FUSSBALL: Affolter mit viel Muskelkraft zu Petkovic

Positive Nachricht für FCL-Verteidiger François Affolter vor dem letzten Spiel der Saison heute (20.30 Uhr) gegen Sion: Er darf nächste Woche mit der Nationalmannschaft trainieren.

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Eine Szene aus dem letzten Spiel gegen Zürich: François Affolter (vorne) kann den Ball gegen Yassine Chikhaoui behaupten. (Bild: EQ/Maria Schmid)

Eine Szene aus dem letzten Spiel gegen Zürich: François Affolter (vorne) kann den Ball gegen Yassine Chikhaoui behaupten. (Bild: EQ/Maria Schmid)

Interview Daniel Wyrsch

Ein Luzern-Profi mit Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft ist schon immer etwas Besonderes gewesen (siehe Liste rechts). Das gilt natürlich auch im Fall von François Affolter (24), der nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag unter Nationaltrainer Vladimir Petkovic am Trainingslager in Spiez und Thun teilnehmen darf. «Alles Weitere ist offen», sagt Marco von Ah, Medienchef des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV). Das heisst: Ob Affolter es auch ins 23-Mann-Kader für das Testspiel gegen Liechtenstein am 10. Juni in Thun und das EM-Qualifikationsspiel in Litauen (14. Juni) schafft, wird sich zeigen.

Beim FC Luzern freut man sich mit Affolter über dessen erstes Nationalteam-Aufgebot seit dem Freundschaftsspiel am 29. Februar 2012 (1:3 gegen Argentinien in Bern). Trainer Markus Babbel: «Es ist eine tolle Auszeichnung. Die Leistungen der letzten Monate sind honoriert worden.» Er erinnert sich aber, dass er zu Beginn der Rückrunde in der Innenverteidigung auf die beiden Kroaten Tomislav Puljic und Kaja Rogulj gesetzt hatte. «Als die beiden verletzt ausgefallen sind, hat François seine Chancen genutzt und ist zu einem Eckpfeiler der Mannschaft geworden.»

François Affolter, was dachten Sie, als Sie vom Aufgebot für die Nationalmannschaft hörten?

François Affolter: Ich war ehrlich gesagt schon ein bisschen überrascht, ich hätte nie gedacht, dass ich nach so einer Saison eine Einladung für das Nationalteam bekomme. Ich bin froh, bedeutet dieses Aufgebot auch etwas Werbung für den FC Luzern. Das zeigt, was wir in dieser Rückrunde geleistet haben.

Vladimir Petkovic war Ihr Trainer bei YB, nun ist er Nationalcoach. Hat diese Konstellation die Rückkehr in das Nationalteam beschleunigt?

Affolter: Ich habe gar nicht mit meinem Comeback gerechnet vor allem nicht jetzt schon im Sommer. Aber natürlich ist es immer mein Ziel gewesen, wieder in die Nationalmannschaft zurückzukehren. Ich denke, es ist für mich kein Vorteil, dass Petkovic der Trainer ist. Er hat genug Erfahrung, um die Besten aufzubieten. Er kennt mich aus unserer gemeinsamen Zeit und weiss, welche Qualitäten ich habe.

Wie war damals die Zusammenarbeit mit Petkovic in Bern?

Affolter: Wir waren erfolgreich, leider verpassten wir es im letzten Spiel, Meister zu werden. Er warf mich ins kalte Wasser, ich habe die Chance bekommen und sie genützt. Dank Petkovic habe ich grosse Fortschritte gemacht, kam danach in die Nationalmannschaft und in die Bundesliga zu Werder Bremen.

Einige FCL-Spieler spüren die Müdigkeit am Ende der Saison. Wie gehen Sie damit um, nächste Woche mit dem Nationalteam zu trainieren, statt direkt in die Ferien zu gehen?

Affolter: Es ist abgemacht, dass ich von Dienstag bis Donnerstag dabei bin. Falls es dabeibleibt, würde ich am 5. Juni in die Ferien verreisen. Hoffentlich kann ich länger bleiben bis zum EM-Qualifikationsspiel in Litauen, dann erhalte ich vom FCL etwas mehr Zeit zur Erholung.

Sind Sie am Freitag mit Luzern gegen Sion noch einmal bereit, die volle Leistung in der Liga abzurufen?

Affolter: Ja, klar. Wir wollen unserem Publikum im letzten Heimspiel mit einem erfolgreichen Saisonabschluss für den Support danken. Mathematisch haben wir die Chance, mit einem Sieg Platz 5 zu erreichen. Dann hätten wir bei einem Basler Cupsieg sogar die Europa-League-Qualifikation im Sack.

Können Sie erklären, weshalb Sie im letzten halben Jahr in Luzern richtig angekommen sind?

Affolter: Viele Gründe gibt es nicht. Ich habe immer an meine Qualitäten geglaubt und auf und neben dem Platz an mir gearbeitet speziell im physischen Bereich. Ich habe gewusst, dass es nicht möglich ist, früher so gut zu spielen und auf einmal nicht mehr. Im Fussball gibt es Hochs und Tiefs. Vielleicht bin ich vor eineinhalb Jahren in einem Formtief nach Luzern gekommen, aber jetzt fühle ich mich gut und bin zufrieden, wie es momentan läuft.

Haben Sie mit FCL-Konditionstrainer Christian Schmidt gearbeitet, um derart grosse Muskeln an den Ober­armen zu bekommen?

Affolter: Ich habe viel mit Christian gesprochen. Er hat mir auch ein paar Ratschläge gegeben, wie ich mehr Muskeln kriege und wo ich mich verbessern muss, in der Schnelligkeit und der Explosivität.

Es fällt auf, dass Sie mehr Muskelmasse haben. Wie viele Kilogramm haben Sie zugenommen?

Affolter: Es variiert, aber ich habe sicher zwei Kilo Muskelmasse zugenommen und auf der anderen Seite Fett verloren.

Sie gelten als durchtrainiertester FCL-Profi. Wie viele Prozent Fettanteil hat Ihr Körper?

Affolter: Bei der letzten Kontrolle waren es 7 Prozent. Ich hatte 2013 im Militär eine Schulterverletzung erlitten. Damals trainierte ich viel mit dem heutigen Konditionstrainer der Nationalmannschaft, Oliver Riedwyl. Er hat mir damals gesagt: «Wenn du künftig keine solchen Verletzungen mehr willst, musst du Muskeln aufbauen.» Seither trainiere ich sehr viel und ernähre mich entsprechend gesund.

Bleiben Sie, endlich in Form gekommen, nächste Saison in Luzern?

Affolter: Ich habe einen Vertrag bis 2018. Es wäre ein Fehler, wenn ich nach drei, vier guten Spielen weggehen würde. Ich muss zuerst bestätigen, dass ich länger auf diesem Level spielen kann.