FUSSBALL: Affolter nimmt Schuld auf sich

Individuelle Aussetzer von François Affolter stehen am Ursprung der 0:3-Niederlage des FC Luzern in Basel. Der FCL-Verteidiger steht nach der Pleite hin und übt sich in Selbstkritik.

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Basels Birkir Bjarnason (links) rennt vor seinem 1:0-Treffer Luzerns François Affolter davon. (Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger)

Basels Birkir Bjarnason (links) rennt vor seinem 1:0-Treffer Luzerns François Affolter davon. (Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger)

Das war ein schwarzer Nachmittag für FCL-Innenverteidiger François Affolter (24). Er leitete mit seinen Fehlern die Basler Tore zum 1:0 (7.) und 2:0 (26.) ein. Damit kam der Leader und Serienmeister vor knapp 30'000 Zuschauern im heimischen St.-Jakob-Park so richtig in Spiellaune. Nach etwas mehr als einer halben Stunde war der Match definitiv gelaufen: Mohamed Elneny schoss nach einem Doppelpass mit Matias Delgado aus 30 Metern fantastisch das 3:0 (32.). Es blieb bei diesem Skore, weil Basel drei Tage nach dem kräfteraubenden Europa-League-Heimspiel gegen Fiorentina (2:2) nicht mehr und der FCL den Schaden in Grenzen halten wollte.

Der Basler Matias Emilio Delgado im Kampf um den Ball gegen die Luzerner Jakob Jantscher, links, und Migjen Basha. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
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Der Basler Marc Janko, rechts, im Kampf um gegen den Luzerner Kaja Rogulj, links. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Basels Matias Emilio Delgado, links, im Kampf mit Dario Lezcano. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Die Mannschaften betreten das Spielfeld. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Basels Coach Urs Fischer, rechts, begrüsst den Luzerner Trainer Markus Babbel. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Der Torschütze zum 1:0, der Basler Birkir Bjarnason, im Kampf mit Remo Freuler, links, und Jerome Thiesson. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Basel's Birkir Bjarnason trifft zum 1:0. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Die Basler jubeln nach dem 1:0. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Basels Bjarnason trifft zum 1:0. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Mohamed Elneny jubelt nach seinem Treffer zum 3:0. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Der Basler Taulant Xhaka, rechts, gratuliert dem jubelnden Mohamed Elneny, der zum 3:0 getroffen hat. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Mohamed Elneny küsst nach seinem Treffer Boden. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))
Birkir Bjarnason jubelt über seinen Treffer. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))

Der Basler Matias Emilio Delgado im Kampf um den Ball gegen die Luzerner Jakob Jantscher, links, und Migjen Basha. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas))

Doch was war gestern mit Affolter los? Der Bieler zeigte sich nach dem Match als echter Profi und stand Rede und Antwort. Beim ersten Gegentreffer in der 7. Minute zum 0:1 aus Luzerner Sicht passte Delgado auf Birkir Bjarnason. Bevor der Isländer an den Ball kam, konnte Affolter intervenieren. Warum nutzte er die Chance nicht zum Klären der Situation? Affolter: «Ich habe ein bisschen gezweifelt, dachte, dass er vor mir an den Ball kommt. Dann schiesse ich Bjarnason an – und dann macht er es gut vor unserem Torwart.» Tatsächlich traf der Blondschopf unhaltbar und flach in die Torecke. Affolter ärgerte sich: «Es ist schade, wenn man so früh in Rückstand gerät. Das darf mir als Innenverteidiger nicht passieren. Vor allem gegen die sehr effizienten Basler.»

Beim 0:2 in der 26. Minute verlor Affolter in der mittleren eigenen Zone den Ball an Delgado, der auf die andere Seite zu Behrang Safari spielte. Der Linksverteidiger flankte präzise auf Marc Janko, von dessen Kopf der Ball an den Innenpfosten klatschte. Den Abpraller verwertete Davide Callà. Affolter nahm nicht nur den schlimmen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung auf sich, sondern fand ausserdem: «Das entscheidende Kopfballduell gegen Janko verlor ich.»

Babbel verteidigt seine Taktik

Der Luzerner Abwehrmann analysierte: «In den ersten 30 Minuten hatten die Basler viel Raum. Als spielstarke Equipe wussten sie mit dem Platz und meinen beiden Fehlern etwas anzufangen.» Die Taktik von FCL-Trainer Markus Babbel war mutig. Der 43-jährige Bayer sagte hinterher, dass er mit seiner Mannschaft gar nicht anders spielen könne. «Hinten reinstehen ist mit unseren Leuten unmöglich.» Angesprochen auf die Aussetzer Affolters meinte er: «Ich war ja früher auch Verteidiger. Dass uns solche individuellen Fehler passieren – da lange ich mir dann schon an den Kopf. In Basel hätten wir nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung eine Chance gehabt. Jetzt müssen wir sofort daraus lernen und es am nächsten Samstag zu Hause gegen YB besser machen.»

Affolter entschuldigte sich: «Die wegweisenden zwei Gegentore waren meine Schuld.» Er bewies später im Spiel mit genauen Vorwärtspässen, dass er wie zuletzt gegen Thun (1:0) im Mittelfeld besser aufgehoben sein könnte.
 

Ein freudloses Zibung-Jubiläum

FC Luzern dw. Für David Zibung (31) war der gestrige Match in Basel ein besonderer. Gemäss Statistik der Swiss Football League (SFL) stand er zum 400. Mal in einem Meisterschaftsspiel für den FC Luzern im Tor. Weil Captain Claudio Lustenberger derzeit nur Ersatz ist und dessen Stellvertreter Tomislav Puljic gesperrt auf der Tribüne sass, trug Zibung zudem nach längerer Zeit wieder einmal die Captainbinde am linken Arm. Zum Feiern war ihm trotz des Jubiläumsspiels nicht zumute: «Man kann sich ja solche Partien nicht aussuchen.»

In der Analyse der 0:3-Pleite war Zibung messerscharf: «Es ist all das eingetroffen, was wir unbedingt verhindern wollten. Wir wollten die Basler nicht ins Spiel kommen lassen, ihnen weh tun. Als wir das endlich taten, stand es bereits 0:3.»

Zibung hat recht, wenn er findet, gegen die drei FCB-Tore machtlos gewesen zu sein. «Das 3:0 von Elneny war überragend geschossen. Pech für uns war, dass Jankos Kopfball an den Innenpfosten ging, sonst wäre ich vielleicht an den Ball gekommen.» Über das 1:0 durch Bjarnason musste der Goalie gar nicht sprechen, der Schuss schlug ausser Reichweite des Keepers in der tiefen Torecke ein.

Kritik am Zweikampfverhalten

Zibung monierte die kämpferische Einstellung des eigenen Teams: «Wenn der Basler Physiotherapeut fünfmal auf das Feld muss, weil seine Spieler härter in die Zweikämpfe eingestiegen sind, dann stimmt etwas nicht. Es müsste doch umgekehrt sein.» Dank dem späten 2:1-Siegtor des Ex-Luzerners Ridge Munsy für Thun in Sion bleibt der FCL auf Platz 4. Zibung weiss aber, dass gegen YB (3.) am nächsten Samstag (20.00) zu Hause eine klare Leistungssteigerung her muss. «Gegen YB müssen wir fighten und weit weniger fehleranfällig sein.»

Daniel Wyrsch, Basel