FUSSBALL: Aleksandrov: «Dem FC Luzern fehlt ein Knipser»

Luzern startet am Sonntag (13.45) gegen GC von Platz 2 in die Rückrunde. Vier Ex-FCL-Grössen mit Titeln im Palmarès sagen, wie Luzerns (Aussenseiter-)Chancen auf den Meisterpokal stehen.

Daniel Wyrsch
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Peter Aleksandrov, der als Markenzeichen ein Stirnband trug, erzielte in der Saison 1995/96 19 Treffer für Luzern und wurde Torschützenkönig. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Peter Aleksandrov, der als Markenzeichen ein Stirnband trug, erzielte in der Saison 1995/96 19 Treffer für Luzern und wurde Torschützenkönig. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Petar Aleksandrov (51): Mehr Risiko für das Champions-League-Ticket

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«Luzern ist der erste ­konkrete Gegner von Basel. Die Konstellation für den FCL ist sehr günstig, weil der FCB verletzte Spieler und mit Mohamed ­Salah einen wichtigen Angreifer verloren hat. Es sind die besten Voraussetzungen, um ganz vorne mitzuspielen. Die Chance zum Angreifen ist da. Der neue Präsident Ruedi Stäger ist eine ruhige, ambitionierte Persönlichkeit. An seiner Stelle und anstelle der Investoren wäre ich bei dieser Ausgangslage in der Winterpause Risiken eingegangen und hätte den ­einen oder anderen teuren Spieler mit Qualitäten geholt. Denn der Meister dieser Saison ist direkt für die Champions League qualifiziert.

Um Meister zu werden, fehlt dem FC Luzern ein Knipser. Ein Stürmer, wie Alex Frei einer war, müsste auf dem Platz stehen. Wer den Titel holen will, braucht einen Spieler, der mindestens 15 Tore garantiert. Es reicht nicht, vier oder fünf Angreifer zu haben, die je 5 Treffer erzielen. Auch mein bulgarischer Landsmann Dimitar Rangelov ist kein Goalgetter. Seine beste Ausbeute waren 12 Saisontore in der 2. Bundesliga bei Energie Cottbus. Aber er ist für Luzern wichtig, wäre in sehr guter Verfassung gewesen, bevor er die Meniskusverletzung erlitt. Der FCL muss seine Abwesenheit in den ersten Spielen kompensieren, dann liegt ein absoluter Spitzenplatz drin. Davon bin ich überzeugt.»

Aleksandrov wurde 1993 mit Aarau Meister.

Stefan Wolf (43): Das Team muss auftreten wie in der Vorrunde

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«Wenn ich die Tabelle anschaue, dann sind die Chancen von Luzern absolut intakt. Klar, Basel ist und bleibt der Topfavorit, der nur schwer in Bedrängnis zu bringen ist. Am ehesten noch durch die zusätzliche europäische Belastung im Frühling. Andererseits steht der FCB so früh wie noch nie auf Platz 1. Der Start ist für den FCL enorm wichtig. Wenn die Luzerner in einen Lauf kommen, dann wird die Euphorie nicht mehr aufzuhalten sein. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wohin die Begeisterung in Luzern führen kann. Damit es so weit kommt, muss alles stimmen. Das Team muss so geschlossen und fokussiert auftreten wie in der Vorrunde – und es muss von weiteren Verletzungen möglichst verschont bleiben.»

Wolf wurde 1999 mit Servette Meister, 1992 mit Luzern und 1999 mit Servette Cupsieger.

Urs «Longo» Schönenberger (53): Erfahrung geht Luzern noch ab

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«Meister? Dafür müsste beim FCL schon alles stimmen. Mit dem Abgang von Salah hat Basel sicher eine wichtige Waffe im Angriff verloren. Bis jetzt konnten sich die Basler immer entweder auf Streller oder Salah verlassen. Mit Stocker hat der FCB aber weiterhin einen Klassemann fürs Kreative. Solange es geht, wird Luzern vorne mitspielen und «am Kübel schmöcken». Ein Nachteil ist sicher, dass Rangelov in den ersten Spielen ausfällt und er in der Vorbereitung nicht voll durchtrainieren konnte. Das wäre für ihn enorm wichtig gewesen. Auch Gygax kommt von einer längeren Verletzung zurück. Die Erfahrung, die der FC Basel seit Jahren aufgebaut hat, geht dem FCL noch ab. Dafür können die Innerschweizer unbelastet aufspielen, die Europa League wäre für sie ein Erfolg. Luzern kann Basel wehtun, der FCL hat mit Carlos Bernegger den richtigen Trainer.»

Schönenberger wurde 1981 mit dem FC Zürich und 1989 mit Luzern Meister.

Andy Halter (47): Der FCL braucht Geld für ein Kader mit 16 Topleuten

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«Der ganzen Region mit den wunderbaren Fans würde ich den Meistertitel von Herzen gönnen. Aber ich glaube, es reicht eher nicht. Es ist immer das gleiche Spiel: Basel hat ein Wahnsinnskader, an dem es wohl kaum ein Vorbeikommen gibt. Trotzdem: Ich weiss aus Erfahrung, dass, wenn alles zusammenpasst und kein Leistungsträger ausfällt, für die Mannschaft aus der fussballverrückten Innerschweiz alles möglich ist. In der Saison 1988/89 holte GC Ottmar Hitzfeld, Wynton Rufer, Alain Sutter und mich, wir hatten eine Supertruppe zusammen, wurden Cupsieger, den Meisterkübel mussten wir aber dem FCL überlassen. Wer hätte damals gedacht, dass Peter Nadig Torschützenkönig wird. Das war so unglaublich wie der Grand-Slam-Triumph von Stan Wawrinka.

Luzerns Titelgewinn ist bis heute einmalig geblieben. Emotionslos stelle ich fest: Alex Frei und der Trainer können noch so gute Arbeit leisten, wenn es Luzern nicht gelingt, ein Umfeld zu schaffen, das die besten Spieler des Landes anzieht, wird der Klub über kurz oder lang nicht an der Spitze bleiben. Falls der FCL konstant ambitioniert sein und nach Titeln greifen will, braucht er ein Kader von 16 Topleuten. Das kostet viel Geld. Es reicht nicht, wenn die Spieler in der schönsten Region der Schweiz am Vierwaldstättersee leben und in einem tollen Stadion kicken können. Die Karriere ist kurz, Profifussballer gehen dorthin, wo sie am besten verdienen.»

Halter wurde mit GC 1990 und 1991 Meister sowie 1989 und 1990 Cupsieger.

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