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Wer wird beim FCL Nachfolger von Trainer Seoane?

Gerade noch hatten die FCL-Fans Gerardo Seoane gefeiert wie einen Helden. Nach dem Wechsel zu Meister YB ist er für einige von ihnen ein Verräter. Die Suche nach einem Nachfolger steht erst am Anfang.
Daniel Wyrsch
Ihre Wege trennen sich schon wieder: Sportchef Meyer (rechts) und Trainer Seoane. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 9. Januar 2018))

Ihre Wege trennen sich schon wieder: Sportchef Meyer (rechts) und Trainer Seoane. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 9. Januar 2018))

Einige sogenannte FCL-Anhänger zeigten am Freitag nach dem unerwarteten Abgang von Erfolgstrainer Gerardo Seoane (39) überhaupt kein Verständnis. In der Nähe des Hergiswiler Wohnblocks, in dem der neue YB-Coach wohnt, hatten sie ein Transparent über dem Eingangsbereich angebracht. Dort wird der Luzerner mit Eltern aus Galizien übel beschimpft, als einer, der nur dem Geld nachrenne, bezeichnet. Keine einfache Situation für Seoane, der gerade im Ausland in den Ferien weilt. Seine beiden Kinder (9 und 11) leben ebenfalls in Hergiswil.

Vergessen ist in diesem extremen Teil der Supporter, dass sie Seoane vor etwas mehr als drei Wochen noch als Helden feierten. Nach dem 3:2-Sieg am 9. Mai in St. Gallen hatte er den FCL definitiv von Platz 9 auf 3 geführt. Die akuten Abstiegssorgen unter Vorgänger Markus Babbel war das Team schon in den ersten von knapp fünf Monaten mit Seoane an der Seitenlinie losgeworden. Einigen im FCL-Anhang muss die plötzliche Trennung vom Erfolgscoach vorkommen, als ob sie kurz vor der Heirat von der Braut wegen eines anderen verlassen worden wären.

Auch Luzerns Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (73) kann einmal mehr die Wut über einen ehemaligen FCL-Chefangestellten nicht zurückhalten. Alp­staegs Worte im «Blick» sind wenig schmeichelhaft für den Nachfolger von YB-Meistertrainer Adi Hütter: «Da sieht man, wo Gerry sein Herz wirklich hat: am Hintern – an der Hosentasche. Dort, wo das Portemonnaie steckt.» Alpstaeg sagt, er sei masslos enttäuscht.

Seoane soll in Bern rund 1,8 Millionen Franken verdienen

Immerhin können sich die Luzerner über einen willkommenen Zustupf von geschätzten 600000 Franken freuen. Seoanes Berater José Noguera hatte eine Ausstiegsklausel im Vertrag festgeschrieben. YB erhielt für Hütter von Eintracht Frankfurt fast dreimal so viel. Nicht nur die sportlichen Perspektiven sind für Seoane in Bern mit der qualitativ hochwertigen Mannschaft deutlich besser als in Luzern, auch finanziell zahlt sich der lukrative YB-Kontrakt für ihn allemal aus: Für die drei Vertragsjahre soll er total 1,8 Millionen Franken bekommen. Beim FCL hätte er für die ausstehenden zwölf Monate offenbar mehr verdient als bislang, aber sein Jahressalär wäre damit immer noch weniger als 50 Prozent desjenigen von YB gewesen. Nicht nur Alpstaeg und die Fans wurden von Seoane überrascht. Niemand in Luzern ahnte, dass der erfolgreiche Coach den FCL nach nicht einmal einer vollständigen Saisonhälfte im Amt bereits in Richtung Bern verlässt. An einer Medienkonferenz, am Tag nachdem die Young Boys ihren Meistertrainer Adi Hütter an den deutschen Cupsieger Eintracht Frankfurt verloren hatten, fragte unsere Zeitung: «Gerardo Seoane, hat es schon einen Anruf von YB gegeben?» Der Schweiz-Spanier antwortete mit einem deutlichen «Nein».

Vielleicht war Seoane an diesem 17. Mai wirklich noch nicht vom Meister kontaktiert worden. Aber lange hatte es bestimmt nicht mehr gedauert.

YB-Sportchef Christoph Spycher (40) hatte einst mit Seoane bei den Grasshoppers gespielt, die beiden kennen sich. Auch Remo Meyer spielte vor 18 Jahren mit Spycher beim FCL. Der Sportkoordinator hatte offensichtlich lange nichts davon bemerkt, dass sich Seoane aufmachte, bei YB den Coaching-Platz zu übernehmen. «Ich bin bis vor wenigen Tagen davon ausgegangen, dass wir den Weg weiterhin gemeinsam in Luzern gehen», sagte Meyer. Erst am Mittwoch wurde er von Seoane und Spycher über deren Absichten informiert. Dann ging alles sehr schnell. Am Freitagmorgen wurde definitiv klar, dass der Erfolgstrainer trotz noch gültigem Einjahresvertrag nach Bern wechselt. Sie hätten daran nichts mehr ändern können, glaubt Meyer. Der «dominante Schweizer Verein YB» habe Seoane unbedingt verpflichten wollen, Seoane habe unbedingt den nächsten Karriereschritt machen wollen. Am Montag wird Seoane zurück aus den Ferien in der Schweiz sein. Im Berner Stade de Suisse wird er von YB-Sportchef Spycher den Medien vorgestellt.

Sportchef Meyer muss
unvorbereitet neuen Coach finden

Für FCL-Sportchef Meyer gibt es wohl gar keine Sommerferien. Er sollte bis am Mittwoch, 13. Juni, den neuen Cheftrainer präsentieren können. Dann ist in Luzern nämlich Trainingsstart. Meyer bleibt betont ruhig. «Wir brauchen Zeit», sagt er, «und nehmen uns die Zeit auch.» Meyer verbreitet Optimismus, er gibt sich überzeugt: «Wir hatten im Winter das richtige Bauchgefühl bei der Trainerwahl, jetzt werden wir es auch wieder haben.»

Allerdings gibt Luzerns Sportverantwortlicher zu, dass er viele Gespräche führen muss. Offenbar war er auf diesen Fall nicht vorbereitet. Wie alle anderen in Luzern ist er eiskalt erwischt worden. Es ist derzeit also völlig offen, wer der neue Trainer beim FC Luzern wird. Die Namen von Urs Meier, Pierlugi Tami, Uli Forte, Bruno Berner und René Van Eck sind eine Auswahl von Kandi­daten. FCL-U21-Trainer Michel Renggli (38) dagegen besitzt die nötige Uefa-Pro-Lizenz noch nicht, um ein Super-League-Team trainieren zu können.

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