FUSSBALL: Alex Frei: «Da wächst etwas Gutes»

Das frühe Ausscheiden aus der Europa League macht den Luzernern zu schaffen. Sportchef Alex Frei übt sich in Geduld mit der umgestellten Mannschaft.

Daniel Wyrsch
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FCL-Sportchef Alex hält sich mit Vorwürfen an seine Spieler zurück, sagt aber auch, dass der FCL noch längst nicht dort sei, wo man hinwolle. (Bild Philipp Schmidli)

FCL-Sportchef Alex hält sich mit Vorwürfen an seine Spieler zurück, sagt aber auch, dass der FCL noch längst nicht dort sei, wo man hinwolle. (Bild Philipp Schmidli)

Für Alex Frei (35) muss es besonders schlimm gewesen sein, die vielen ungenutzten Abschlussversuche seiner Luzerner gegen St. Johnstone zu sehen. Lange nach dem 1:1 über 120 intensive Spielminuten und der anschliessenden 4:5-Niederlage im Penaltyschiessen stand der Rekordtorschütze der Nationalmannschaft mit Trainer Carlos Bernegger (45) und Präsident Ruedi Stäger (57) auf dem Rasen im Stadion von Perth. Es war am Donnerstag schon fast Mitternacht, als sie das Ausscheiden gegen einen von der Spielanlage und Technik deutlich unterlegenen Gegner besprachen. Die Spieler machten auf dem Platz noch Übungen mit dem Ball, eine Art spielerisches Auslaufen. Vor Freis Füsse kullerte plötzlich ein Ball. Der Ex-Stürmer schoss und traf gewollt eine Tasche am Spielfeldrand, als ob er damit ausdrückte, wie er die Chancen in dieser für den FCL am Ende so enttäuschenden Nacht verwertet hätte.

Sportchef steht schützend vor Team

Frei spielt seit 15 Monaten bloss noch für die Senioren von Biel-Benken, macht aber einen derart fitten Eindruck, dass man ihn in Schottland an der Seite von 1:1-Schütze Marco Schneuwly hätte stürmen sehen wollen. Der frühere Basel- und Dortmund-Spieler Frei würde es sich noch immer zutrauen, auf diesem Niveau zu spielen. «Nach anderthalb Monaten Aufbautraining wäre ich so weit», sagte er. Doch Frei zeigte keine Lust, nach diesem bitteren Ausscheiden verbal auf sein Team einzuhauen. Klar ist er es sich von seinen Ex-Klubs gewöhnt, unangenehme Gegner wie St. Johnstone zu eliminieren. Aber der FCL-Sportchef ist sich durchaus bewusst, dass er hier bei einem Verein arbeitet, der in seiner Geschichte nur vereinzelt europäische Luft geatmet hat.

Nach einer 13-jährigen Abstinenz schaffte es Luzern 2010 erstmals wieder in den Europacup. Gegen Utrecht scheiterte man gleich am ersten Gegner. Das Gleiche wiederholte sich 2012 gegen Genk – und nun gegen St. Johnstone. Dreimal Qualifikation zur Europa League, dreimal war sofort Endstation. Frei zählte diese Fakten nicht auf, obwohl es so knapp wie gegen den schottischen Cupsieger noch nie war. Schneuwly erzielte das Auswärtstor für Luzern. Später scheiterte der Mittelstürmer als einziger Schütze im Penaltyschiessen. Frei kritisierte keinen der Luzerner. Weder Dario Lezcano, der wie im Hinspiel in Luzern mindestens zwei gute Torchancen ausliess, noch Schneuwly und David Zibung. Goalie Zibung konnte im Duell Mann gegen Mann erneut keinen Schuss abwehren. Der Sportchef stand schützend vor sein Team. Mit 16 Jahren Profierfahrung auf hohem Niveau würde er nie einen gescheiterten Schützen kritisieren, und er sagte: «Nach einem verlorenen Penaltyschiessen kann man dem Torhüter keinen Vorwurf machen.»

Ein neuer Alex Frei

Frei ist nicht mehr der Spieler, der nach einer Niederlage wütend die Kabinentür zuknallte, Frei ist jetzt Luzerns Sportchef, der sich in Geduld übt. Angesprochen auf die positive spielerische Entwicklung, antwortete er, der diese Mannschaft auf diese Saison hin auf fast allen zentralen Positionen umbaute, mit einer Feststellung: «Ihr seht jetzt langsam auch jenes Team, das Carlos Bernegger und ich haben wollten. Natürlich sind wir noch längst nicht dort, wo wir hinwollen. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.» Das Team müsse sich noch richtig an die neuen Spieler gewöhnen, «aber ich bin sicher, dass da etwas Gutes zusammenwächst».

Der Vergleich Freuler mit Fabian Frei

In puncto Lauf- und Kampfbereitschaft konnte Frei mit allen Luzernern zufrieden sein. Für Remo Freuler (22) hatte er ein Sonderlob parat. «Was Remo in diesem Match geleistet hat, ist ausserordentlich. Vor fünf Monaten hat er noch in der Challenge League gespielt, heute lenkte er unser Spiel von der Sechserposition aus.» Frei verglich den Zürcher sogar mit seinem ehemaligen Mitspieler Fabian Frei vom FC Basel. «Remo Freuler spielt schon auf dem Niveau von Fabian Frei, einzig die Torgefährlichkeit geht ihm noch ab.» Wie der FCB-Mittelfeldspieler übernehme Freuler viel Verantwortung auf dem Platz. «Er gehört damit bereits zu unseren Führungsspielern.»

Freuler wird sich diese Einschätzung aus berufenem Mund später sicher gerne zu Gemüte führen, aber im Moment hilft ihm und seinen FCL-Mitspielern kein Kompliment als Trost für das sofortige Aus. Wortkarg reisten die Luzerner gestern aus Schottland heim, während des ganzen Rückflugs von Edinburgh nach Zürich herrschte eine einzige Stille. «Für den Aufwand haben wir viel zu wenig Ertrag gehabt», stellte Captain Claudio Lustenberger kurz fest.

Saurer Holding-Präsident Sieber

Marco Sieber (57), Verwaltungsratspräsident der FCL-Holding, sind im McDiarmid-Park bei den schlitzohrigen Schotten um den nordirischen Trainer Tommy Wright (50) skurrile Dinge aufgefallen: «Die Matchuhr wurde gar nicht angestellt, Ballbuben gab es erst, als die Spieler reklamierten, aber dann fehlte es wieder an den Bällen, mehr als zwei gab es nicht.» Der erfolgreiche Unternehmer fand es auch suspekt, dass der belgische Schiedsrichter Jonathan Lardot erklärte, dass die Ballbuben und die Bälle nicht seine «Baustelle» seien. Sieber fragte sich nicht zu Unrecht, ob der gegen den FCL verhängte Penalty (Hochstrasser soll Miller umgestossen haben) wirklich einer war und ob der Unparteiische für Luzern einen Handspenalty hätten pfeifen müssen.

Für Frei ist dies schon passé. Er hofft, dass der FCL in Basel effizienter auftritt.

Auswärtsspiel in Basel ist ein Mentalitätstest

dw. Trainer Carlos Bernegger ist nicht bekannt dafür, die Aufstellung durcheinanderzumischen. In Schottland tat er dies. Auf vier Positionen überraschte er mit neuem Personal. Hintergrund: Weil für den FCL während zweier Wochen ungewohnte Europacup-Zeit herrschte, liess er rotieren. Das Rotationsprinzip ist also auch in Luzern angekommen. Der Klub ist in der Professionalisierung so weit fortgeschritten und hat ein 26-Mann-Kader, dass der Trainer personell beinahe aus dem Vollen schöpfen kann.

Bernegger liess in Perth gegen St. Johnstone den neuen Sechser Thierry Doubai (26) ganz draussen. Nicht weil der Ivorer im Hinspiel gegen St. Johnstone (1:1) und beim Ligastart gegen Sion (1:1) schlecht gespielt hätte. «Thierry Doubai fehlt noch der Rhythmus. Es war sinnvoll, seinem Körper eine Pause zu gönnen», sagte Bernegger. Der Trainer ergänzte, dass Doubai am Sonntag (16.00 Uhr, SRF 2) in Basel wieder von Anfang spielt. Alex Frei weiss: «Doubai und Remo Freuler werden uns noch viel Freude bereiten, denn sie harmonieren ausgezeichnet miteinander.»

Bozanic und Hyka mit Schmerzen

Zuerst ebenfalls auf der Ersatzbank sass Alain Wiss (23). Er musste Oliver Bozanic (25) weichen. Der australische WM-Teilnehmer hatte zurück auf der britischen Insel, wo er schon als Profi spielte, Pech. In der 14. Minute musste er verletzt hinaus. Ein Schlag in den Rücken war der Grund für einen stechenden Schmerz. «Ich weiss im Moment nicht, ob ich einsatzbereit bin», so Bozanic gestern vor dem Rückflug. Heute im Training wisse er mehr.

Jérôme Thiesson (26) und überraschenderweise Mittelstürmer Marco Schneuwly (29) mussten zuerst auch draussen auf ihren Einsatz warten. «Ich wollte Marco schonen und dann als stechenden Joker einsetzen, das ist aufgegangen», sagte Bernegger. «Leider stand er mit der Verlängerung trotzdem 65 Minuten lang im intensiven Einsatz.»

Jahmir Hyka (26) erlitt einen Schlag auf den Fuss. «Er tut weh, nun kommt es darauf an, wie mein Fuss auf Belastung reagiert», sagte er.

Jantscher trainiert

Jakob Jantscher (25) machte den Trip nach Perth gar nicht mit. Er trainierte in Luzern mit einem Konditionstrainer. Ob er für Basel schon fit genug ist, bleibt abzuwarten. Claudio Holenstein (23) ist weiterhin am Knie verletzt.

Für Bernegger steht fest: «Gegen Basel müssen wir Charakter zeigen.»

Hinweis

Extrazug am Sonntag direkt ab Luzern (13.25) mit Halt in Sursee (ab 13.43) und Ankunft in Basel St. Jakob um 14.39. Zurück ab Basel St. Jakob (18.25) mit Halt in Sursee (an 19.19) nach Luzern (19.47).