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Für den FCL geht es jetzt um den Ruf

Sportreporter Daniel Wyrsch über die Lage im FC Luzern
Sportchef Alex Frei hat sich geirrt. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Sportchef Alex Frei hat sich geirrt. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Der FC Luzern hat die einzige realistische Chance auf einen Titelgewinn am Mittwoch in Basel aufgeben müssen. Mit dem 0:1 platzte der Traum vom CupFinaleinzug und vom ersten nationalen Triumph seit 1992. Doch die Saison dauert noch mehr als anderthalb Monate. In der Super League stehen zehn Runden aus. Schon am Sonntag (16.00 Uhr, SRF 2) kommt es in der Swissporarena zur Revanche gegen den FC Basel. Nach dieser stets besonderen Begegnung mit dem Serienmeister geht es Schlag auf Schlag: YB auswärts, St. Gallen daheim, Aarau und Zürich jeweils auswärts. Das ist kein leichtes Programm. Derzeit ist Luzern immer noch im 5. Rang klassiert. Diesen Platz zu halten, ist für das Durchschnittsteam aus der Zentralschweiz realistisch. Dank der Cup-Finalpaarung Basel gegen Zürich dürfte der letzte Platz der oberen Tabellenhälfte für die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League reichen, egal, welches Team am Ostermontag in Bern die Sandoz-Trophäe stemmt.

Doch aufgepasst FCL! Die Eindrücke aus den ersten acht Rückrundenspielen lassen eher darauf schliessen, dass Luzern weiter zurückfällt und am Schluss genau jene Position innehat, die Sportdirektor Alex Frei (34) seit Anfang Saison gebetsmühlenhaft als Ziel wiederholt: «Alles, was besser ist als Platz 8.» Rang 7 wäre schon eine Verbesserung zum enttäuschenden Vorjahr. Doch die Meisterschaft, die man bis Saisonmitte noch als Überraschungsmannschaft an zweiter Stelle aufmischte, auf diesem Rang abzuschliessen, wäre eine weitere Enttäuschung, ist im Moment aber ein realistisches Szenario.

Den Luzerner Profis mangelt es nicht erst seit dieser Saison an Konstanz und Siegermentalität. Das ist schon seit Jahren der Fall. Kein Wunder, gehen immer noch Spiele wie jene gegen die Tabellenletzten Lausanne und Sion verloren, in denen das aktuelle FCL-Team mit 100-prozentiger Leistungsbereitschaft mindestens einen Punkt auf sicher gehabt hätte. Mit solchen Leistungen riskieren Luzerns Profis den Ruf des Vereins. Ihnen muss endlich bewusst werden, dass sie als Fussballer ein privilegiertes Leben führen, die Öffentlichkeit von ihnen aber erwartet, dass sie auf dem Platz vom An- bis zum Abpfiff alles geben. Bei fussballerischen Mängeln drückt das Publikum ein Auge – manchmal sogar beide – zu, hinsichtlich des physischen Einsatzes und der Cleverness sind die Ansprüche berechtigterweise höher. Viel wäre erreicht, wenn den FCL-Profis endlich klar werden würde, dass sie es sich in einem professionellen Umfeld nicht mehr leisten können, zwischen wichtigen Spielen (Basel und Zürich) und vermeintlich weniger bedeutenden Partien (Lausanne und Sion) zu unterscheiden.

Allerdings wäre es nicht fair, die alleinige Schuld für den abrupten Leistungsknick nur der Mannschaft zu geben. Man darf die jüngere Vergangenheit des Klubs nicht ausser Acht lassen, wenn man nach den Gründen für die Selbstzufriedenheit dieses Teams sucht. Dem früheren Präsidenten Walter Stierli (66, von 2005 bis 2012) ist vieles zu verdanken. Er war es, der mit seinen Beziehungen zu finanzstarken Personen und Firmen Super-League-Fussball in einem modernen Stadion möglich gemacht hat. Aber neben der Funktion als Klubboss konnte er als Sportchef weniger überzeugen. In dieser Rolle war er statt fordernder Arbeitgeber mehr mitfühlender Vater, der über Spieler die schützende Hand hielt.

Basels heutiger Trainer Murat Yakin (39) erkannte schon in der Saison 2011/12, dass in Luzern eine Leistungskultur Einzug halten sollte. Der am Anfang mächtige FCL-Coach forcierte den Umbruch, zog jedoch mit umstrittenen Personalentscheiden den Unmut des Umfeldes auf sich. Unter Yakin-Nachfolger Ryszard Komornicki (54) und Temporär-Sportchef Heinz Hermann (55) geriet der FCL ins Trudeln und stieg letzte Saison beinahe ab. Carlos Bernegger und Alex Frei entfachten wieder Feuer im Laden und sorgten zwischenzeitlich für Euphorie. Die beiden wussten sofort, dass sie die Mannschaft umbauen müssen. Die Krux dabei: Der FCL (Budget 12 Millionen Franken) muss besser werden – und gleichzeitig billiger. Mindestens 700 000 Franken hat Frei nächste Saison einzusparen. Insgesamt fehlen dem Klub 2 Millionen.

Teures, älteres Personal (Tomislav Puljic, Florian Stahel, Michel Renggli und Dimitar Rangelov sowie Daniel Gygax, der schon für Aarau spielt) ist bereits im Begriff, durch insgesamt günstigeres, jüngeres und hungrigeres Personal (François Affolter, Remo Freuler und Fidan Aliti) ersetzt zu werden.

Der FCL steckt auch an der Spitze in einem Veränderungsprozess. Nicht zu vergessen ist, dass nach der vorzeitigen Absetzung von Präsident Mike Hauser (42) mit Ruedi Stäger (56) der erste hauptamtliche Klubchef erst seit drei Monaten im Amt ist. Ausserdem ist zu bedenken, dass Sportchef Frei und Trainer Bernegger ebenfalls noch über wenig Erfahrung in ihren Aufgaben auf Stufe Profis haben. Beide bekleiden ihren jetzigen Job erst seit zwölf Monaten. Natürlich sind auch sie gegen Fehler nicht gefeit gewesen.

Sportchef Alex Frei posaunte schon Mitte Dezember, direkt vor der 18. von 36 Runden: «Ich garantiere: Wir brechen in der Rückrunde nicht ein.» Bereits nach acht Spielen und fünf Niederlagen ist klar, dass sich der Sportchef geirrt hat. Der Streit um die Cup-Prämien erinnert an das Feierverbot für den Trainer im letzten Frühling. Im Ansatz hat Frei Recht, aber bei der Durchsetzung muss er zurückkrebsen. Weder konnte er Bernegger das Feiern des Ligaerhalts mit den Fans verbieten, noch hätte er den Profis den versprochenen Bonus für den Finaleinzug vorenthalten können. Frei begibt sich ohne Not in Machtkämpfe, die er verliert und die seinem Ansehen als Vorgesetztem schaden.

Trainer Carlos Bernegger wollte zu Beginn der Rückrunde gepflegten Fussball spielen lassen. Immer wenn er seine nicht überaus talentierte Mannschaft mit dieser eigentlich unterstützungswürdigen Idee herausforderte, hat es Rückschläge gegeben. Aus Fehlpässen bei eigenem Ballbesitz kassierte der FCL viele Gegentore. Das schnellste in St. Gallen, wo es nach 17 Sekunden schon klingelte. Puljic war der unglückliche Eigentorschütze. Bernegger muss sich damit abfinden: Den Trainerjob auf Stufe Super League sichern ihm nur Resultate. Er kann die Einstellung der Spieler nicht verstehen und wünscht sich einen Doktortitel in Sportpsychologie, somit wäre es denkbar, eine Fachperson zur Hilfe beizuziehen. Die radikale Lösung wäre: Er und Frei trennen sich von allen Spielern, welche die Mannschaft bremsen statt pushen.

Das neue Team nimmt Konturen an. Nächste Saison ist ein anderer FCL zu erwarten, ein Neuanfang ist möglich.

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