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Interview

FCL-Trainer René Weiler: «Unsere Mannschaft ist mittelmässig»

Zum Abschluss des ersten Saisonviertels empfängt der FC Luzern heute (16 Uhr) den Tabellenletzten FC Sion. Der FCL braucht ein Erfolgserlebnis. Trainer René Weiler spricht über fehlenden Killerinstinkt und den Vergleich mit Murat Yakin.
Daniel Wyrsch
FCL-Trainer René Weiler hat erwartet, dass es seinem Team im ersten Saisonviertel noch nicht rund läuft. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Zürich, 23. September 20)

FCL-Trainer René Weiler hat erwartet, dass es seinem Team im ersten Saisonviertel noch nicht rund läuft. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Zürich, 23. September 20)

Für beide Mannschaften geht es heute im letzten Spiel auf dem ramponierten Rasen der Swisspor-Arena um viel. Die siebenjährige Unterlage wird in den nächsten Tagen ersetzt. Dem Trainer, der mit seinem Team diese Derniere verliert, droht nicht gleich das selbige Schicksal. Aber eine sehr unangenehme Woche würde sowohl Murat Yakin (44) wie René Weiler (45) bevorstehen.

Für Ex-FCL-Erfolgscoach Yakin wäre es die dritte Niederlage im dritten Spiel, seit er in Sion das Amt von Maurizio Jacobacci übernommen hat. Für Schlusslicht Sion wäre es bereits die sechste Liga-Pleite in Serie und die siebte der Saison. Weiler würde die dritte Niederlage hintereinander zum Ende der englischen Woche hinnehmen müssen. Luzern hat unter ihm in den ersten acht Runden bereits fünfmal verloren. Der Meistercoach von Anderlecht und Fast-Aufstiegstrainer mit Nürnberg hat mit dem FCL in der Meisterschaft und im Cup (Achtelfinaleinzug erst im Penaltyschiessen gegen den Challenge-League-Verein Servette geschafft) noch nicht überzeugt. Just jetzt gäbe der vierte Ligasieg zum Abschluss des ersten Saisonviertels Trainer und Mannschaft willkommenen Auftrieb.

René Weiler, nach der 1:2-Nieder­lage am Mittwoch in Basel waren Sie verärgert. Das Team konnte die Verunsicherung des FCB auf das 1:7 bei YB nicht ausnutzen. Regten Sie sich über die Schwächen in der Abwehr wie im Abschluss auf?

Es ist natürlich alles nicht so einfach. Bezüglich der Ausgangslage hatte man das Gefühl, jetzt wäre doch der Moment, um Basel ein Bein zu stellen. Ich glaube, die Spieler wollten diese Chance nutzen, aber mit diesem Gefühl und dieser Ausgangslage hat man noch keine Punkte gewonnen. Das Spiel war relativ ausgeglichen, es hat in den ersten 30 Minuten kaum Torchancen gegeben. Das war ein Vorteil für uns, weil Basel noch mehr verunsichert wurde. Mich hat aufgeregt, dass Basel mit relativ wenig Aufwand zum 1:0 gekommen ist, damit hat es Selbstvertrauen zurückgewonnen. Leider liessen wir die grosse Ausgleichschance ungenutzt.

Sie sprechen die verpasste Gelegenheit des 20-jährigen Ruben Vargas an. Er vergab aber nicht als Einziger.

Im Fussball entscheiden Details, auch wenn Basel verunsichert ist, erhält man dort nicht einfach vier, fünf Grosschancen. Wir hatten immerhin drei davon, mindestens eine hätten wir nutzen müssen. Am Killerinstinkt, an der Effizienz und an der Zielstrebigkeit vor dem Tor müssen wir arbeiten, weil schliesslich die Details entscheidend sind. Die Treffer zählen, gerade in den letzten Spielen haben wir zu wenig Tore geschossen.

Sie sind im Juni als Trainer gekommen, der schon international erfolgreich mit bekannten Klubs gearbeitet hat. Ein sofortiges Absinken ins Mittelmass hätte in Luzern verhindert werden sollen, bis vor dem letzten Spiel des ersten Saisonviertels läuft es durchzogen. Macht das Team noch nicht, was Sie verlangen?

Für mich ist unsere Mannschaft mittelmässig. Unser Ziel ist es, gut zu werden. Ich glaube nicht, dass wir den Anspruch haben dürfen, ein Spitzenteam zu sein. Wir sind daran, etwas aufzubauen. Das hat mit Kontinuität zu tun, das hat nichts damit zu tun, dass in der Rückrunde der Vorsaison ein sehr guter Lauf gelang. Was jetzt passiert, ist zumindest für mich keine Überraschung. Ich sehe die Defizite, ich sehe, wo unsere Chancen sind. Stand heute sind wir dort, wo wir hingehören. Es liegt nun an uns, damit wir im zweiten Viertel der Saison stärker sein werden. Eigentlich bin ich froh, dass wir am Anfang etwas Mühe haben – um dann hoffentlich je länger, je besser unterwegs zu sein.

Verteidiger Otar Kakabadze ist erst kurz bevor das Transferfenster Ende August schloss zum Team gestossen. Gleich wie Mittelfeldmann Tsyi William Ndenge, der noch immer verletzt ist. Stürmer Blessing Eleke gab sein Debüt in der dritten Runde. Hat das späte Eintreffen der Neuen Ihre Arbeit markant erschwert?

Die Integration braucht ebenfalls Zeit, das ist sicher ein Faktor, der zählt. Und ebenso die Verletzten, die erst vor kurzem zurückgekehrt sind (Innenverteidiger Stefan Knezevic und Stürmer Tomi Juric; Anm. der Redaktion). Sie haben noch nicht die Spielpraxis, die sie gerne hätten. Das ganze Spielsystem, das wir spielen möchten, muss mit den Neuen wieder eingeübt werden, damit die Automatismen greifen. Man muss unsere Situation richtig einschätzen, nicht das Gefühl haben, wir seien die zweite oder dritte Kraft im Schweizer Fussball. Wir sind eine mittlere Kraft, mittel- und langfristig ist es das Ziel, mit den besten Teams zu konkurrenzieren. Auf diesem Weg wird es sicher den einen oder anderen heiklen Moment geben, den wir überstehen müssen. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns mit der Zeit dorthin entwickeln, wo wir hinwollen.

Am Sonntag sind 5000 Junioren und deren Trainer aus allen Zentralschweizer Vereinen im Stadion. 14 000 Besucher werden gegen Sion erwartet. Ist das ein zusätzlicher Ansporn?

Ein Stadion, das mindestens zu drei Viertel gefüllt ist, ist eine Motivation für beide Mannschaften. Vor einer grossen Kulisse zu spielen, macht einfach mehr Spass. Wobei das Ziel immer ist, einen guten Match abzuliefern.

Nach dem Sion-Heimspiel wird ein neuer Rasen verlegt. Am 20. Oktober gegen Thun spielt der FCL endlich auf einer geeigneten Unterlage. Sind Sie erleichtert?

Für mich ist das zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema. Das Thema ist für mich nur, dass wir im nächsten Match gegen Sion mit allen Gegebenheiten klarkommen, eine gute Partie abliefern und auch wieder Punkte gewinnen.

Bei Sion wird mit Murat Yakin ein Coach an der Seitenlinie stehen, der in Luzern den Ruf eines «Donnerhalls» besitzt. Er hat 2011/12 mit Platz 2 und dem Cupfinal für die zweitbeste FCL-Saison der Klub­geschichte gesorgt. Wird das für Sie eine spezielle Affiche mit Yakin?

Nein, solche Vergleiche interessieren mich überhaupt nicht. Das habe ich schon einige Male gesagt und mit diesen Aussagen angeeckt. Für mich zählt nur die Gegenwart und die Zukunft. Was mir immer fehlt, wenn man solche Quervergleiche zieht, ist das detaillierte Hinschauen bei den Fakten. Damals spielte der FC Luzern die erste Saison im neuen Stadion, dementsprechend wurde in neue Spieler investiert. Die Ausgangslage war komplett anders. Man kann nicht einfach die Geschichte von früher mit heute vergleichen.

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