Interview

FCL-Sportchef Remo Meyer: «Ich rechne damit, dass Blessing Eleke bleibt»

4 Spiele, 4 Siege – Freude herrscht beim FC Luzern. Sportchef Remo Meyer: «Wir heben nicht ab, wir analysieren unsere Spiele nüchtern.»

Turi Bucher
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Remo Meyer.

Remo Meyer.

Bild: Pius Amrein

Haben Sie nach dem 1:0-Sieg gegen Super-League-Leader St.Gallen noch lange gefeiert? Wie spät wurde es?

Remo Meyer: Wir freuen uns alle. Aber feiern? Nein. Ich habe nach dem Spiel im Stadion mit der Mannschaft gegessen, um 21 Uhr war ich daheim in Rothenburg.

Ihre Analyse des 1:0-Sieges gegen St.Gallen?

Wir hatten nach der Pause eine schwierige halbe Stunde. Aber wir haben dem Gegner nicht viele Torchancen zugestanden. Vergessen Sie nicht, St.Gallen steht auf dem ersten Platz und spielt eine überragende Saison. Unser Trainer hat den richtigen Mix gefunden, die Schwächen des Gegners und unsere eigenen Stärken herauszufiltern. Und ich habe beim FCL durchaus auch spielerische Ansätze gesehen.

FCL-Trainer Fabio Celestini gibt Stürmer Blessing Eleke (links) Anweisungen.

FCL-Trainer Fabio Celestini gibt Stürmer Blessing Eleke (links) Anweisungen.

Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 16. Februar 2020)

Sie mussten im vergangenen Dezember Trainer Thomas Häberli entlassen. Nachfolger Fabio Celestini hat in vier Spielen das Punktemaximum erzielt. Eine persönliche Genugtuung für Sie?

Wir hatten eine enttäuschende Vorrunde, mussten im Dezember nüchtern entscheiden und urteilen. Eine persönliche Genugtuung? Nein. Wir freuen uns über unsere aktuellen Leistungen. Vor allem, weil das Startprogramm für Celestini kein einfaches war. Die anderen Clubs machen ihre Hausaufgaben ja auch. Natürlich haben wir uns durch den Trainerwechsel einen Ruck für die Mannschaft erhofft. Die Siege zeigen auch, dass wir Qualität im Spielerkader haben, dass die Mentalität stimmt. Nun, vier Spiele, zwölf Punkte – besser geht’s nicht.

«Handschrift erkennbar»

Stefan Wolf (49) aus dem luzernerischen Fischbach spielte 7 Jahre für den FC Luzern und 4 Jahre für St. Gallen. Seit zweieinhalb Jahren ist er Mitglied des Verwaltungsrates beim FCSG. Am Samstag kehrte Wolf mit seiner Familie von einer Ferienreise aus Costa Rica zurück, am Sonntag sass er auf der FCL-Tribüne. «Es ist eine kleine Ewigkeit her, dass St. Gallen in einem Spiel kein Tor mehr erzielt hat», sagt Wolf. Und zum FCL: «Die Handschrift des neuen FCL-Trainers ist bereits spür- und lesbar.» (tbu.)

Wie lief damals um die Weihnachtszeit die Verpflichtung von Celestini eigentlich ab?

Es gab einen Kandidatenkreis von vier, fünf Trainern. Mit allen wurden intensive Gespräche geführt. Celestini fuhr für ein erstes Gespräch nach Luzern. Als er zum zweiten Gespräch kam, war er für uns der einzige übrige Kandidat.

Trainer Celestini sagt, es gäbe mit Blessing Eleke keine Probleme, der Stürmer sei Teil der Mannschaft und arbeite gut mit. Bleibt Eleke oder geht er?

Was Celestini sagt, kann ich bestätigen. Eleke hat nun sechs schwierige Monate hinter sich, aber wir dürfen nicht ausser Acht lassen, was er im ersten Jahr für den FC Luzern geleistet hat. Ich gehe davon aus, dass Eleke die Rückrunde mit dem FC Luzern bestreiten wird.

Eleke ist beim FC Lugano im Gespräch. Es ist auch von Legia Warschau die Rede.

Was Lugano betrifft, will Eleke nicht. Auch für den FCL war es nicht die optimale Lösung. Es sind noch ein, zwei Transferfenster offen, auch jenes von Polen, aber nochmals, ich rechne damit, dass Eleke in Luzern bleibt.

Der Trainer arbeitet darauf hin, dass der FCL auch spielerisch glänzt. Aber die vier Siege wurden mit der FCL-DNA Kampf, Fleiss, Einsatzbereitschaft verbucht. Wie soll der FCL nun wirklich auftreten?

Diese von Ihnen aufgezählten Attribute sind Basics, müssen beim FCL sowieso vorhanden sein. Es sind Grundvoraussetzungen, ohne die wir sonst keine Chance hätten. Mutig wollen wir zudem sein, den Ballbesitz wollen. Dann wird sich auch die spielerische Linie entwickeln.

Nun kommt das Auswärtsspiel in Thun. Alle...sagen wir: Viele erwarten den nächsten FCL-Sieg. Und Sie?

Thun hat mit dem Sieg in Basel Selbstvertrauen getankt. Mit dem Kunstrasen hat Thun einen Wettbewerbsvorteil. Aber auch für uns gilt: Wir treten dort mit viel Selbstvertrauen an und wollen weitere Punkte einfahren.

Und trotzdem: Die erste Niederlage unter Celestini, sie kommt bestimmt...

Erst mal wollen wir nun so lange wie möglich auf dieser Erfolgswelle reiten. Was aber nicht heisst, dass wir abheben. Wir analysieren unsere Auftritte weiterhin nüchtern und arbeiten ruhig weiter.