Generalversammlung
Trotz sportlich überzeugender Saison: Der FC Luzern schreibt 2020/2021 einen Verlust von 3,3 Millionen Franken

Die Pandemie hat den FC Luzern im Geschäftsjahr 2020/21 hart getroffen. Der Finanzchef spricht von «einem der schwierigsten Jahre in der 120-jährigen Vereinsgeschichte». Trotzdem gab es positive Signale von Geldgebern und Fans.

Daniel Wyrsch
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In der letzten Saison fehlten vor allem auch die Zuschauereinnahmen wegen Corona-Auflagen: Ein Bild des Heimspiels gegen den FCZ im letzten Dezember.

In der letzten Saison fehlten vor allem auch die Zuschauereinnahmen wegen Corona-Auflagen: Ein Bild des Heimspiels gegen den FCZ im letzten Dezember.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Die FC Luzern Gruppe präsentierte an der Generalversammlung vom Freitagabend im Schützenhaus den Geschäftsbericht 2020/21. Sportlich konnte das Innerschweizer Fussball-Aushängeschild in der letzten Saison überzeugen: Neben Platz 5 in der Super League errang die Mannschaft von Fabio Celestini den dritten Cup-Triumph für Luzern nach 1960 und 1992. Doch rein aus rechnerischer Sicht jubelte Richard Furrer, der Leiter Finanzen, wegen des Gewinns der Sandoz-Trophäe nicht mit: «Statt bis zu 750'000 Franken für den Cup-Sieg schlossen wir den K.o.-Wettbewerb Break Even ab.» Das heisst, dass weder ein Verlust noch ein Gewinn erwirtschaftet wurde.

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Dazu führten die leeren Stadien. Für jedes der fünf Cupspiele (der FCL musste als Super-League-Verein ausnahmsweise erst in der 2. Runde einsteigen) herrschten Auflagen. So fehlten die Zuschauereinnahmen, ganz besonders im Endspiel gegen den FC St. Gallen, diese erstmalige Finalpaarung hätte bei den Fanlagern beider Klubs unter normalen Umständen sicher für ein mit über 31'000 Zuschauern ausverkauftes Wankdorfstadion geführt. Die Realität am 24. Mai war, dass in Bern nur 100 Zuschauer Zeugen des Luzerner 3:1-Sieges wurden – der Rest verfolgte den Cupfinal am TV, im Internet oder am Radio.

Umsatzrückgang von satten 25 Prozent

Richard Furrer, Finanzchef FC Luzern.

Richard Furrer, Finanzchef FC Luzern.

Finanzchef Richard Furrer musste in seinem Bericht feststellen: «Die Pandemie hat den FC Luzern im vergangenen Jahr erneut hart getroffen. Gegenüber normalen Jahren mussten wir im letzten Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von 25 Prozent verzeichnen.» Ein solcher Rückgang im Vergleich zur Saison 2018/19 sei frappant und lasse sich nicht einfach so kompensieren. Der Hauptgrund ist klar – und bezieht sich wie im Cup aufs fehlende Publikum: «Während wir in der Saison 2019/20 immerhin noch elf von 18 Heimspielen vor Fans durchführen konnten, durften wir in der letzten Spielzeit keinen einzigen Match ohne Auflagen absolvieren.» Weil der FCL die Partien in der Swisspor-Arena vor leeren Rängen absolvieren musste, «konnten wir im Geschäftskundenbereich Leistungen in der Höhe von 4,5 Millionen Franken nicht erbringen». Diese musste der Klub seinen Sponsoren und Partnern zwar nicht zurückerstatten, aber dafür werden die Leistungen in der laufenden Spielzeit fällig.

Die Rahmenbedingungen führten zu «einem der schwierigsten Jahre in der 120-jährigen Vereinsgeschichte», so Furrer. Wie erwartet hat der FCL das Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis beendet. Der Verlust beträgt 3,3 Millionen Franken.

Keine hohe Ablösesumme mehr durch Spielerverkäufe

Ein Millionen-Transfererlös wie in den letzten drei Jahren und zuletzt im Sommer 2020 durch Darian Males (zu Inter Mailand) blieb aus. Furrer bleibt trotzdem positiv gestimmt: «Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir in Anbetracht der Umstände und der Gesamtsituation das Beste herausgeholt haben.» Ihm ist wichtig zu betonen, welch wichtige Rolle dabei die treuen Fans, Partner und Geldgeber gespielt haben. «Das schwierige Jahr hat mehr denn je gezeigt, dass die FCL-Familie lebt und funktioniert», so Furrer. Besonders wichtig sei dabei die grosse Solidarität der Stakeholder gewesen. «Ich denke in erster Linie an die wertvollen Beiträge der Fans, Sponsoren, unserer Partner, der Behörden sowie der Stadionvermieterin.»

Überlebenswichtig sei das Engagement der Stakeholder gewesen, da im Dezember 2020 zur Sicherstellung des Spielbetriebs bis Ende Saison 2021/22 eine Finanzierungslücke von 11,5 Millionen Franken bestand. Furrer: «Verkraften konnten wir dieses Defizit nur, weil uns einerseits rückzahlbare Darlehen in der Höhe von 5 Millionen Franken gewährt wurden, und weil sich andererseits die Aktionäre Bernhard Alpstaeg und Josef Bieri bereit erklärten, unser Unternehmen mit 6,5 Millionen Franken zu unterstützen.»

Die Liquidität sei deutlich höher als im Vorjahr, wie Furrer ausführt. Die Löhne konnte der FCL stets pünktlich zahlen, Entlassungen mussten nicht ausgesprochen werden. Im Aktionariat herrscht seit Februar Ruhe, der langjährige Streit konnte beigelegt werden. Operativ wird der FCL seither von Präsident und Geschäftsführer Stefan Wolf geführt. Der Ex-Profi führte gestern erstmals durch die GV.

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