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FCL: Markus Babbel: «Wir müssen uns nun besinnen»

FCL-Trainer Markus Babbel spricht eine Woche vor dem Rückrundenstart über die mangelnde Bissigkeit seines Teams und über Neuling Lucas Alves. Zudem erklärt er seine Sicht zu offenen Personalsituationen.
Daniel Wyrsch
Trainer Markus Babbel – hier bei einem Meisterschaftsspiel im Letzigrund gegen GC – treibt beim FC Luzern den Konkurrenzkampf an. «Freipässe gibt es nicht», sagt der 44-jährige Deutsche. (Bild: Valeriano Di Domenico/Keystone (Zürich, 9. April 2016))

Trainer Markus Babbel – hier bei einem Meisterschaftsspiel im Letzigrund gegen GC – treibt beim FC Luzern den Konkurrenzkampf an. «Freipässe gibt es nicht», sagt der 44-jährige Deutsche. (Bild: Valeriano Di Domenico/Keystone (Zürich, 9. April 2016))

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Markus Babbel, in der Vorbereitung gab es drei Niederlagen gegen Karlsruhe, Braunschweig und Stuttgart aus der 2. Bundesliga. Sind Sie von dieser Negativserie überrascht?

Nicht wirklich, ich lege nicht ganz so viel Wert auf die Resultate, sondern mehr auf die Leistung. Gegen Karlsruhe stimmte sie nicht, gegen Braunschweig und Stuttgart haben wir die Chancen nicht genutzt und zu leicht Tore zugelassen. Weil wir ein grosses Gewicht auf die Physis legten, ist es nicht aussergewöhnlich, dass die Spieler etwas durchatmeten. Ich bin froh, können wir noch eine Woche an der Frische arbeiten, bevor die Rückrunde am nächsten Sonntag beginnt.

Sind Sie also zufrieden mit der Einstellung der Mannschaft?

In meiner Anfangszeit vor zwei Jahren, als die Spieler physisch auf einem viel tieferen Niveau waren, hatten wir gleich hart wie jetzt trainiert. Trotz damals fehlender Basis waren wir mit einer Topeinstellung in die Spiele gegangen. Das hatte auch mit der Ausgangsposition zu tun: Wir waren damals Tabellenletzter und waren dadurch in der Bringschuld. Diese Mentalität, die Spiele für uns zu entscheiden, hat mir jetzt gefehlt. Einzelne Spieler machen einen sehr guten Eindruck, aber es gibt auch viele, die im Moment grosse Schwierigkeiten haben.

Ist das wieder die fehlende Gier nach Siegen, die Sie in Luzern von Anfang moniert haben?

Das ist so ein bisschen die Truppe, deren Denken ich nicht ganz nachvollziehen kann. Dabei haben wir eine tolle Ausgangslage: Wir sind punktgleich mit dem Dritten Sion, wir stehen gut da in der Liga. In der Rückrunde besteht die Chance, etwas draufzulegen. Zudem gibt es das Highlight im Cup, die grosse Möglichkeit, gegen Challenge-League-Klub Aarau in den Halbfinal einzuziehen. Es wäre schade, wenn wir wieder halbbatzig in die zweite Saisonhälfte reinrutschen müssten, um erst dann den Ernst der Lage zu begreifen. Ich wünsche mir natürlich, dass wir uns nun besinnen, um gleich zu Beginn im Auftaktspiel in Lausanne performen zu können.

Können Sie versprechen, dass es nicht wieder einen völlig verpatzten Start mit sechs Pflichtspielniederlagen in Serie gibt wie vor einem Jahr?

(laut lachend) Versprechen kann ich das nicht. Ich hoffe, wir haben unsere Lehren daraus gezogen. Es wäre schade, wenn man nichts daraus lernt. Ich versuche, darauf hinzuwirken, und zeige die Beispiele auf. Aber am Ende ist die Truppe gefordert, diese Dinge umzusetzen und die richtige Einstellung an den Tag zu legen. Wir wissen, dass wir uns nicht nur mit spielerischen Mitteln durchsetzen können, sondern auch zweikampfstark sein müssen.

In der Abwehr wechselten Sie in den Testspielen zwischen Vierer- und Dreierkette ab. Warum haben Sie zwei Systeme spielen lassen?

Wir haben beide ausprobiert, denn wir wollen nicht nur ein System spielen können. Flexibilität ist das Ziel, um womöglich auf das Spiel eines Gegners zu reagieren und so Vorteile herauszuholen.

Innenverteidiger Lucas Alves ist der einzige Winterzuzug. Wie zufrieden sind Sie mit dem Brasilianer?

Sehr! Schade ist, dass er so spät zu uns gestossen ist. Gott sei Dank aber gelang der Transfer überhaupt. Er ist ein grossartiges Talent. Lucas bringt unglaublich viel mit. Man muss ihm natürlich Zeit geben. Er ist nicht im besten Zustand, weil er wegen der Vertragsverhandlungen vier, fünf Wochen Urlaub hatte und nicht früher zu uns wechseln konnte.

Verteidiger Tomislav Puljic hat zwar eine Option im Vertrag, dass er nach 20 Ligaspielen in der Startelf ein Jahr verlängern könnte. Offenbar stehen die Zeichen trotzdem auf Abschied Ende Saison.

Nein, es geht um den Konkurrenzkampf. Dieser belebt bekanntlich die Leistung. Dem Konkurrenzkampf muss sich Tomislav stellen wie jeder andere Spieler auch. Für mich ist entscheidend, welche Leistungen ich von den Profis gezeigt bekomme. Demzufolge versuche ich immer, die beste Mannschaft auf den Platz zu schicken, von der ich überzeugt bin, dass diese Spieler den Gegner packen.

Das heisst also nicht, dass der FCL Puljic à priori weghaben will?

Ich weiss nicht, was der Verein vorhat. Von Trainerseite her wollen wir Puljic sicher nicht weghaben. Wir werden alles genau beobachten. Wir wollen, dass sich hier keiner ausruht und ein Monopol hat. Dabei geht es uns aber nicht nur um Tomislav. Übrigens ist das nicht nur eine Luzerner Geschichte: In allen kompetitiven Teams sind die Positionen doppelt besetzt.

Jahmir Hyka und Sally Sarr trainieren für sich. Sind die beiden definitiv nicht mehr in der Mannschaft?

Jahmir hat vom Verein die Freigabe bekommen, dass er sich individuell fit halten kann, bis sich die Sache (der geplante Transfer zu San Jose Earthquakes, Anm. der Red.) so löst, dass der Transfer für ihn und den FCL gut ist. Er war mit dem Wechselwunsch auf uns zugekommen. Wir legen ihm keine Steine in den Weg, wollen aber eine Ablöse.

Falls der MLS-Klub San Jose ihn erst im Sommer ablösefrei holen will, würde dann Hyka in der Rückrunde wieder in Ihr Team zurückkehren?

Darüber haben wir nicht gesprochen. Ich weiss nicht, wie der Verein und wie Hyka dies sehen würden. Wie der Stand bei den Verhandlungen ist, interessiert mich nicht – im Fussball ist ein Kommen und Gehen. Ich konzentriere mich auf die Spieler, die zur Verfügung stehen.

Wie ist die Situation bei Sally Sarr?

Ich habe mit ihm schon in der Vorrunde gesprochen und jetzt wieder zum Trainingsbeginn. Ehrlich sagte ich ihm, dass es für ihn äusserst schwierig wird, zum Einsatz zu kommen. Er ist ein toller Profi und Mensch. Ich habe ihm geraten, vorzeitig zu wechseln, damit er wieder Spielpraxis erhält.

François Affolter haben Sie ebenfalls nicht zum Testspiel beim VfB Stuttgart mitgenommen. Warum?

Ich habe die Spieler mitgenommen, von denen ich wusste, dass ich sie einsetze. François hatte zuvor sehr viel gespielt, und ich wollte Lucas Alves 90 Minuten im Einsatz sehen. Remo Arnold nahm ich als Ersatz mit, er spielte dann auch.

Affolter hat einen schweren Stand.

Das ist so gewollt, alle müssen um die Plätze kämpfen, egal, ob sie Puljic oder Costa heissen. Freipässe gibt es nicht.

So spielt der FC Luzern in der Rückrunde

EINSCHÄTZUNG Beim FC Luzern ist vor dem Rückrundenstart der Konkurrenzkampf in vollem Gange. Unsere Zeitung nimmt das Kader der Mannschaft von Trainer Markus Babbel unter die Lupe und stellt im 4-4-2-System die aktuelle FCL-Topelf auf.

Torhüter

Er ist längst zur Legende geworden beim FC Luzern: David Zibung (33). Inzwischen ist der gebürtige Hergiswiler bereits in seiner 15. Profisaison – und noch immer steht er für den FCL zwischen den Pfosten. Das dürfte sich in der Rückrunde noch nicht ändern. Doch mit dem talentierten Jonas Omlin (23) steht ein guter Ersatz bereit, der grosse Fortschritte gemacht hat und nur noch auf seine Chance wartet. Dritter Torhüter ist Simon Enzler (19), der auch in der Rückrunde hauptsächlich im Nachwuchs zum Einsatz kommen wird.

Rechter Verteidiger

Auf der rechten Verteidigerposition duellieren sich Jérôme Thiesson (29) und Simon Grether (24) um den Platz in der Startaufstellung. Der Basler Grether konnte in der Vorrunde zwar nicht immer überzeugen, dennoch dürfte er sich den Platz auf der rechten Seite schnappen. Der flexible Defensivspieler Thiesson hingegen ist auch auf der linken Abwehrseite einsetzbar. Ausser Rang und Traktanden gefallen ist dagegen «Superstar» Sally Sarr (30). Der FCL sucht für ihn einen Abnehmer.

Innenverteidigung

Wenn Trainer Markus Babbel mit einer Viererabwehr spielen lässt, ist es aktuell klar, wer in der Innenverteidigung spielen wird. Es sind dies die Routiniers Tomislav Puljic (33) und Ricardo Costa (35). Winter-Neuzugang Lucas Alves (24, von Le Mont) dürfte dann eine Chance erhalten, wenn in einer Dreier-abwehr gespielt wird. In den Testspielen hat Babbel zwischen den beiden Systemen hin- und hergewechselt.

Weniger Chancen auf Einsätze kann sich François Affolter (25) ausrechnen. Für den ehemaligen Schweizer Nationalspieler stehen die Zeichen auf Abschied. In der FCL-Innenverteidigung könnten auch die Eigengewächse Stefan Knezevic (20) und Remo Arnold (20) eingesetzt werden.

Linker Verteidiger

Captain Claudio Lustenberger (30) hat auf der linken Aussenverteidigerposition gute Chancen auf viel Spielzeit. Dazu kommt noch Thiesson, der sowohl rechts als auch links eingesetzt werden kann. Der junge Silvan Sidler (18) aus dem eigenen Nachwuchs wird langsam an die 1. Mannschaft herangeführt.

Rechtes Mittelfeld

Christian Schneuwly (28) hat sich im rechten Mittelfeld einen Stammplatz erkämpft. In der Vorrunde glänzte er mit acht Assists und ist zweitbester Vorbereiter der Liga. Schneuwly könnte selbst dann rechts spielen, wenn in einem Fünf-Mann-Mittelfeld gespielt wird. Ebenfalls auf dem Flügel eingesetzt werden kann Francisco Rodriguez (21). Die Nachwuchsspieler Ruben Vargas (18) und Dario Ulrich (18) werden wohl noch zu keinem Einsatz gelangen.

Zentrales Mittelfeld

Im zentralen Mittelfeld ist der Konkurrenzkampf beim FCL am grössten. In der Pole-Position für die beiden zentralen Positionen im 4-4-2-System stehen aktuell Hekuran Kreyziu (23) und Markus Neumayr (30). Beide haben in der Vorrunde gute Leistungen abgeliefert. Dazu kommt Nicolas Haas (21), der sich aktuell noch von einer Verletzung erholt. Ab März soll er aber wieder der Mannschaft zur Verfügung stehen. Zu mehr Spielzeit als in der Vorrunde wird Toptalent Filip Ugrinic (18) kommen. Er war dank seiner physischen Präsenz und den technischen Fähigkeiten in den Testspielen einer der wenigen Lichtblicke. Ebenfalls zu Einsätzen im zentralen Mittelfeld könnte Arnold kommen.

Linkes Mittelfeld

Im linken Mittelfeld dürfte Rodriguez spielen, sofern Babbel auf ein Vierer-Mittelfeld setzt. Bei einem Fünf-Mann-Mittelfeld würde wohl Aussenverteidiger Lustenberger vorrücken. Ebenfalls auf viel Einsatzzeit hofft João Oliveira (21), der eine gute Entwicklung genommen hat und näher an die Mannschaft gekommen ist. Der albanische Flügelspieler Jahmir Hyka (28) steht derweil vor dem Absprung, und zwar in Richtung MLS-Klub San Jose Earthquakes in den USA.

Stürmer

Unumstrittener Stürmer Nummer 1 beim FC Luzern ist Marco Schneuwly (31). In der Vorrunde netzte der Fribourger insgesamt zehn Mal ein und ist damit der zweitbeste Goalgetter der Super League. Um den Platz neben Schneuwly kämpfen Tomi Juric (25) und Cedric Itten (20). Der Australier Juric, der kroatische Wurzeln hat, verpasste einen Teil der Vorbereitung – zuerst erholte er sich von einer Verletzung, zuletzt ist er an einer Grippe erkrankt. In der Vorrunde hat er aber teilweise ansprechende Leistungen gezeigt. Itten, die Leihgabe des FC Basel, war im Trainingslager für das einzige Luzerner Tor verantwortlich. Zum Rückrundenstart gegen Lausanne könnte er in die Startelf rücken. Nur zu wenig Einsatzminuten wird Cendrim Kameraj (17) kommen.

Wahrscheinliche FCL-Topelf: Zibung; Grether, Costa, Puljic, Lustenberger; C. Schneuwly, Kreyziu, Neumayr, Rodriguez; M. Schneuwly, Itten.

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

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