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FRAUENFUSSBALL: Deshalb will der FCL die Frauen nicht

Vor zwei Jahren gab es ein Übereinkommen: Die FC Luzern-Innerschweiz AG nimmt die FCL-Frauen in den Spitzensport auf. Der Vorstand hat inzwischen gewechselt, und dieser sieht sich mit zahlreichen anderen Aufgaben konfrontiert.
René Barmettler
Gibts dieses Duell auch in Zukunft? FCL-Spielerin Melina Scodeller gegen Marina Keller vom FC Zürich. (Bild: Manuela Jans-Koch ( Luzern, 1. 4. 2016).)

Gibts dieses Duell auch in Zukunft? FCL-Spielerin Melina Scodeller gegen Marina Keller vom FC Zürich. (Bild: Manuela Jans-Koch ( Luzern, 1. 4. 2016).)

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch

Am 23. Februar versandte die FC Luzern-Innerschweiz AG ein Schreiben an die Mitglieder des Vorstandes der FCL-Frauen. Dieser wollte so schnell wie möglich die Frauenabteilung in die Obhut des Spitzenfussballs übergeben. Sie beriefen sich dabei auf eine Absichtserklärung vom 28. April 2014, signiert von Präsident Ruedi Stäger und Sportchef Alex Frei. Die damaligen drei (heuer sind es vier) Frauenteams sollten auf die Saison 2016/17 hin in den Profibereich der FC Luzern-Innerschweiz AG eingegliedert werden. Das Begehren wurde abgelehnt (wir berichteten). In der Absichtserklärung ist als Bedingung festgehalten, «dass die drei Teams für mindestens eine weitere Saison zwar innerhalb der FCL AG, von ihr aber sowohl finanziell als auch betreuungsmässig unabhängig geführt werden».

Weder die eine noch die andere Bedingung konnte der Frauenvorstand einhalten. Im Gegenteil, die FCL-Frauen sind inzwischen führungslos, und Geld ist wohl keines auf der hohen Kante. Die FCL AG sieht sich ausser Stande, die finanziellen und personellen Ressourcen zu stemmen. Auch Büroräumlichkeiten für den Staff der vier FCL-Frauenmannschaften könne nicht zur Verfügung gestellt werden. Bekannt ist, dass der FCL jährlich ein strukturelles Defizit von rund 2,5 Millionen Franken ausweist. In Tat und Wahrheit dürfte es eher bei rund 4 Millionen Franken zu liegen kommen.

Die FCL AG verfolgt andere Projekte

Kein Geld, kein Personal und fehlende Büros: Bei der FCL AG hat man derzeit andere Prioritäten. Sie hat sich beim Schweizerischen Fussballverband beworben, einen der rund sechs nationalen Leistungsstützpunkte Junioren führen zu dürfen. Zu den Bedingungen gehört unter anderem, dass sämtliche Trainings­infrastrukturen im Umkreis von einem Kilometer liegen müssen.

Die FCL AG gibt zu verstehen, dass es unabdingbar sei, eines dieser Nachwuchszentren zu erhalten. Die begrenzten Platzverhältnisse liessen es aber nicht zu, dass die Junioren und Frauen gleichzeitig die Flächen nutzen können. Deshalb sei Emmen als neue Heimat eine Option für die Frauenteams. Die bestehenden Tagesstrukturen mit den Schulen und der Academy könnten unverändert bestehen bleiben und seien für alle Schülerinnen vom Spitzenfussball Frauen unabhängig vom Trainingsstandort nutzbar.

Die FCL AG will die Frauen aber nicht im Stich lassen. Mit der Stadt und dem Kanton hätten bereits Gespräche stattgefunden. Eine Eingliederung der Frauen hätte keinen Sinn gemacht, weil geplant sei, den FCL-Nachwuchs in eine separate Institution auszugliedern. Zudem ist die FCL AG bereit, für Leistungen wie Kleider, Sportmaterial, Kommunikationsmittel, Internetauftritt wie bisher aufzukommen. Einzelne Aktionäre der FCL-Innerschweiz AG hätten sich sogar bereit erklärt, den Frauenspitzenfussball finanziell zu unterstützen, sobald ein Projekt und ein fundiertes Businessmodel spruchreif seien. Folgende Frage muss sich die FC Luzern-Innerschweiz AG aber dennoch stellen lassen: Weshalb wurde das alles nicht in der Öffentlichkeit kommuniziert? Offensichtlich hat man die Tragweite der Empörung unterschätzt.

Breite Unterstützung bahnt sich an

Nun wird unter Hochdruck an der Zukunft des Frauenfussballs gearbeitet. Dank Einschaltung des Innerschweizerischen Fussballverbandes (IFV) mit Einbezug des nationalen Verbandes SFV ist die Rettung des Frauenspitzenfussballs nahe. Doch IFV-Präsident Urs Dickerhof stellt klar: «Es braucht grosse Unterstützung von allen Beteiligten.» Fachlichen Support erhalten die Mädchen und Frauen aus dem SFV von Monica Di Fonzo (Juniorinnen-Auswahl-Trainerin) und Patrick Bühlmann (Technischer Leiter IFV). «Wir müssen Leute haben, die den neuen Auftritt repräsentieren, das Netzwerk muss gelegt werden», sagt Dickerhof.

Ein Hindernis gilt es noch zu überwinden: Der zurückgetretene Vorstand muss eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, damit die neuen Vorstandsmitglieder ihre Legitimation erhalten. Danach müssen alle Verträge neu ausgehandelt werden. Sind diese Hürden überwunden, dann ist der Weg frei für eine Zukunft des Frauenfussballs in unserer Region. Und die insgesamt 75 Mädchen und Frauen können ihren Traum vom Spitzenfussball weiterleben.

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