FUSSBALL: Alex Frei stachelt Rangelov an

Dimitar Rangelov (30) ist längst die grosse Enttäuschung beim FC Luzern. Sportdirektor Alex Frei hält aber grosse Stücke auf ihn. Er hofft, dass der Bulgare den FCL zum Ligaerhalt schiesst.

Daniel Wyrsch
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Er ist das grösste Sorgenkind beim FC Luzern: Stürmer Dimitar Rangelov.

Er ist das grösste Sorgenkind beim FC Luzern: Stürmer Dimitar Rangelov.

Für Roger Wehrli, den früheren Meister-Captain des FC Luzern und heutigen Kolumnisten unserer Zeitung, ist der Fall längst klar: «Dimitar Rangelov ist ein Ärgernis.» Wehrli fragt rhetorisch, ob der neue FCL-Trainer Carlos Bernegger am nächsten Sonntag (13.45) im Heimspiel gegen Cupfinalist GC den bulgarischen Nationalstürmer auf die Ersatzbank beordert. «Entweder trainiert Rangelov wie ein Weltmeister, oder er hat eine Stammplatzgarantie?» So wie «Giftzahn» Wehrli denken in der Zentralschweiz viele Fussballfans. Als Rangelov letzten Samstag beim 1:0-Sieg über Lausanne nach einer schwachen Leistung ausgewechselt wurde, musste er zum wiederholten Mal von den eigenen Zuschauern Pfiffe über sich ergehen lassen.

Unrühmliche Bilanz

In 24 Liga-Spielen hat der 30-Jährige aus Sofia erst 1 Tor (einen Penalty gegen St. Gallen) erzielt. Dazu kommt noch 1 Treffer zum 2:1-Heimsieg in der Qualifikation zur Europa League gegen Genk. Im Rückspiel in Belgien nahm die Negativspirale ihren Anfang: Rangelov trat seinem Gegenspieler kurz vor der Pause völlig aus dem Nichts in den Hintern, der Schiedsrichter schickte ihn wegen dieser Tätlichkeit vom Platz, und Luzern verlor das bis zu jenem Zeitpunkt kontrollierte Spiel mit 0:2. Statt den mehr als 2 Millionen Franken Einnahmen, die das Erreichen der Gruppenspiele gebracht hätten, schieden die Innerschweizer aus. FCL-Ehrenpräsident Walter Stierli las dem ausgerasteten Profi tüchtig die Leviten, der beklagte sich später, dass ihm so etwas noch nie passiert sei.

Später im Herbst verpasste Rangelov Mitspieler Jérôme Thiesson im Training einen Kopfstoss, der einen zahnmedizinischen Eingriff nötig machte. Während der Vorbereitung zur Rückrunde nutzte Rangelov das Aquatraining im neuen Schwimmbad Luzern dazu, einen kritischen Boulevardjournalisten in den Swimmingpool zu stossen. Der junge Mann verletzte sich dabei und beendete seine Karriere als Sportreporter.

Beim FCL sind nicht zuletzt wegen den fehlenden Toren von Rangelov die guten Resultate ausgeblieben, als Konsequenz mussten die Trainer Murat Yakin und Ryszard Komornicki sowie Sportchef Heinz Hermann vorzeitig gehen. Trotzdem hofft der neue Sportdirektor Alex Frei (33), dass der Knoten bei Rangelov im letzten Viertel der Meisterschaft doch noch platzt und der Bulgare Luzern aus der Abstiegszone schiesst. «Ich bin überzeugt davon, dass er es packt bis zum Saisonende. Er selber ist frustriert darüber, dass er nur ein Liga-Goal erzielt hat. Das ist nicht einfach für einen Stürmer.»

Frei macht es wie Dréossi und Zorc

Ex-Knipser Frei kann sich in seinen früheren Stürmerkollegen hineinversetzen. Er sagt, er habe sich Gedanken gemacht über vermeintliche Sorgenkinder, wie sie hier beim FCL bezeichnet werden. Rangelov liege ihm besonders am Herzen. Er wolle mit ihm das Gespräch suchen. «Die Qualität, die er hat, entspricht sicher nicht den Zahlen, die bisher in seiner Luzern-Bilanz stehen.» Frei geht sogar einen Schritt weiter, kritisiert die Kritiker des derzeit scheinbar einzigen valablen FCL-Stürmers – von dem vom FC Wil ausgeliehenen Otele Mouangue und vom 21-jährigen Luzerner Nico Siegrist spricht er nicht. Seiner Meinung nach sei es schade, dass man Rangelov in der Zentralschweiz schon nach drei Spielen abgeschrieben habe, dies habe er vor acht Monaten noch als Spieler des FC Basel beobachtet. «Ich finde es sehr unglücklich, weil man über einen Spieler frühestens nach sechs Monaten und am besten erst nach einem Jahr urteilen sollte.» Luzerns neuer Sportchef nimmt dabei Werte aus seiner an Erfahrungen reichen Karriere als Massstab. Bei Stade Rennes sei es nie vorgekommen, dass man einen Profi, den man im Sommer geholt habe, bereits im Winter wieder wegschickte. Frei selber hatte nach einem harzigen Start in der Bretagne von der Geduld des Rennes-Sportchefs Pierre Dréossi profitiert – erst später konnte sich der Baselbieter mit 21 Saisontoren als Torschützenkönig der Ligue 1 feiern lassen. «In Luzern will ich es gleich wie bei Rennes handhaben, erst nach einer Saison schaue ich die Situation mit einem Spieler konkret an.»

Dieses Gespräch mit Rangelov steht bald vor der Tür. Frei sagt, er werde den Stürmer fragen, was er wolle. «Falls er sich hier nicht wohl fühlen sollte, müssten wir eine andere Lösung suchen. Doch falls Dimitar sagt, er wolle hier bleiben, dann bespreche ich die Sache mit dem Trainer.» Schliesslich müsse vor allem Carlos Bernegger von einem Spieler überzeugt sein. Alex Frei betont, dass er sich nicht in die Aufstellung einmischen werde. Das Gespräch mit den Profis werde er jedoch von Zeit zu Zeit suchen. Er erinnert sich an Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, der ihn einst mit seiner persönlichen Meinung konfrontiert habe. «Hör mal Alex, ich erwarte mehr von dir», habe der frühere BVB-Captain zu ihm gesagt – und damit den ehrgeizigen Goalgetter richtig angestachelt und gepusht.

Gemeinsame Zeit bei Dortmund

Für den FC Luzern ist zu hoffen, dass Frei bei Rangelov eine ähnliche Reaktion provoziert. Über die Qualitäten des ehemaligen Gegenspielers, den er im Sommertrainingslager 2009 mit Dortmund – direkt vor seiner Rückkehr zum FC Basel – einige Wochen als Mitspieler kennen lernte, sagt Luzerns Sportchef: «Ich bin überzeugt, wenn Rangelov Vertrauen spürt, schiesst er 10 bis 15 Tore in der Super League.»

Schafft Rangelov den Turnaround und schiesst den FCL in den letzten neun Partien zum Ligaerhalt, dann wäre die Saison wenigstens halbwegs gerettet.