestanden wäre, hätten es gleich vier oder fünf sein können. Über die Zukunft mache ich mir aber keine Sorgen, denn wir haben eine gute Mannschaft. Wir brauchen noch etwas Zeit. Das Heimspiel vom nächsten Sonntag gegen Sion fällt bekanntlich aus. Anschliessend werden wir uns besser präsentieren.»

FCL-Torhüter Marius Müller: «Die beiden Gegentore wären zu verhindern gewesen, uns unterliefen individuelle Abwehrfehler. Vor dem 1:1 von YB verpassten wir es, den Ball wegzuschlagen. Beim 1:2 gingen wir nicht in den Zweikampf, liessen einen Berner ungehindert flanken. So etwas verstehen ich nicht, diese Einstellung geht gar nicht. Es ist ein Fakt, dass wir noch immer kein Spiel gewonnen haben, aber es muss weitergehen. YB hat enorme Qualitäten, drei Tage nach ihrem Europa-League-Spiel gegen Roma haben das die Berner gegen uns einmal mehr bewiesen.»

Telegramm

Young Boys – Luzern 2:1 (0:1)
Keine Zuschauer. – SR Schärer. – Tore: 19. Schulz (Foulpenalty) 0:1. 58. Elia (Nsame) 1:1. 69. Nsame (Moumi Ngamaleu) 2:1.

Young Boys: Von Ballmoos; Hefti, Lustenberger, Zesiger, Lefort (57. Maceiras); Sulejmani (57. Fassnacht), Aebischer (70. Gaudino), Camara, Moumi Ngamaleu; Elia (70. Siebatcheu), Nsame (85. Rieder).

Luzern: Müller; Schulz (46. Frydek), Alves, Knezevic, Sidler; Carbonell (82. Emini), Ndenge; Tasar (75. Alounga), Schaub, Ugrinic; Sorgic (65. Ndiaye).

Bemerkungen: Young Boys ohne Sierro (gesperrt), Lauper, Martins, Petignat und Spielmann (alle verletzt). Luzern ohne Binous, Burch, Owusu, Grether, Schürpf und Schwegler (alle verletzt). Verwarnungen: 32. Carbonell (Foul). 45. Tasar (Foul). 60. Camara (Foul). 85. Nsame (Spielverzögerung).