Führt der FCL-Präsident mit den Aktionären ein Doppelspiel? Für solche Fragen wollte Philipp Studhalter ein gerichtliches Verbot erwirken

Übt Philipp Studhalter seine Rolle als FCL-Verwaltungsratspräsident korrekt aus? Führt er ein Doppelspiel mit dem Aktionariat? Solche Fragen wollte er gerichtlich unterbinden lassen – ohne Erfolg.

Jérôme Martinu
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Er beantwortet derzeit keine Fragen: Philipp Studhalter im vergangenen Februar bei einem Interview in der Swisspor-Arena.

Er beantwortet derzeit keine Fragen: Philipp Studhalter im vergangenen Februar bei einem Interview in der Swisspor-Arena.

Bild: Dominik Wunderli

«Dieses wichtige Zeichen ist insbesondere von grosser Bedeutung, als nun allfälligen Spekulationen ein Riegel geschoben werden konnte und wir im operativen Bereich ohne Nebengeräusche arbeiten können.» Das schrieb FCL-Präsident Philipp Studhalter im Matchprogramm FCL – St.Gallen. Im Aktionärsstreit bemühen sich die Beteiligten nun um eine konstruktive Lösung bis September 2020. Die Finanzierung ist bis 2021 durch ein Bekenntnis der Aktionäre gesichert. Es muss sich allerdings erst weisen, ob die Eisdecke zwischen Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg und den Aktionären Samih Sawiris, Hans Schmid und Marco Sieber mehr als nur Haarrisse aufweist. Am runden Tisch sitzen sich die Streithähne zumindest (noch) nicht gegenüber. Alpstaeg und Sawiris lassen sich vertreten, Sieber ist nicht dabei.

Superprovisorisches Gesuch ans Bezirksgericht

Nach wie vor offene Fragen gibt es zum Part von Philipp Studhalter. Als geschäftsführender Präsident soll er das operative Geschäft soweit ganz gut im Griff haben, wie verschiedene Involvierte werten. Was seine Aufgaben als Verwaltungsratspräsident der FCL Holding AG angeht, so ist die Sachlage allerdings weitaus diffuser. Im Aktionärsstreit sind diverse Widersprüchlichkeiten zutage getreten. Welche Rolle spielt Studhalter also wirklich im hochkomplexen Spannungsfeld zwischen Hauptaktionär und Triple-S-Gruppe?

Unsere Zeitung hat den Verwaltungsratspräsidenten mit einer Reihe von Fragen zu seiner Arbeit und Vorgehensweise konfrontiert – vergeblich. Er wolle keine der Fragen beantworten, «auch um keine allfällige Lösungsfindung im Sinne des FC Luzern zu gefährden», teilte er letzten Endes schriftlich mit. Und versuchte gleichzeitig – und ohne Ankündigung – im Namen der FCL Holding AG und der FC Luzern-Innerschweizer AG per superprovisorischer Verfügung einen Gerichtsentscheid zu erwirken. Ziel: Unserer Zeitung die Berichterstattung über den Aktionärsstreit im Allgemeinen und Studhalters Rolle im Speziellen zu verbieten. Über sportliche Belange könne indes weiterhin berichtet werden. Aus Sicht der Redaktion ein Angriff auf die Medienfreiheit, weshalb dies hiermit offengelegt wird. Das Bezirksgericht hatte diesem Ansinnen mit Entscheid vom 25. November in allen Punkten eine Abfuhr erteilt. Doch nun der Reihe nach.

Nachdem Philipp Studhalter während neun Tagen auf keinen Kontaktversuch für ein Gespräch – wiederholt telefonisch, per Mail, per Kurznachricht – reagierte, erging die Anfrage via FCL-Medienstelle. Nun auf dem offiziellen Kanal, kommt ein indirekter Kontakt zustande. Die Fragen sollen bitte schriftlich eingereicht werden. Zu diesem Zeitpunkt, am 21. November, hatte unsere Zeitung bereits darüber berichtet, dass am 27. November die Aktionärsversammlung der Holding stattfinden werde. Zur GV gab’s also ­einige Fragen. Die Hauptfragen (siehe Ende des Textes) drehten sich indes, wie beschrieben, um Studhalters Rolle als Verwaltungsratspräsident, seiner diesbezüglichen Informationspflicht im Aktionariat und um seine Nähe zum Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg.

Studhalter verneint öffentliches Interesse

Es gibt also Erklärungsbedarf seitens des Verwaltungsratspräsidenten, das liegt im öffentlichen Interesse. Ein solches verneint Studhalter indes und sieht in den Fragen und einer nachfolgenden Berichterstattung eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Allerdings nicht in Bezug auf seine Person, an welche die Fragen explizit gerichtet sind, sondern für den Klub als Ganzes. Dieser sei aufgrund einer solchen «negativen Berichterstattung» in seiner Existenz gefährdet (sic!), die «aktuelle Gesprächsbereitschaft der involvierten Aktionäre zur Sanierung des FCL» würde «massiv gefährdet». Und so reichte er im Namen der FCL-Holding und der FC Luzern-Innerschweiz AG beim Bezirksgericht Luzern am 22. November ein neunseitiges Gesuch um vorsorgliche Massnahmen ein. Eine Berichterstattung über das Aktionariat und die Fragen zu seiner Person seien zu verbieten unter Androhung einer Busse von bis zu 10'000 Franken.

Weil das Presseverbot superprovisorisch auszusprechen sei, wurde die Redaktion hierzu in der Erstbeurteilung gar nicht angehört, Behauptungen im Gesuch blieben unwidersprochen.

Das Bezirksgericht musste in diesem vorsorglichen Massnahmeverfahren bereits eine rechtliche Würdigung vornehmen. Dies habe bei Medien «mit besonderer Zurückhaltung» zu erfolgen, «damit keine Justizzensur erfolgt». Das Gericht kam zum Schluss, dass es nicht gelungen sei, «die drohende Persönlichkeitsverletzung glaubhaft zu machen». Die Voraussetzung für vorsorgliche Massnahmen fehle darum. Zudem habe der gesuchstellende FCL-Verwaltungsrat wiederholt nicht ausgeführt, ob die Sachverhalte in den Fragen wahr oder unwahr seien.

FCL darf laut Gerichtsentscheid Themen nicht diktieren

Das Bezirksgericht hält fest, dass für derlei Informationen zum grössten Fussballklub der Zentralschweiz «grundsätzlich ein öffentliches Interesse» bestehe: «Die Gesuchstellerinnen haben denn auch ein Interesse daran, dass in den Medien über diesen Fussballklub berichtet wird. Sie können nicht verlangen, dass ausschliesslich über dessen sportliche Tätigkeit berichtet wird.» Die Freiheit der Medien verbiete generelle Verbote, so das Gericht weiter in seinem Entscheid. «Insbesondere können die Gesuchstellerinnen der Gesuchsgegnerin nicht diktieren, worüber sie berichten darf. Das Verbot eines Artikels, der auf internen Dokumenten bzw. Verwaltungsratsprotokollen beruht, ist ebenfalls unzulässig.» Letzteres könne von öffentlichem Inter­esse sein. Wobei festzuhalten ist, dass unsere Redaktion über keinerlei solcher Protokolle verfügt.

Kurzum: Das Bezirksgericht lehnte das Gesuch um superprovisorische Massnahmen ab und räumte unserer Zeitung eine Frist bis am 6. Dezember ein, um für das Hauptverfahren Stellung zu nehmen. In der Folge pfiff der Verwaltungsratspräsident die Partie ab, zog das Gesuch zurück. Mit Gerichtsentscheid vom 28. November wurde das Verfahren abgeschrieben. Der FCL hat die reduzierten Gerichtskosten von 500 Franken zu bezahlen. Die Fragen an Philipp Studhalter bleiben offen.

Die offenen Fragen

Mitten drin im Aktionärsstreit stand und steht FCL-Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter. Auch aufgrund der Gespräche unserer Zeitung mit den Aktionären Hans Schmid und Marco Sieber (wir berichteten wiederholt) ergaben sich untenstehende Fragen. Bernhard Alpstaeg hatte auf Stellungnahmen verzichtet.

Warum hat Philipp Studhalter nicht zeitnah alle Aktionäre über Bernhard Alpstaegs Rücktritt aus dem Verwaltungsrat informiert?

Wäre eine unmittelbare Information nicht eine Kernaufgabe eines Verwaltungsratspräsidenten? Studhalter hatte die Aktionäre der Triple-S-Gruppe offenbar bewusst nicht über den Alpstaeg-Ausstieg informiert. Dessen Rücktrittsschreiben trägt das Datum vom 4. Oktober und war an den Verwaltungsratspräsidenten adressiert. Sawiris, Schmid und Sieber erfuhren am 24. Oktober aufgrund der Recherchen unserer Zeitung vom Rücktritt und erhielten den Brief erst danach zur Einsicht.

Warum hat Philipp Studhalter in einer autorisierten Aussage behauptet, er sei «bereits seit 2015» nicht mehr Alpstaegs Vertreter im Verwaltungsrat?

Die Aussage ist nachweislich falsch. Noch in autorisierten Verwaltungsratsprotokollen aus dem laufenden Jahr wird «Bernhard Alpstaeg (vertreten durch Philipp Studhalter)» vermerkt, wie die Triple-S-Gruppe unserer Zeitung erklärte. Erst als Bernhard Heusler als Berater hinzugezogen wurde, endete Studhalters Vertreterrolle (er hatte auch eine Stimme für den Mehrheitsaktionär). Alpstaeg hatte im Mai an der VR-Sitzung Heusler als seinen neuen Vertreter im Gremium vorgestellt.

Warum hat Philipp Studhalter die FCL-Holding-Aktionäre nicht vorab über den Verkauf der Aktien der Stadion AG an Bernhard Alpstaegs Antoga AG informiert? Warum hat er als Verwaltungsratspräsident nicht versucht, die Aktien direkt für den FCL zu sichern? Und was sagt er dazu, dass seine Anwaltskanzlei Studhalter & Pfister beim Verkauf der Stadionaktien involviert gewesen sein soll, wie Quellen berichten?

Warum wurde in der ersten Phase nach dem Rückzug des damaligen FCL-Präsidenten Walter Stierli das in Studhalters Kanzlei treuhänderisch hinterlegte Stierli-Aktienpaket im Aktienbuch plötzlich an Bernhard Alpstaeg überschrieben?

Gemäss Aussagen der Triple-S-Gruppe und des Holding-Anwalts wurde dies erst nach Intervention der Mitaktionäre wieder rückgängig gemacht. Vereinbart war, dass die Stierli-Aktien extern veräussert werden, um Geld für den Klub zu generieren. Als Studhalter im Frühling 2015 zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt worden war, sagte er: «Wir haben einstimmig beschlossen, sie an einen neuen Investor (gemeint war folglich nicht Alpstaeg; d. Red.) zu verkaufen.» Inzwischen ist der Swisspor-Patron bekanntermassen im Besitz des Stierli-Pakets und damit Mehrheitsaktionär. Die Übernahme sei unter massiven Druckversuchen zustande gekommen, wie die Triple-S-Gruppe offenlegte (Artikel vom 7. November).