FUSSBALL: Alex Frei: «Klar tanzen die Fans jetzt nicht»

Alex Frei (34) zeigt sich nach dem 3:4 gegen Lausanne selbstkritisch. Schon am Samstag hatte sich abgezeichnet, dass es ein total verunglücktes Wochenende für den FCL-Sportchef wird.

Interview Turi Bucher
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Gute Ausgangslage nicht genutzt: Der Auftritt des FCL, hier Adrian Winter am Boden, rief bei Sportchef Alex Frei grosse Enttäuschung hervor. (Bild Philipp Schmidli)

Gute Ausgangslage nicht genutzt: Der Auftritt des FCL, hier Adrian Winter am Boden, rief bei Sportchef Alex Frei grosse Enttäuschung hervor. (Bild Philipp Schmidli)

Alex Frei, Ihr Gesicht ist stark geschwollen. Was ist passiert?

Alex Frei: Ich habe am Samstag mit den Senioren von Biel-Benken gespielt und bin bereits nach einer Viertelstunde mit einem gegnerischen Spieler zusammengestossen.

Sie sehen nicht gut aus, das muss ein heftiger Zusammenstoss gewesen sein.

Frei: Ja, ich habe einen Jochbeinbruch erlitten und werde diesen im Raum Basel operieren lassen müssen. Ich warte nur noch auf den Termin.

Die Gesundheit geht natürlich vor – aber die 3:4-Niederlage gegen den Tabellenletzten Lausanne muss Ihnen das Wochenende komplett verdorben haben. Sind Sie verärgert über die Mannschaft?

Frei: Nicht verärgert. Aber wir müssen uns schon langsam selber den Vorwurf machen, dass wir immer wieder eine gute Ausgangslage oder vorteilhafte Situationen nicht zu unseren Gunsten ausnutzen können.

Viele vorteilhafte FCL-Situationen gab es aber im Spiel gegen Lausanne nicht.

Frei: Aber die Ausgangslage wäre für den FCL gut gewesen.

Also mehr enttäuscht vom FCL-Auftritt als verärgert?

Frei: Enttäuscht vor allem, weil wir nach dem 1:3-Rückstand zurückgekommen sind, das 3:3 erzielt und dennoch verloren haben.

Der FCL hätte nach dem kaum mehr erwarteten 3:3 in der 88. Minute unbedingt den Punkt verwalten müssen.

Frei: So ist es.

Wie haben Sie nach dem 3:4 durch Lausannes Pascal Feindouno reagiert?

Frei: Unverständnis machte sich in mir breit. Unverständnis, aber auch eine grosse Leere.

Vier Gegentore gegen den Absteiger Lausanne und ein insgesamt zerfahrener, nervöser, blockierter, durch viel zu viele Ungenauigkeiten und Unachtsamkeiten geprägter Auftritt – das war kein FCL-Statement für die Europa League, oder?

Frei: Dazu habe ich zwei Antworten parat. Einerseits muss man wissen, dass wir beim FCL zu Saisonbeginn nie von einem Platz in der Europa League gesprochen haben. Andererseits haben wir im Verlaufe dieser Saison die Möglichkeit für eine Europa-League-Qualifikation derart auf dem Präsentierteller serviert bekommen, dass wir tatsächlich nicht zufrieden sein dürfen.

Das Erfreulichste an diesem Sonntagnachmittag war noch, dass der FC Thun, Luzerns direkter Konkurrent im Kampf um einen Platz in der Europa League, gegen Sion auch verloren hat.

Frei: Eben, wir müssen uns den Vorwurf machen, dass wir mit einem Erfolg gegen Lausanne die Vorentscheidung um den Einzug in die Europa League am kommenden Donnerstag gegen die Grasshoppers in den eigenen Händen gehabt hätten. Wir müssen sowieso lernen, uns nicht von Resultaten in anderen Stadien, nicht von Resultaten von anderen Klubs abhängig zu machen.

Nach dem Schlusspfiff gabs ein gellendes Pfeifkonzert der FCL-Fans. Was sagen Sie dazu?

Frei: Auch hier gibt es zwei Seiten. Dass die FCL-Fans nicht gerade durch die Tribünenreihen tanzen, wenn wir gegen den Absteiger vier Tore kassieren, ist ja wohl verständlich. Aber ich sage den Fans auch: Der FC Luzern hat zwei Runden vor Schluss immer noch die Möglichkeit, sich für die Europa League zu qualifizieren.

Haben Sie nach dem 3:4-Flop noch mit der Mannschaft in der Kabine gesprochen?

Frei: Nein, das habe ich nicht. Ich kann ja im Moment kaum richtig sprechen mit meinem geschwollenen Gesicht.